Erweiterte Funktionen

Finanzmarkt: Erholung Euroland in schreitet langsam aber stetig voran


01.11.16 14:42
Bank J. Safra Sarasin AG

Basel (www.anleihencheck.de) - Die letzten Wirtschaftsdaten in Euroland ermutigen: Das Wachstum im dritten Quartal blieb mit 0,3 Prozent gegenüber Vorquartal stabil, obwohl der Brexit-Schock verarbeitet werden musste und eine Reihe weiterer politischer Unsicherheiten diesseits und jenseits des Atlantiks den Ausblick erschwerten, so Karsten Junius, Chefökonom der Bank J. Safra Sarasin AG.

Auch im Vereinigten Königreich sei die Wirtschaft nicht eingebrochen, was besonders für die kontinentale Exportwirtschaft wichtig sei. Der Ausblick für das 4. Quartal sei ebenfalls ermutigend.

Das Wirtschaftsvertrauen sei zuletzt auf einen neuen Jahreshöchststand gestiegen, sodass es sich klar sagen lasse, dass die Erholung von der Finanzmarktkrise weiter fortschreite. Selbst die Preise scheinen wieder zu steigen, so die Analysten der Bank J. Safra Sarasin AG. Mit 0,5 Prozent gegenüber Vorjahr habe im Oktober 2016 die höchste Inflationsrate seit Mitte 2014 gemessen werden können. Für die nächsten Monate seien zudem weitere Anstiege gut absehbar. Die Rohstoffpreisrückgänge des vergangenen Herbstes würden zunehmend aus dem Jahresvergleich herausrutschen und so zu einem Inflationsanstieg auf ca. 1,25 Prozent bis Februar 2017 beitragen. Im gleichen Zeitraum dürfte das schwache Britische Pfund zu einem Inflationsanstieg auf 2 Prozent im Vereinigten Königreich führen. In den USA würden schließlich steigende Gesundheitskosten zum Jahresbeginn zu Inflationsraten von rund 2,75 Prozent beitragen.

Es scheine also so, dass sich das Inflationsumfeld global deutlich verbessern würde. Dies sei insofern richtig, als das die deflationären Gefahren offensichtlich in den Hintergrund rutschen würden. Der weiterhin niedrige inländische Preisdruck dürfe aber auch nicht übersehen werden. Steigende Rohstoffpreise, ein schwächerer Wechselkurs und höhere administrierte Preise im Gesundheitsweisen seien alles keine preistreibenden Faktoren, die auf einen nachhaltigen Inflationsanstieg schließen lassen würden. So bewege sich die Kerninflationsrate in der Währungsunion auch seit Monaten nicht vom Fleck. Selbst wenn diese im Frühjahr ebenfalls von aktuell 0,8 Prozent auf gut 1 Prozent steigen dürfte, werde die EZB nicht schließen können, dass sie ihr Ziel erreicht habe - einen sich selbsttragenden Inflationsanstieg in Richtung knapp 2 Prozent. Um diesen zu erreichen, müssten vor allem die Löhne stärker ansteigen.

Bislang sei genau das aber kaum der Fall. So schätze die EU-Kommission, dass die Pro-Kopf Einkommen in der Währungsunion lediglich um 1,5 Prozent in diesem und 1,9 Prozent im nächsten Jahr ansteigen würden. Dies sei zwar mehr als 2015 mit 1,2 Prozent, aber auch nur eine sehr langsam ansteigende Dynamik.

Für ein "Tapering" also eine sukzessive Reduzierung der EZB-Anleihekäufe sei es folglich zu früh. Dabei möge die Liquidität, die durch weitere Käufe durch die EZB bereitgestellt werde, weniger wichtiger sein als die Wirkung auf die Zinsaufschläge in der Euro-Peripherie. Diese würden bei auslaufenden Wertpapierkäufen der EZB nämlich vermutlich stark ansteigen und sowohl Wachstum als auch die Inflationsentwicklung erneut massiv dämpfen. Die Reflationierung der Wirtschaft brauche folglich genau wie die Normalisierung der Geldpolitik noch mehr Zeit. (01.11.2016/alc/a/a)