FED sucht die Balance zwischen Inflation und Arbeitsmarkt


28.11.24 11:37
Morgan Stanley

New York (www.anleihencheck.de) - Die Federal Reserve (FED) ist auf der Suche nach einem neutralen Zinsniveau, das weder restriktiv noch expansiv wirkt, so Jim Caron, Chief Investment Officer der Portfolio Solutions Group bei Morgan Stanley Investment Management.

Doch das Umfeld bleibe angespannt: Ein starker Arbeitsmarkt treibe typischerweise die Löhne und damit auch die Inflation an. Die entscheidende Frage sei, ob es der FED gelinge, mit ihrer Strategie ein Gleichgewicht zwischen Preisstabilität und Beschäftigungswachstum herzustellen.

In den kommenden Wochen würden der Arbeitsmarktbericht und die nächsten Inflationsdaten eine zentrale Rolle spielen. Sie würden zeigen, ob die Strategie der FED aufgehe und ob die Inflation weiter zurückgehe. Aktuell liege die monatliche Inflationsrate bei 0,2 Prozent. Die FED benötige aber Werte von 0,1 Prozent, um Spielraum für weitere Zinssenkungen zu haben.

Die Mitte Dezember stattfindende Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) werde wegweisend sein. Bereits jetzt würden die Marktteilnehmer darüber spekulieren, ob die FED weitere Zinssenkungen umsetzen werde. Die Datenlage werde hierbei entscheidend sein. Sollte die Inflation nicht wie erhofft zurückgehen, könnten weitere Senkungen fraglich werden. Die FED müsse abwägen, ob sie präventiv handeln möchte, um den Arbeitsmarkt zu stabilisieren, oder abwarten wolle. Letzteres erhöhe aber das Risiko, später unter ungünstigeren Bedingungen handeln zu müssen.

Für die Anlagestrategie ergäben sich aus diesen Entwicklungen klare Konsequenzen. Die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen dürften sich weiterhin in einer Bandbreite zwischen 3,9 und 4,6 Prozent bewegen. Die aktuellen Renditen böten eine attraktive Einstiegsmöglichkeit, insbesondere für Anleger, die auf eine stabile Absicherung ihrer Aktienportfolios durch Anleihen setzen würden.

Auch im Bereich Unternehmensanleihen erfolge eine Neuausrichtung. Hochzinsanleihen würden reduziert, da ihre Renditen zuletzt deutlich gesunken seien. Gleichzeitig würden Investment-Grade-Anleihen mit kurzer Duration in den Fokus rücken, da sie eine interessante Balance aus Stabilität und Rendite böten.

Die Unsicherheiten, die derzeit durch geldpolitische Entscheidungen geprägt seien, würden sich im ersten Quartal 2025 stärker auf fiskalpolitische Themen verlagern. Die bevorstehenden Diskussionen könnten erhebliche Auswirkungen auf die Märkte haben. Wer die aktuelle Lage bereits als komplex empfinde, werde durch die fiskalpolitischen Herausforderungen im kommenden Jahr vor neue Aufgaben gestellt. (28.11.2024/alc/a/a)