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FED strafft ihre Geldpolitik und könnte bald schon nachlegen


16.12.16 15:40
BNP Paribas

Paris (www.anleihencheck.de) - Eine Überraschung war es nicht, als US-Notenbankchefin Janet Yellen am Mittwoch die lang herbeigesehnte Leitzinserhöhung von 25 Basispunkten auf die Spanne 0,5 bis 0,75 Prozent verkündete, so die Analysten von BNP Paribas.

Angesichts der brummenden Wirtschaft, guter Arbeitsmarktdaten und steigender Inflationszahlen habe dieser Schritt in Finanzmarktkreisen als ausgemachte Sache gegolten. An den Märkten sei das höhere Zinsniveau längst antizipiert gewesen. Für Verblüffung habe eher das Tempo gesorgt, das die Federal Reserve (FED) in Sachen Zinserhöhung bis 2018 an den Tag legen könnte. Für das kommende Jahr würden die Währungshüter eine Anhebung des Zinsniveaus auf 1,4 Prozent für möglich halten, Ende 2018 könnte der Zinssatz bei 2,1 Prozent liegen. Der unerwartet steile Zinspfad habe die auf Rally eingestellten Aktienmärkte zunächst unter Druck gesetzt: Der Dow Jones sei um 0,6 Prozent gefallen. Auch die europäischen Aktienmärkte hätten überwiegend leichter notiert. Die Euphorie sei der Angst gewichen, dass eine zu schnelle Straffung das Wirtschaftswachstum abwürgen könnte.

Doch das sei - zumindest kurzfristig - unwahrscheinlich. Das milliardenschwere Konjunkturprogramm des designierten US-Präsidenten Donald Trump könnte der ohnehin gut laufenden Wirtschaft einen weiteren Schub verpassen. Das schaffe Jobs, sorge für steigende Löhne und kurbele die Inflation an, was früher oder später - eher später - den nächsten Zinsschritt zur Folge hätte. In einem solchen inflationären Umfeld werde es für Anleihebesitzer ungemütlich, da sich weder Nennwert noch Kupon ihrer Papiere der Teuerung anpassen würden. Bereits nach der Wahl Donald Trumps sei es darum weltweit zu einem Abverkauf von Anleihen gekommen, der sich nach der FED-Sitzung fortgesetzt habe. Stattdessen sei das Geld in Sachwerte wie Aktien geflossen, was deren Kurse getrieben habe.

Vor allem amerikanische Wertpapiere dürften von Kapitalzuflüssen profitieren. Zum einen verspreche eine boomende Wirtschaft steigende Kurse, zum anderen würden Währungsgewinne locken: Wegen des höheren Zinsniveaus in den USA gewinne der Dollar an Attraktivität und werte auf - vor allem gegenüber dem Euro. Weil die Europäische Zentralbank die Zügel in Sachen Geldpolitik weiter locker halte, würden Analysten 2017 sogar eine Parität zwischen Dollar und Euro erwarten. Das entspreche einer Aufwertung des Dollar um rund fünf Prozent.

Für die US-Exportwirtschaft sei ein starker Dollar ein Risiko. Auch darum werde die FED weitere Zinsschritte genauestens abwägen und im Zweifel eher eine höhere Inflation zulassen - auch im Hinblick auf die gigantischen Staatsschulden des Landes. Diese könnten dann nämlich entwerten, während bei steigenden Zinsen höhere Refinanzierungskosten für die USA drohen würden. (16.12.2016/alc/a/a)