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GDF SUEZ nutzt Gunst der Stunde - Diskussion um Eurobonds bringt Leben in die Bude
25.05.12 10:37
Baader Bank
Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - Die Staatsschuldenkrise hat mittlerweile ein bisher nicht gekanntes Ausmaß erreicht, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.
In einer Zeit, in der viele Industrienationen nicht wissen würden, ob sie sich die notwendige Refinanzierung noch leisten könnten, sei eine Nullzinskupon-Anleihe eines anderen Landes wohl einmalig. Wohlgemerkt, es gehe nicht um einen Zerobond, also um eine Nullkuponanleihe, sondern um eine Anleihe, die einen Kupon von 0,00% für zwei Jahre biete und leicht unter pari emittiert worden sei.
Die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland habe gestern planmäßig eine zweijährige Bundesschatzanweisung mit einer solchen Ausstattung aufgelegt. Eine Nullzinskupon-Anleihe habe es in der Geschichte der Bundesrepublik noch nie gegeben. Man frage sich nun, welche Anleger und aus welchen Gründen Deutschland Kapital zum Nulltarif leihen würden?
Viele Investoren seien durch Anlagerichtlinien gezwungen in Staatsanleihen engagiert zu sein und durch die Bindung an entsprechende Indices bleibe ihnen keine andere Wahl als in die Benchmark zu investieren. Die Gelder kurzfristig als Festgelder anzulegen wäre zwar unter den Gesichtspunkten Rendite und Kosten interessanter, allerdings sei die Risikobewertung der Bundestitel nicht mit den Tages- oder Festgeldanlagen vergleichbar und gelte als das Nonplusultra inpunkto Sicherheit.
Negative Kupons werde es zwar nicht geben, aber es sei nicht auszuschließen, dass dieser Irrsinn noch weiter gehe und schon bald eine Nullkuponanleihe über Pari ausgegeben werden könne. Sicherheit habe ihren Preis und sei momentan das höchste Gut. Auf dieser Welle des Vertrauens surfe unser Finanzminister bereits seit einiger Zeit und die Welle scheine ihn immer weiter zu tragen. Mit diesen Auswüchsen werde allerdings den Befürwortern der Eurobonds wieder in die Karten gespielt, denn es würden Begehrlichkeiten geweckt und der Ruf nach Solidarität werde laut. Sich an den Futternäpfen anderer zu bedienen, sei en vogue.
Es stehe 13:4. Falsch, es handle sich nicht um ein Fußballspiel von Borussia Dortmund gegen den 1. FC Köln, sondern um den wachsenden Anteil der Euroländer, die von der guten Bonität Deutschlands profitieren wollten und Eurobonds fordern würden. Es gehe also um den Schritt zur Vollendung der Transferunion. Doch Angela Merkel fahre - noch - die harte Tour. Viele Verträge seien über Monate verhandelt worden und diese würden auch nicht geändert, wenn ein neuer französischer Staatspräsident mit alten Ideen daher komme.
Die Pessimisten würden aber nicht glauben, dass sich unsere Bundeskanzlerin noch lange gegen das Ansinnen der Schuldensünder stemmen könne. Obwohl die gemeinsamen Anleihen den Problemländern jeden Reformdruck nehmen würden, werde erwartet, dass schon bald Eurobonds mit kurzen Laufzeiten emittiert würden, damit sich die klammen Staaten refinanzieren könnten.
Um unserer Regierungschefin die Möglichkeit zu geben, ihr Gesicht zu wahren, könnten Eurobonds aber auch in einer anderen Verpackung, beispielsweise als Projektbonds, aufgelegt werden. Seitens der Bundesregierung seien solche Bonds zur besonderen Verwendung - begeben durch die Europäische Investitionsbank - nicht ausgeschlossen worden. Die Hintertür zum Hühnerstall werde also geöffnet und es könne nicht mehr lange dauern, bis die ersten Marder gesichtet werden.
Die 29 als global bedeutend eingestuften Großbanken würden zur Erfüllung der Basel III-Anforderungen neues, zusätzliches Eigenkapital in Höhe von 556 Mrd. US-Dollar brauchen. Diese Zahl habe die Ratingagentur Fitch errechnet. Das bedeute einen ca. 23%-igen Anstieg gegenüber dem aktuellen aggregierten Eigenkapital dieser Banken in Höhe von 2,5 Bill. US-Dollar. Obwohl die Basel III-Anforderungen bezüglich der Eigenkapitalausstattung erst Ende 2018 komplett zu erfüllen seien, möchten die meisten Finanzinstitute bereits deutlich früher ihre Hausaufgaben erledigt wissen.
Die potenzielle Erhöhung des Eigenkapitals werde einen deutlichen Einfluss auf die mögliche Eigenkapitalverzinsung haben. Statt einer durchschnittlichen Eigenkapitalrendite (ROE) von knapp 11% in den vergangen Jahren, bedeute dies in der Basel III-Welt einen ROE von nur noch 8 bis 9%. Interessant werde sein, welche ROE-Ziele die großen Häuser künftig verfolgen würden, was Aktien- und Bondinvestoren, deren Interessenlagen oftmals konträr seien, davon halten würden und ob mit mehr Risiko die Eigenkapitalrendite aufgebessert werde.
Premiumkunden würden nicht nur beim Zahnarzt oder beim Autokauf eine Sonderbehandlung bekommen. Gleiches gelte auch für den größten Käufer amerikanischer Anleihen: China. Während Deutschland, Frankreich oder Kanada beim Kauf von US-Staatsanleihen über einen so genannten Primärhändler gehen müssten, würden die Chinesen eine Sonderbehandlung genießen. Die Volksrepublik könne US-Bonds direkt beim Finanzministerium in Washington kaufen. Und das nicht erst seit gestern.
Bereits seit Juni 2011 habe China diesen direkten Marktzugang. Alle anderen ausländischen Zentralbanken würden US-Banken, die als Primärhändler fungieren würden, ihre Orders geben. Die Banken würden dann im Auftrag der Notenbanken bei den US-Bond-Auktionen bieten. Damit spare sich der asiatische Staat die Provisionen für die Primärhändler und erhalte bessere Konditionen als andere Länder. Kein Wunder, denn China halte nominal rund 1,17 Billionen US-Dollar an amerikanischen Staatsanleihen und sei damit der größte Gläubiger der USA.
Nachdem in den vergangenen Wochen nur wenige Unternehmen den Schritt an den Kapitalmarkt gewagt hätten, habe sich nun mit dem französischen Energieversorgungskonzern GDF SUEZ SA (ISIN FR0010208488/ WKN A0ER6Q) ein namhafter Emittent entschieden, die Gunst der Stunde zu nutzen. Mit insgesamt 3 Mrd. EUR, verteilt auf drei Tranchen im Volumen von je 1 Mrd. EUR und Laufzeiten von vier, sechs und zehn Jahren, habe das Refinanzierungsvolumen den Bedürfnissen des Marktes entsprochen.
Die Nachfrage von über 7 Mrd. EUR habe das angestrebte Emissionsvolumen erheblich übertroffen. Das Unternehmen sei mit A1/A bewertet und müsse für die unterschiedlichen Laufzeiten lediglich jährlich 1,5%, 2,25% bzw. 3% zahlen. Die kleinste handelbare Einheit der in 2016 und 2018 fälligen Tranchen sei mit nominal 1.000,--EUR als privatanlegerfreundlich zu bezeichnen. Die zehnjährige Laufzeit sei lediglich in 100.000,-- EUR Stückelung handelbar und somit mehr für institutionelle Anleger interessant.
Auch der Tabakhändler Philip Morris (ISIN US7181721090/ WKN A0NDBJ) sei am Kapitalmarkt aktiv geworden und habe neue Bonds mit unterschiedlichen Fälligkeiten emittiert. Die 7-jährige Anleihe (im Volumen von 750 Mio. EUR) beschere den Anlegern einen jährlichen Kupon von 2,125% und die 12-jährige Anleihe (im Volumen von 600 Mio. EUR) von 2,875%. Die kleinste handelbare Einheit in Höhe von 100.000,--EUR deute allerdings nicht auf Privatkunden als Zielgruppe hin. Das Rating des Unternehmens werde mit A2/A angegeben.
In den nächsten Wochen könnte es zu einer deutlichen Belebung der Emissionstätigkeit kommen, da die aktuell niedrigen Zinsen den Refinanzierungsplänen der Unternehmen entgegenkommen würden. Und durch die vermehrte Forderung nach Eurobonds könne nicht ausgeschlossen werden, dass das Zinsniveau durch Zugeständnisse unserer Regierung sich zu Ungunsten aller Emittenten entwickeln werde.
Selbst Investoren würden sich nur noch verwundert die Augen reiben, jede Woche ein neuer Höchststand beim Sorgenbarometer. Allerdings gehe jeder Krug nur so lange zum Brunnen bis er breche. Das wolle heißen, dies ist keine "never ending story", aber niemand vermöge zu sagen, wie lange das noch gut gehe. Die Unsicherheiten in der Eurozone würden die Märkte nicht zur Ruhe kommen lassen. Viele Investoren würden sich nur noch nach Sicherheit sehnen und seien daher auch bereit, Minirenditen für ihr Kapital zu akzeptieren. Noch sei Deutschland der Fels in der Brandung, aber der Druck der Schuldensünder werde immer größer und so stelle man sich die Frage: "Wann wird unsere Regierung einknicken und die Stabilitätspolitik über den Haufen werfen?"
Die Antwort kenne allein der Wind und so stehe auch die Frage im Raum: "Wird die Höchstmarke vom 23. Mai 2012 bei 144,28% nochmals durchstoßen oder ist nun alles vorbei?" Eines sei aber sicher. Die Luft werde immer dünner und es sei zu befürchten, dass sich auch Deutschland dem Negativtrend der anderen Euroländer nicht dauerhaft entziehen könne. Somit sei nach dem Blick nach oben, auch vorsichtig nach unten zu schauen. Aus charttechnischer Sicht würden die Unterstützungen aktuell bei 141,83% respektive 141,37% verlaufen.
In dieser Woche habe die Europäische Zentralbank (EZB) im Rahmen eines siebentägigen Refinanzierungsgeschäfts dem Geldmarkt die vorgesehenen 212,0 Mrd. EUR entzogen. Dieser Betrag entspreche der Summe der -im Rahmen des Ankaufprogramms- abgewickelten Transaktionen. Die EZB sei erneut nicht am Kapitalmarkt aktiv gewesen. Somit habe die EZB von 70 Instituten (Vw.: 74) Gebote über 459,846 Mrd. EUR (Vw.: 441,270 Mrd. EUR) erhalten. Der gewogene Durchschnittssatz habe unverändert 0,26% betragen.
In den USA seien in dieser Handelswoche den Investoren verschiedene Papiere im Volumen von 186 Mrd. US-Dollar zum Kauf angeboten worden. Dabei habe es sich um 30 Mrd. US-Dollar als 4-Wochen-, 30 Mrd. US-Dollar als 3-Monat-, 27 Mrd. US-Dollar als 6-Monat-, 35 Mrd. US-Dollar als 2-Jahre-, 35 Mrd. US-Dollar als 5-Jahre und 29 Mrd. US-Dollar als 7-Jahre-T-Bonds gehandelt.
In Euroland seien in dieser Handelswoche diverse Altemissionen Belgiens (ISIN BE0000323320/ WKN A1GN5N, 2017; ISIN BE0000325341/ WKN A1GZNB, 2022; ISIN BE0000324336/ WKN A1GSKN, 2026; ISIN IT0004513641/ WKN A1AJ3B, 2025) und der Niederlande (ISIN NL0010055703/ WKN A1GY3T, 2015) aufgestockt worden. In Deutschland sei das Emissionsvolumen der 2023 endfälligen inflationsindexierten Anleihe (ISIN DE0001030542/ WKN 103054) um weitere 1,5 Mrd. EUR auf insgesamt 3,5 Mrd. EUR erhöht worden. Bei einer 1,3-fachen Überzeichnung sei die Zuteilung bei einer negativen realen Durchschnittsrendite von -0,24% erfolgt.
Das besondere Ereignis aus deutscher Sicht sei allerdings die planmäßige Emission einer neuen zweijährigen Bundesschatzanweisung (ISIN DE0001137388/ WKN 113738) gewesen. Erstmals habe bei einer Laufzeit von zwei Jahren ein Kupon von 0,00% festgeschrieben werden können, ein Novum. Dennoch habe die Nachfrage das Angebot um das 1,7-fache übertroffen und die Zuteilung der Gebote sei bei einer Durchschnittsrendite von 0,07% erfolgt. Das Emissionsvolumen inklusive der Marktpflege betrage 5 Mrd. EUR.
Ein altes Sprichwort sage: "Eines ist gewiss, nichts bleibt wie es ist." Leider treffe das aktuell nicht auf den Euro zu. Gegenüber dem US-Dollar habe es lediglich zum zwischenzeitlichen Durchatmen bei 1,2824 gereicht, denn mittlerweile setze er seinen Abwärtstrend weiter fort und sei inzwischen unter die Marke von 1,26 abgetaucht. Dollar sei aber nicht gleich Dollar und so präsentiere sich die Gemeinschaftswährung gegenüber dem Australischen Dollar bereits seit Jahresbeginn (1,2689) fester und habe mit 1,3028 ein neues 5-Monats-Hoch erreicht.
Die aktuelle Diskussion um die Zukunft des Euros veranlasse immer mehr Privatanleger, ihr Depot auf den Fall der Fälle vorzubereiten. Entsprechend würden immer wieder Fremdwährungsanleihen zur Risikoabsicherung geordert. Insbesondere Anleihen in Brasilianischem Real, Australischem Dollar und Norwegischer Krone stünden unter Beobachtung der Euro-skeptischen Investoren.
Disclaimer
Die hier wiedergegebenen Publikationen, Kommentare oder sonstigen Beiträge wurden von den im Namen der Baader Bank AG Stellung nehmenden Autoren oder Kommentatoren sorgfältig zusammengestellt und beruhen zum Teil auf allgemein zugänglichen Quellen und Daten Dritter, für deren Richtigkeit und Vollständigkeit wir keine Gewähr übernehmen können. Sie stellen eine Übersicht und Zusammenfassung ausgewählter Meldungen und Zahlen dar. Die Informationen stellen keine Anlageberatung, keine Anlageempfehlung und keine Aufforderung zum Erwerb oder zur Veräußerung dar.
Die Informationen wurden einzig zu Informations- und Marketingzwecken zur Verwendung durch den Empfänger erstellt. Sie stellen keine Finanzanalyse i.S. des § 34b WpHG dar und genügen deshalb nicht allen gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Finanzanalysen und unterliegen nicht dem Verbot des Handelns vor der Veröffentlichung von Finanzanalysen.
Es wird keine Gewähr für die Geeignetheit und Angemessenheit der dargestellten Finanzinstrumente sowie für die wirtschaftlichen und steuerlichen Konsequenzen einer Anlage in den dargestellten Finanzinstrumenten und für deren zukünftige Wertentwicklung übernommen. Die in der Vergangenheit erzielte Performance ist kein Indikator für zukünftige Wertentwicklungen. Bitte beachten Sie, dass Aussagen über zukünftige wirtschaftliche Entwicklungen grundsätzlich auf Annahmen und Einschätzungen basieren, die sich im Zeitablauf als nicht zutreffend erweisen können. Es wird daher dringend geraten, unabhängigen Rat von Anlage- und Steuerberatern einzuholen.
Durch das Zurverfügungstellen dieser Informationen wird der Empfänger weder zum Kunden der Baader Bank AG, noch entstehen der Baader Bank AG dadurch irgendwelche Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten dem Empfänger gegenüber, insbesondere kommt kein Auskunftsvertrag zwischen der Baader Bank AG und dem Empfänger dieser Informationen zustande.
Es wird darauf hingewiesen, dass die Baader Bank an fünf deutschen Börsen als Skontroführer tätig ist und es möglich ist, dass das Institut in den beschriebenen Anlageinstrumenten eigene Positionen hält. Dieser Aspekt kann Einfluss auf die Informationen haben. Bitte beachten Sie auch die Ausführungen in dem Dokument "Umgang mit Interessenkonflikten bei der Baader Bank Aktiengesellschaft" das Sie unter www.baaderbank.de abrufen können.
Der Versand oder die Vervielfältigung dieses Dokuments ist ohne die vorherige schriftliche Zustimmung der Baader Bank AG nicht gestattet. Dieses Dokument enthält möglicherweise Links oder Hinweise auf die Webseiten von Dritten, welche von der Baader Bank AG nicht kontrolliert werden können und daher kann die Baader Bank AG keine Verantwortung für den Inhalt von solchen Webseiten Dritter oder darin enthaltenen weiteren Links übernehmen.
Copyright © 2011: Veröffentlicht von Baader Bank AG, Weihenstephaner Straße 4, 85716 Unterschleißheim, Deutschland.
Baader Bank AG ist eine Aktiengesellschaft nach dem Recht der Bundesrepublik Deutschland mit Hauptgeschäftssitz in München. Baader Bank AG ist beim Amtsgericht in München unter der Nummer HRB 121537 eingetragen und wird beaufsichtigt von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Lurgiallee 12, 60439 Frankfurt am Main und Graurheindorfer Straße 108, 53117 Bonn. Die Umsatzsteueridentifikationsnummer von Baader Bank AG ist DE 114123893.
Der Vorsitzende des Aufsichtsrats ist Dr. Horst Schiessl. Die Mitglieder des Vorstands sind Uto Baader (Vorsitzender), Nico Baader, Dieter Brichmann und Dieter Silmen. (25.05.2012/alc/a/a)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:
Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.
In einer Zeit, in der viele Industrienationen nicht wissen würden, ob sie sich die notwendige Refinanzierung noch leisten könnten, sei eine Nullzinskupon-Anleihe eines anderen Landes wohl einmalig. Wohlgemerkt, es gehe nicht um einen Zerobond, also um eine Nullkuponanleihe, sondern um eine Anleihe, die einen Kupon von 0,00% für zwei Jahre biete und leicht unter pari emittiert worden sei.
Die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland habe gestern planmäßig eine zweijährige Bundesschatzanweisung mit einer solchen Ausstattung aufgelegt. Eine Nullzinskupon-Anleihe habe es in der Geschichte der Bundesrepublik noch nie gegeben. Man frage sich nun, welche Anleger und aus welchen Gründen Deutschland Kapital zum Nulltarif leihen würden?
Viele Investoren seien durch Anlagerichtlinien gezwungen in Staatsanleihen engagiert zu sein und durch die Bindung an entsprechende Indices bleibe ihnen keine andere Wahl als in die Benchmark zu investieren. Die Gelder kurzfristig als Festgelder anzulegen wäre zwar unter den Gesichtspunkten Rendite und Kosten interessanter, allerdings sei die Risikobewertung der Bundestitel nicht mit den Tages- oder Festgeldanlagen vergleichbar und gelte als das Nonplusultra inpunkto Sicherheit.
Negative Kupons werde es zwar nicht geben, aber es sei nicht auszuschließen, dass dieser Irrsinn noch weiter gehe und schon bald eine Nullkuponanleihe über Pari ausgegeben werden könne. Sicherheit habe ihren Preis und sei momentan das höchste Gut. Auf dieser Welle des Vertrauens surfe unser Finanzminister bereits seit einiger Zeit und die Welle scheine ihn immer weiter zu tragen. Mit diesen Auswüchsen werde allerdings den Befürwortern der Eurobonds wieder in die Karten gespielt, denn es würden Begehrlichkeiten geweckt und der Ruf nach Solidarität werde laut. Sich an den Futternäpfen anderer zu bedienen, sei en vogue.
Es stehe 13:4. Falsch, es handle sich nicht um ein Fußballspiel von Borussia Dortmund gegen den 1. FC Köln, sondern um den wachsenden Anteil der Euroländer, die von der guten Bonität Deutschlands profitieren wollten und Eurobonds fordern würden. Es gehe also um den Schritt zur Vollendung der Transferunion. Doch Angela Merkel fahre - noch - die harte Tour. Viele Verträge seien über Monate verhandelt worden und diese würden auch nicht geändert, wenn ein neuer französischer Staatspräsident mit alten Ideen daher komme.
Die Pessimisten würden aber nicht glauben, dass sich unsere Bundeskanzlerin noch lange gegen das Ansinnen der Schuldensünder stemmen könne. Obwohl die gemeinsamen Anleihen den Problemländern jeden Reformdruck nehmen würden, werde erwartet, dass schon bald Eurobonds mit kurzen Laufzeiten emittiert würden, damit sich die klammen Staaten refinanzieren könnten.
Um unserer Regierungschefin die Möglichkeit zu geben, ihr Gesicht zu wahren, könnten Eurobonds aber auch in einer anderen Verpackung, beispielsweise als Projektbonds, aufgelegt werden. Seitens der Bundesregierung seien solche Bonds zur besonderen Verwendung - begeben durch die Europäische Investitionsbank - nicht ausgeschlossen worden. Die Hintertür zum Hühnerstall werde also geöffnet und es könne nicht mehr lange dauern, bis die ersten Marder gesichtet werden.
Die 29 als global bedeutend eingestuften Großbanken würden zur Erfüllung der Basel III-Anforderungen neues, zusätzliches Eigenkapital in Höhe von 556 Mrd. US-Dollar brauchen. Diese Zahl habe die Ratingagentur Fitch errechnet. Das bedeute einen ca. 23%-igen Anstieg gegenüber dem aktuellen aggregierten Eigenkapital dieser Banken in Höhe von 2,5 Bill. US-Dollar. Obwohl die Basel III-Anforderungen bezüglich der Eigenkapitalausstattung erst Ende 2018 komplett zu erfüllen seien, möchten die meisten Finanzinstitute bereits deutlich früher ihre Hausaufgaben erledigt wissen.
Die potenzielle Erhöhung des Eigenkapitals werde einen deutlichen Einfluss auf die mögliche Eigenkapitalverzinsung haben. Statt einer durchschnittlichen Eigenkapitalrendite (ROE) von knapp 11% in den vergangen Jahren, bedeute dies in der Basel III-Welt einen ROE von nur noch 8 bis 9%. Interessant werde sein, welche ROE-Ziele die großen Häuser künftig verfolgen würden, was Aktien- und Bondinvestoren, deren Interessenlagen oftmals konträr seien, davon halten würden und ob mit mehr Risiko die Eigenkapitalrendite aufgebessert werde.
Premiumkunden würden nicht nur beim Zahnarzt oder beim Autokauf eine Sonderbehandlung bekommen. Gleiches gelte auch für den größten Käufer amerikanischer Anleihen: China. Während Deutschland, Frankreich oder Kanada beim Kauf von US-Staatsanleihen über einen so genannten Primärhändler gehen müssten, würden die Chinesen eine Sonderbehandlung genießen. Die Volksrepublik könne US-Bonds direkt beim Finanzministerium in Washington kaufen. Und das nicht erst seit gestern.
Bereits seit Juni 2011 habe China diesen direkten Marktzugang. Alle anderen ausländischen Zentralbanken würden US-Banken, die als Primärhändler fungieren würden, ihre Orders geben. Die Banken würden dann im Auftrag der Notenbanken bei den US-Bond-Auktionen bieten. Damit spare sich der asiatische Staat die Provisionen für die Primärhändler und erhalte bessere Konditionen als andere Länder. Kein Wunder, denn China halte nominal rund 1,17 Billionen US-Dollar an amerikanischen Staatsanleihen und sei damit der größte Gläubiger der USA.
Nachdem in den vergangenen Wochen nur wenige Unternehmen den Schritt an den Kapitalmarkt gewagt hätten, habe sich nun mit dem französischen Energieversorgungskonzern GDF SUEZ SA (ISIN FR0010208488/ WKN A0ER6Q) ein namhafter Emittent entschieden, die Gunst der Stunde zu nutzen. Mit insgesamt 3 Mrd. EUR, verteilt auf drei Tranchen im Volumen von je 1 Mrd. EUR und Laufzeiten von vier, sechs und zehn Jahren, habe das Refinanzierungsvolumen den Bedürfnissen des Marktes entsprochen.
Die Nachfrage von über 7 Mrd. EUR habe das angestrebte Emissionsvolumen erheblich übertroffen. Das Unternehmen sei mit A1/A bewertet und müsse für die unterschiedlichen Laufzeiten lediglich jährlich 1,5%, 2,25% bzw. 3% zahlen. Die kleinste handelbare Einheit der in 2016 und 2018 fälligen Tranchen sei mit nominal 1.000,--EUR als privatanlegerfreundlich zu bezeichnen. Die zehnjährige Laufzeit sei lediglich in 100.000,-- EUR Stückelung handelbar und somit mehr für institutionelle Anleger interessant.
Auch der Tabakhändler Philip Morris (ISIN US7181721090/ WKN A0NDBJ) sei am Kapitalmarkt aktiv geworden und habe neue Bonds mit unterschiedlichen Fälligkeiten emittiert. Die 7-jährige Anleihe (im Volumen von 750 Mio. EUR) beschere den Anlegern einen jährlichen Kupon von 2,125% und die 12-jährige Anleihe (im Volumen von 600 Mio. EUR) von 2,875%. Die kleinste handelbare Einheit in Höhe von 100.000,--EUR deute allerdings nicht auf Privatkunden als Zielgruppe hin. Das Rating des Unternehmens werde mit A2/A angegeben.
In den nächsten Wochen könnte es zu einer deutlichen Belebung der Emissionstätigkeit kommen, da die aktuell niedrigen Zinsen den Refinanzierungsplänen der Unternehmen entgegenkommen würden. Und durch die vermehrte Forderung nach Eurobonds könne nicht ausgeschlossen werden, dass das Zinsniveau durch Zugeständnisse unserer Regierung sich zu Ungunsten aller Emittenten entwickeln werde.
Selbst Investoren würden sich nur noch verwundert die Augen reiben, jede Woche ein neuer Höchststand beim Sorgenbarometer. Allerdings gehe jeder Krug nur so lange zum Brunnen bis er breche. Das wolle heißen, dies ist keine "never ending story", aber niemand vermöge zu sagen, wie lange das noch gut gehe. Die Unsicherheiten in der Eurozone würden die Märkte nicht zur Ruhe kommen lassen. Viele Investoren würden sich nur noch nach Sicherheit sehnen und seien daher auch bereit, Minirenditen für ihr Kapital zu akzeptieren. Noch sei Deutschland der Fels in der Brandung, aber der Druck der Schuldensünder werde immer größer und so stelle man sich die Frage: "Wann wird unsere Regierung einknicken und die Stabilitätspolitik über den Haufen werfen?"
In dieser Woche habe die Europäische Zentralbank (EZB) im Rahmen eines siebentägigen Refinanzierungsgeschäfts dem Geldmarkt die vorgesehenen 212,0 Mrd. EUR entzogen. Dieser Betrag entspreche der Summe der -im Rahmen des Ankaufprogramms- abgewickelten Transaktionen. Die EZB sei erneut nicht am Kapitalmarkt aktiv gewesen. Somit habe die EZB von 70 Instituten (Vw.: 74) Gebote über 459,846 Mrd. EUR (Vw.: 441,270 Mrd. EUR) erhalten. Der gewogene Durchschnittssatz habe unverändert 0,26% betragen.
In den USA seien in dieser Handelswoche den Investoren verschiedene Papiere im Volumen von 186 Mrd. US-Dollar zum Kauf angeboten worden. Dabei habe es sich um 30 Mrd. US-Dollar als 4-Wochen-, 30 Mrd. US-Dollar als 3-Monat-, 27 Mrd. US-Dollar als 6-Monat-, 35 Mrd. US-Dollar als 2-Jahre-, 35 Mrd. US-Dollar als 5-Jahre und 29 Mrd. US-Dollar als 7-Jahre-T-Bonds gehandelt.
In Euroland seien in dieser Handelswoche diverse Altemissionen Belgiens (ISIN BE0000323320/ WKN A1GN5N, 2017; ISIN BE0000325341/ WKN A1GZNB, 2022; ISIN BE0000324336/ WKN A1GSKN, 2026; ISIN IT0004513641/ WKN A1AJ3B, 2025) und der Niederlande (ISIN NL0010055703/ WKN A1GY3T, 2015) aufgestockt worden. In Deutschland sei das Emissionsvolumen der 2023 endfälligen inflationsindexierten Anleihe (ISIN DE0001030542/ WKN 103054) um weitere 1,5 Mrd. EUR auf insgesamt 3,5 Mrd. EUR erhöht worden. Bei einer 1,3-fachen Überzeichnung sei die Zuteilung bei einer negativen realen Durchschnittsrendite von -0,24% erfolgt.
Das besondere Ereignis aus deutscher Sicht sei allerdings die planmäßige Emission einer neuen zweijährigen Bundesschatzanweisung (ISIN DE0001137388/ WKN 113738) gewesen. Erstmals habe bei einer Laufzeit von zwei Jahren ein Kupon von 0,00% festgeschrieben werden können, ein Novum. Dennoch habe die Nachfrage das Angebot um das 1,7-fache übertroffen und die Zuteilung der Gebote sei bei einer Durchschnittsrendite von 0,07% erfolgt. Das Emissionsvolumen inklusive der Marktpflege betrage 5 Mrd. EUR.
Ein altes Sprichwort sage: "Eines ist gewiss, nichts bleibt wie es ist." Leider treffe das aktuell nicht auf den Euro zu. Gegenüber dem US-Dollar habe es lediglich zum zwischenzeitlichen Durchatmen bei 1,2824 gereicht, denn mittlerweile setze er seinen Abwärtstrend weiter fort und sei inzwischen unter die Marke von 1,26 abgetaucht. Dollar sei aber nicht gleich Dollar und so präsentiere sich die Gemeinschaftswährung gegenüber dem Australischen Dollar bereits seit Jahresbeginn (1,2689) fester und habe mit 1,3028 ein neues 5-Monats-Hoch erreicht.
Die aktuelle Diskussion um die Zukunft des Euros veranlasse immer mehr Privatanleger, ihr Depot auf den Fall der Fälle vorzubereiten. Entsprechend würden immer wieder Fremdwährungsanleihen zur Risikoabsicherung geordert. Insbesondere Anleihen in Brasilianischem Real, Australischem Dollar und Norwegischer Krone stünden unter Beobachtung der Euro-skeptischen Investoren.
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