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FED tut das Mindeste und deutet Weiteres an, während EZB ihren Krisenmodus verlängert
20.12.16 11:15
IKB Deutsche Industriebank
Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Wie erwartet hat die FED ihren Leitzins in der letzten Notenbanksitzung 2016 mit 25 bp angehoben, so die Analysten der IKB Deutsche Industriebank AG.
Auch hätten die FED-Mitglieder ihre Leitzinsprojektion über den zukünftigen Verlauf nach oben angepasst. Statt bislang von zwei würden sie nun von drei Zinsschritten für 2017 ausgehen und jeweils weiteren drei in den Jahren 2018 und 2019 von je 25 bp; insgesamt also bis Ende 2019 eine Erhöhung um 225 bp auf ein Leitzinsniveau von 3%. Die Zinsprojektionen würden die Erwartungen einer anhaltenden Normalisierung widerspiegeln. Die FED habe betont, dass die Arbeitslosenquote fast wieder auf Vorkrisenniveau liege. Dies sei eigentlich ein klares Zeichen, dass die Geldpolitik nun die Zügel straffen müsse, um nicht "hinter die Kurve" zu geraten. Trotzdem zeige die FED keine Eile.
Die FED bleibe zögerlich, was ihre Zinsanhebungen angehe. So betone sie auch in ihrer jüngsten Pressemitteilung, dass sie sich weiterhin von den aktuellen Konjunkturdaten leiten lasse. Damit scheine die FED selbst bei der aktuellen Arbeitslosenquote von 4,6% keine ausreichenden Gründe bzw. Inflationssorgen zu haben, um die Normalisierung ihrer Geldpolitik zügiger voranzutreiben. Erst 2019 sei gemäß der FED-Prognosen mit einem real positiven Leitzins zu rechnen.
Ein Grund für die Unsicherheit über den US-Inflationsverlauf sei sicherlich die weiterhin niedrige Erwerbsquote (auch Partizipationsrate als Summe der Erwerbstätigen und Arbeitsuchenden in Relation zur Bevölkerung). Hierfür möge es strukturelle Aspekte - wie eine alternde Bevölkerung und eine sich stabilisierende Erwerbsquote von Frauen - geben. Es könne allerdings auch daran liegen, dass es immer noch keine ausreichende Nachfrage nach Arbeitskräften gebe. So könne die niedrige Arbeitslosenquote weniger auf eine anziehende Nachfrage nach Arbeitskräften, als vielmehr auf eine schrumpfende Partizipationsrate der Arbeitskräfte hindeuten.
Wenn die Erwerbsquote auf steigende Löhne nicht reagiere und nicht zunehme, sei mit einem deutlichen Lohndruck als Folge von Engpässen am Arbeitsmarkt zu rechnen. Reagiere die Erwerbsquote hingegen, so sei die niedrige Arbeitslosenquote kein Indiz für steigende Inflationsrisiken.
Es sei damit durchaus nachvollziehbar, dass die FED selbst bei einer niedrigen Arbeitslosenquote weiterhin auf Sicht fahre und eine reaktive Geldpolitik zeige. Dies gelte vor allem deshalb, weil die zukünftige Ausgestaltung der Fiskal- und Wirtschaftspolitik von Donald Trump alles andere als "in Stein gemeißelt" sei. Zwar werde eine positive Konjunkturstimulierung als Folge seiner Fiskalpolitik erwartet, doch Risiken bezüglich der Beziehungen zwischen den USA und ihrer wichtigen Handelspartner möge für erhöhte Nervosität und politische Unsicherheit sorgen.
So könnten die Impulse aus der Politik für die Wirtschaft kurzfristig durchaus negativ sein, bevor die expansive Fiskalpolitik durch Nachfrageimpulse das Wachstum verbessere. Dies sollte sich allerdings erst spät im Verlauf von 2017 bzw. 2018 zeigen. So könnte sich für die FED erst 2018 ein deutlicher Raum für Zinsanhebungen ergeben.
In der Euro-Zone halte die EZB mit einer Verlängerung ihres Aufkaufprogramms bis mindestens Ende 2017 noch an ihrer Krisenpolitik fest. Das Aufkaufvolumen von Anleihen sei jedoch von 80 Mrd. Euro auf 60 Mrd. Euro pro Monat reduziert worden. Ob dies bereits ein erstes Anzeichen eines langen Prozesses der geldpolitischen Wende darstelle, bleibe noch abzuwarten. Denn die EZB habe in ihrer Presskonferenz explizit betont, dass sie das Volumen je nach Bedarf wieder anheben könne. Grundsätzlich bleibe das Prognoserisiko für die Euro-Zone hoch, nicht zuletzt aufgrund möglicher Auswirkungen des Brexit-Referendums. Vor diesem Hintergrund und in einem Umfeld weiterhin eher schwacher Konjunkturverläufe vieler Euro-Länder sei an einer Beendigung der Negativzinspolitik auf Sicht sicherlich nicht zu denken.
Die Inflationsrate in der Euro-Zone sollte in den kommenden Monaten aufgrund von Basiseffekten als Folge eines stabilen bzw. anziehenden Ölpreises deutlich über 1% steigen. Die Kernteuerungsrate dürfte sich hingegen deutlich verhaltener erhöhen. Es bleibe abzuwarten, in welchem Maße sich die Dynamik der Preisanstiege in den kommenden Jahren dem EZB-Inflationsziel nachhaltig nähern werde. Mit BIP-Wachstumserwartungen für die Euro-Zone von 1,4% für 2017 und 1,7% für 2018 sei sicherlich mit keinem bedeutenden Inflationsdruck als Folge von Konjunkturentwicklungen zu rechnen. Eine anhaltend verhaltene Kreditvergabe in der Euro-Zone bestätige diese Einschätzung. (Ausgabe Dezember 2016) (20.12.2016/alc/a/a)
Auch hätten die FED-Mitglieder ihre Leitzinsprojektion über den zukünftigen Verlauf nach oben angepasst. Statt bislang von zwei würden sie nun von drei Zinsschritten für 2017 ausgehen und jeweils weiteren drei in den Jahren 2018 und 2019 von je 25 bp; insgesamt also bis Ende 2019 eine Erhöhung um 225 bp auf ein Leitzinsniveau von 3%. Die Zinsprojektionen würden die Erwartungen einer anhaltenden Normalisierung widerspiegeln. Die FED habe betont, dass die Arbeitslosenquote fast wieder auf Vorkrisenniveau liege. Dies sei eigentlich ein klares Zeichen, dass die Geldpolitik nun die Zügel straffen müsse, um nicht "hinter die Kurve" zu geraten. Trotzdem zeige die FED keine Eile.
Die FED bleibe zögerlich, was ihre Zinsanhebungen angehe. So betone sie auch in ihrer jüngsten Pressemitteilung, dass sie sich weiterhin von den aktuellen Konjunkturdaten leiten lasse. Damit scheine die FED selbst bei der aktuellen Arbeitslosenquote von 4,6% keine ausreichenden Gründe bzw. Inflationssorgen zu haben, um die Normalisierung ihrer Geldpolitik zügiger voranzutreiben. Erst 2019 sei gemäß der FED-Prognosen mit einem real positiven Leitzins zu rechnen.
Ein Grund für die Unsicherheit über den US-Inflationsverlauf sei sicherlich die weiterhin niedrige Erwerbsquote (auch Partizipationsrate als Summe der Erwerbstätigen und Arbeitsuchenden in Relation zur Bevölkerung). Hierfür möge es strukturelle Aspekte - wie eine alternde Bevölkerung und eine sich stabilisierende Erwerbsquote von Frauen - geben. Es könne allerdings auch daran liegen, dass es immer noch keine ausreichende Nachfrage nach Arbeitskräften gebe. So könne die niedrige Arbeitslosenquote weniger auf eine anziehende Nachfrage nach Arbeitskräften, als vielmehr auf eine schrumpfende Partizipationsrate der Arbeitskräfte hindeuten.
Es sei damit durchaus nachvollziehbar, dass die FED selbst bei einer niedrigen Arbeitslosenquote weiterhin auf Sicht fahre und eine reaktive Geldpolitik zeige. Dies gelte vor allem deshalb, weil die zukünftige Ausgestaltung der Fiskal- und Wirtschaftspolitik von Donald Trump alles andere als "in Stein gemeißelt" sei. Zwar werde eine positive Konjunkturstimulierung als Folge seiner Fiskalpolitik erwartet, doch Risiken bezüglich der Beziehungen zwischen den USA und ihrer wichtigen Handelspartner möge für erhöhte Nervosität und politische Unsicherheit sorgen.
So könnten die Impulse aus der Politik für die Wirtschaft kurzfristig durchaus negativ sein, bevor die expansive Fiskalpolitik durch Nachfrageimpulse das Wachstum verbessere. Dies sollte sich allerdings erst spät im Verlauf von 2017 bzw. 2018 zeigen. So könnte sich für die FED erst 2018 ein deutlicher Raum für Zinsanhebungen ergeben.
In der Euro-Zone halte die EZB mit einer Verlängerung ihres Aufkaufprogramms bis mindestens Ende 2017 noch an ihrer Krisenpolitik fest. Das Aufkaufvolumen von Anleihen sei jedoch von 80 Mrd. Euro auf 60 Mrd. Euro pro Monat reduziert worden. Ob dies bereits ein erstes Anzeichen eines langen Prozesses der geldpolitischen Wende darstelle, bleibe noch abzuwarten. Denn die EZB habe in ihrer Presskonferenz explizit betont, dass sie das Volumen je nach Bedarf wieder anheben könne. Grundsätzlich bleibe das Prognoserisiko für die Euro-Zone hoch, nicht zuletzt aufgrund möglicher Auswirkungen des Brexit-Referendums. Vor diesem Hintergrund und in einem Umfeld weiterhin eher schwacher Konjunkturverläufe vieler Euro-Länder sei an einer Beendigung der Negativzinspolitik auf Sicht sicherlich nicht zu denken.
Die Inflationsrate in der Euro-Zone sollte in den kommenden Monaten aufgrund von Basiseffekten als Folge eines stabilen bzw. anziehenden Ölpreises deutlich über 1% steigen. Die Kernteuerungsrate dürfte sich hingegen deutlich verhaltener erhöhen. Es bleibe abzuwarten, in welchem Maße sich die Dynamik der Preisanstiege in den kommenden Jahren dem EZB-Inflationsziel nachhaltig nähern werde. Mit BIP-Wachstumserwartungen für die Euro-Zone von 1,4% für 2017 und 1,7% für 2018 sei sicherlich mit keinem bedeutenden Inflationsdruck als Folge von Konjunkturentwicklungen zu rechnen. Eine anhaltend verhaltene Kreditvergabe in der Euro-Zone bestätige diese Einschätzung. (Ausgabe Dezember 2016) (20.12.2016/alc/a/a)


