Erweiterte Funktionen

Finanzmarkt: Geldpolitik ist entscheidend


15.04.14 11:03
Bank J. Safra Sarasin AG

Basel (www.anleihencheck.de) - Letzte Woche publizierte die US-Notenbank FED das Protokoll ihrer März-Sitzung, so die Analysten der Bank J. Safra Sarasin AG.

Die Aufzeichnungen hätten gezeigt, daß die Währungshüter der USA die Leitzinsen doch länger tief halten möchten, wie von den Kapitalmärkten gleich nach der Sitzung vom 19. März interpretiert. Auch wenn es sich hierbei nur um Nuancen handle, so hätten die Renditen von Staatsanleihen auf die Veröffentlichung des Protokolls prompt reagiert und würden heute signifikant tiefer als vor Wochenfrist notieren. Die außerordentliche Fixierung der globalen Obligationen- und auch Aktienmärkte auf die Zentralbanken - insbesondere die FED - sei doch erstaunlich. Man stelle sich die Frage, wieso die Zentralbanken im Moment diese überragende Bedeutung für die Finanzmärkte besitzen würden.

Um diese Frage zu beantworten, lohne sich ein Blick auf die gegenwärtige wirtschaftliche Situation der Industrieländer. Die letzten fünf Jahre hätten im Schatten von zwei Krisen gestanden. In den USA habe ein Crash im Häusermarkt die Wirtschaft beinahe zum Erliegen gebracht, in Europa habe die Schuldenkrise viele Volkswirtschaften in eine lange Rezeßion gestürzt. Heute zeichne sich langsam das Ende dieser zwei großen Krisenherde ab. Damit stelle sich aber auch die Frage, wie sich das Wirtschaftswachstum und die Zinsen in der Zukunft - in den nächsten fünf bis zehn Jahren - entwickeln würden.

Eine entscheidende Rolle spiele dabei die gegenwärtige Unterauslastung in den Industrieländern - die so genannte Outputlücke. In der Regel sei diese im Vergleich zum Potenzialwachstum relativ bescheiden und spiele für die längerfristige Wirtschaftsentwicklung eine untergeordnete Rolle. Nach der tiefen Krise der letzten Jahre stelle sich die Lage aber heute anders dar. Die Outputlücke in den meisten industrialisierten Volkswirtschaften klaffe noch immer weit auseinander. Ob sich diese Lücke schließen lasse und wieviel Zeit das in Anspruch nehme, werde in den nächsten Jahren das Wachstum und die Zinsen entscheidend prägen.

Der Schlüssel zur Eliminierung der Outputlücke liege in den Händen der Zentralbanken. Um die Unterauslastung der Wirtschaft zu beenden, müsse das Wachstum durch die Geldpolitik zusätzlich stimuliert werden. Die Zentralbanken der Industrienationen seien gezwungen, in naher Zukunft die Volkswirtschaften noch stark zu stützen, aber später im richtigen Augenblick die Geldpolitik auch wieder einzuschränken. Gelinge diese Gratwanderung nicht, so drohe entweder eine deflationäre Entwicklung - wenn die Leitzinsen zu früh angehoben würden - oder aber eine inflationäre Entwicklung, falls die Leitzinsen zu spät erhöht würden.

Die entscheidende Rolle der Zinspolitik erkläre denn auch den großen Fokus der Finanzmärkte auf jedes noch so kleine Signal der Zentralbanken. Die heutige Geldpolitik entscheide darüber, welche Richtung das Wachstum in den nächsten Jahren einschlage. (15.04.2014/alc/a/a)