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Finanzmarkt: Notenbanken zwingen Anleger zum Überdenken ihrer Investments
18.06.14 11:08
Swisscanto
Zürich (www.anleihencheck.de) - Die jüngste Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) war eindeutig: Sie ist unverändert gewillt, eine längere expansive Geldpolitik umzusetzen, so die Experten von Swisscanto.
Die Auswirkungen auf die Finanzmärkte hätten sich erwartet undramatisch gezeigt. "Dramatisch wird es hingegen langsam für Anleger, die traditionell sicherheitsbewusst in Rentenpapiere bester Bonitäten investieren oder ihr Kapital gern liquide auf einem Geldmarkt- oder Festgeldkonto parken. Zwar ist der Realzinsverlust hier seit Jahren Realität, aber ein Gros der Anleger akzeptiert dies überraschenderweise mehr oder wenig klaglos - ohne die eigene Investmentstrategie zu überdenken. Doch genau dazu zwingen die Notenbanken die Anleger. Denn selbst wenn die Phase der Zinswende einmal beginnt, werden die Renditen nicht gerade schnell dazu führen, dass sichere Zinserträge dauerhaft über der Inflationsrate liegen", sage Thomas Liebi, Chefökonom von Swisscanto, der Fondsgesellschaft der Schweizer Kantonalbanken.
Als Beispiele für die extreme Zinssituation würden amerikanische und deutsche Staatsanleihen dienen. Obwohl die US-Notenbank mittlerweile ihre Anleihenkäufe halbiert habe und deren Ende in wenigen Monaten absehbar sei, seien die US-Zinsen in den letzten Wochen wieder deutlich gesunken. Die reale Rendite auf US-Staatsanleihen sei bis zu einer Laufzeit von sechs Jahren negativ. Anleger würden also Geld verlieren, wenn sie diese Anleihen kaufen würden.
Noch ausgeprägter sei die Situation in Deutschland, wo selbst mit zehnjährigen Staatsanleihen nach Abzug der Teuerung kaum mehr Geld verdient werden könne. Und auch die Zinsen in der europäischen Peripherie lägen mittlerweile nahe an den historischen Tiefstständen. Im 10-Jahres-Bereich würden beispielsweise spanische oder italienische Staatspapiere 2,6 Prozent beziehungsweise 2,8 Prozent Rendite gegenüber den 1,4 Prozent deutscher Staatsanleihen erzielen. Und diese Zinskonvergenz in der Eurozone gehe weiter, sodass Papiere der Peripherie-Länder für Investoren an Attraktivität verlieren würden.
"Anleiheninvestoren müssen sich nach Alternativen umsehen und sollten ihre Vorbehalte gegenüber Anleihengattungen, die nicht von hohen Ratings zeugen, ins Visier nehmen. Denn ungeachtet der allgemeinen Zinsentwicklungen gibt es an den Märkten Investmentchancen", so Liebi.
Eine interessante Anlageklasse seien CoCo-Anleihen. Resultierend aus dem Ziel, dass Banken ihre Eigenkapital-Struktur stärken müssten, dürften vermehrt CoCo-Anleihen emittiert werden. Es handle sich dabei um bedingte Wandelanleihen, die bei einem vorher definierten Auslöser, dem Unterschreiten einer bestimmten Eigenkapitalquote, umgewandelt oder abgeschrieben werden müssten. "Die Verzinsung von CoCo-Anleihen beträgt aktuell rund 6 Prozent. Sie haben damit generell ein attraktives Risiko/Rendite-Verhältnis. Da jede einzelne CoCo-Anleihe jedoch eine spezielle Ausstattung aufweist, ist jede Neuemission genau zu prüfen bezüglich des gewünschten Risikoprofils. Aufgrund der umfangreichen Analyse, der hohen Stückelung (meist 100.000 Euro und höher) und zur optimalen Risikodiversifikation ist für Investoren die Fondslösung in der Regel sinnvoller als direkte Beteiligungen", so Liebi.
Unverändert sollten aufgrund der Niedrigzinsphase Aktien im Fokus bleiben. Dass die Anleger im deutschsprachigen Raum zu Aktienfans mutieren würden, sei trotz der Rahmenbedingungen nicht zu erwarten. Aber zumindest sollten die Signale der Notenbanken die Investmententscheide dahingehend beeinflussen, dass der Sinn der Aktienanlage zu einem bestimmten Teil im Gesamtportfolio mehr wertgeschätzt werde als bisher.
"Aktien sind nach den guten Entwicklungen in jüngerer Vergangenheit nicht mehr billig, aber unverändert interessant. Momentan erscheinen besonders europäische und japanische Aktien attraktiv, da diese Märkte von den Maßnahmen der Notenbanken weiterhin profitieren. Generell bleiben Aktien langfristig wichtige Renditebringer im Portfolio und besonders Anleger, die sich im Vermögensaufbau befinden, sollten sich diese Anlageform einmal genauer betrachten", meine der Chefökonom von Swisscanto. (18.06.2014/alc/a/a)
Die Auswirkungen auf die Finanzmärkte hätten sich erwartet undramatisch gezeigt. "Dramatisch wird es hingegen langsam für Anleger, die traditionell sicherheitsbewusst in Rentenpapiere bester Bonitäten investieren oder ihr Kapital gern liquide auf einem Geldmarkt- oder Festgeldkonto parken. Zwar ist der Realzinsverlust hier seit Jahren Realität, aber ein Gros der Anleger akzeptiert dies überraschenderweise mehr oder wenig klaglos - ohne die eigene Investmentstrategie zu überdenken. Doch genau dazu zwingen die Notenbanken die Anleger. Denn selbst wenn die Phase der Zinswende einmal beginnt, werden die Renditen nicht gerade schnell dazu führen, dass sichere Zinserträge dauerhaft über der Inflationsrate liegen", sage Thomas Liebi, Chefökonom von Swisscanto, der Fondsgesellschaft der Schweizer Kantonalbanken.
Als Beispiele für die extreme Zinssituation würden amerikanische und deutsche Staatsanleihen dienen. Obwohl die US-Notenbank mittlerweile ihre Anleihenkäufe halbiert habe und deren Ende in wenigen Monaten absehbar sei, seien die US-Zinsen in den letzten Wochen wieder deutlich gesunken. Die reale Rendite auf US-Staatsanleihen sei bis zu einer Laufzeit von sechs Jahren negativ. Anleger würden also Geld verlieren, wenn sie diese Anleihen kaufen würden.
"Anleiheninvestoren müssen sich nach Alternativen umsehen und sollten ihre Vorbehalte gegenüber Anleihengattungen, die nicht von hohen Ratings zeugen, ins Visier nehmen. Denn ungeachtet der allgemeinen Zinsentwicklungen gibt es an den Märkten Investmentchancen", so Liebi.
Eine interessante Anlageklasse seien CoCo-Anleihen. Resultierend aus dem Ziel, dass Banken ihre Eigenkapital-Struktur stärken müssten, dürften vermehrt CoCo-Anleihen emittiert werden. Es handle sich dabei um bedingte Wandelanleihen, die bei einem vorher definierten Auslöser, dem Unterschreiten einer bestimmten Eigenkapitalquote, umgewandelt oder abgeschrieben werden müssten. "Die Verzinsung von CoCo-Anleihen beträgt aktuell rund 6 Prozent. Sie haben damit generell ein attraktives Risiko/Rendite-Verhältnis. Da jede einzelne CoCo-Anleihe jedoch eine spezielle Ausstattung aufweist, ist jede Neuemission genau zu prüfen bezüglich des gewünschten Risikoprofils. Aufgrund der umfangreichen Analyse, der hohen Stückelung (meist 100.000 Euro und höher) und zur optimalen Risikodiversifikation ist für Investoren die Fondslösung in der Regel sinnvoller als direkte Beteiligungen", so Liebi.
Unverändert sollten aufgrund der Niedrigzinsphase Aktien im Fokus bleiben. Dass die Anleger im deutschsprachigen Raum zu Aktienfans mutieren würden, sei trotz der Rahmenbedingungen nicht zu erwarten. Aber zumindest sollten die Signale der Notenbanken die Investmententscheide dahingehend beeinflussen, dass der Sinn der Aktienanlage zu einem bestimmten Teil im Gesamtportfolio mehr wertgeschätzt werde als bisher.
"Aktien sind nach den guten Entwicklungen in jüngerer Vergangenheit nicht mehr billig, aber unverändert interessant. Momentan erscheinen besonders europäische und japanische Aktien attraktiv, da diese Märkte von den Maßnahmen der Notenbanken weiterhin profitieren. Generell bleiben Aktien langfristig wichtige Renditebringer im Portfolio und besonders Anleger, die sich im Vermögensaufbau befinden, sollten sich diese Anlageform einmal genauer betrachten", meine der Chefökonom von Swisscanto. (18.06.2014/alc/a/a)


