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FED starrsinnig oder weitblickend?


15.03.12 15:52
Baader Bank

Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - Der unkontrollierte Staatsbankrott von Griechenland scheint abgewendet, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.

Der Branchenverband ISDA habe ein Kreditereignis im Sinne einer Restrukturierung Griechenlands manifestiert. In den kommenden Tagen werde der Ablauf der Abwicklung festgelegt. Interessant könnte es hierbei allerdings nochmals wegen der nach internationalem Recht emittierten Hellas-Anleihen im Volumen von ca. 18 Mrd. EUR werden. Die Umtauschfrist wurde bei diesen Titeln bis zum 23. März verlängert, denn 31% dieser Investoren - im Volumen von rund 6 Mrd. EUR - hätten sich noch nicht dazu bereit erklärt, ihre Anleihen gegen die neuen Anleihen zu tauschen.

In einigen Wertpapieren hätten Investoren sogar eine blockierende Minderheit. Sie könnten deshalb nicht zur Teilnahme gezwungen werden. Das bedeute entweder, dass die Griechen diese Anleger bedienen würden oder es werde einen Default geben, also eine Insolvenz. Davon wären allerdings auch die neuen griechischen Staatsanleihen betroffen. Auch wenn der Markt bereits die Abwendung der griechischen Staatspleite feiere, in trockenen Tüchern sei diese noch lange nicht!

Auch bestehe weiterhin die Gefahr, dass, sobald der ESM installiert sei, Griechenland freiwillig mit den reduzierten Schulden aus dem Euro ausscheiden werde. Mit einer funktionsfähigen Brandmauer sollte erreichbar sein, dass die Finanzmärkte im Zweifelsfall nicht im Feuer stünden. Zeit ist Geld und Geld ist nur bedrucktes Papier: Es ist also ein Schelm, wer Böses dabei denkt, so die Analysten der Baader Bank.

Die amerikanische Notenbank Federal Reserve (FED) setze ihre lockere Geldpolitik fort und lasse ihren Leitzins unangetastet in der Spanne zwischen 0% und 0,25%. Und das solle so bis Ende 2014 weitergehen? Die Währungshüter würden dies weiterhin mit anhaltenden Unsicherheiten für die Wirtschaft begründen. In diesem Zusammenhang sei aber die Frage erlaubt: In welcher Phase der Geschichte habe es Sicherheit bei der wirtschaftlichen Entwicklung gegeben? Inzwischen hätten sich die Zeiten etwas geändert und die Konjunkturdaten aus den USA sprächen eine andere Sprache.

Dies sei auch den Notenbankern klar geworden und somit sei es nicht verwunderlich, dass auf ein neues Programm zur Stimulierung der Wirtschaft verzichtet worden sei. Denn in den kommenden Quartalen werde mit einem moderaten Wachstum sowie einer schrittweise sinkenden Arbeitslosenquote gerechnet. Das "moderate" Wachstum habe Ende 2011 eine Jahresrate von 3,0%, also eine Quote bedeutet, bei der andere Notenbanken die Leitzinsen sehr viel schneller anheben würden. Daher dränge sich die Frage auf: Warum werde diese Linie so hartnäckig verteidigt? Es gebe hierfür nur zwei mögliche Gründe. Entweder die Wirtschaftsdaten seien im Vorfeld der anstehenden US-Präsidentschaftswahl geschönt oder die Zinsen würden künstlich niedrig gehalten, um die positiven Nebeneffekte einer aktuell 2,9%-igen Jahresinflation zum Schuldenabbau nutzen zu können.

Kaum habe sich die landläufige Meinung herumgesprochen, dass der Schuldenerlass Griechenland etwas Luft verschafft habe, da habe die erste Rating-Agentur um die Ecke geschaut und sich zur Anhebung der Bonität Athens veranlasst gesehen. So habe Fitch die Kreditwürdigkeit des Landes deutlich nach oben gesetzt und benote nun die neuen Staatsanleihen mit der Note "B-" und einem stabilen Ausblick. Noch am Freitag vergangener Woche habe die Agentur die langfristige Kreditwürdigkeit Griechenlands vorübergehend mit der zweitschlechtesten Note "begrenzter Zahlungsausfall" bewertet. Das Timing der Rating-Agenturen scheine nicht ideal zu sein. Denn zeitgleich warne die EU-Kommission in einem neuen Bericht vor weiteren "großen Finanzlücken in den Jahren 2013 und 2014".

Auch scheine nach Ansicht der aus EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) bestehenden Troika fraglich, ob sich Griechenland nach dem Ende des Hilfspakets ab 2015 wieder allein an den Finanzmärkten refinanzieren könnte. Außerdem sei der Ausgang der Wahlen im April ziemlich unsicher und daher könnte eine neue Regierung die bisher gegebenen Zusagen wieder rückgängig machen. In einem solchen Umfeld sei mit derartigen Aktionen kein Vertrauen in die Arbeit der Ratingagenturen zu erzielen. Dennoch habe mit diesem Schritt die EZB wieder neuen Spielraum bei der Besicherung griechischer Anleihen erhalten. Die Diskussion zur europäischen Geldpolitik zwischen Draghi und dem deutschen Widersacher, dem Bundesbank-Präsidenten Jens Weidmann, sei dadurch wieder um einen neuen Aspekt reicher.

Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos könne zufrieden sein und bereite im Hinblick auf den anstehenden Wahlkampf schon seinen Rücktritt vor. Nach - wenn auch langen - Verhandlungen seien die Verbindlichkeiten seines Landes durch die erzwungene freiwillige Umschuldung um rund 107 auf 250 Mrd. EUR vermindert worden. Wer beispielsweise eine im März dieses Jahres endfällige Hellas-Anleihe im Depot gehabt habe und sich am Schuldenschnitt freiwillig oder gezwungenermaßen beteiligt habe, finde nun 21 neue Anleihen in seinem Depot vor. Aus 1.000 Euro nominal seien also 21 Papiere mit einem aktuellen Wert von ca. 220 Euro geworden. Wahrlich kein gutes Geschäft für Investoren. Besser dagegen für die Griechen.

Viele Anleger hätten in den letzten Wochen bewusst auf eine Glattstellung in den alten Anleihen verzichtet, um vielleicht doch noch in den Genuss der vollen Rückzahlung zu kommen, und würden jetzt versuchen, Versäumnisse nachzuholen. In der Skontroführung würden die Analysten eine Vielzahl von Glattstellungen in den neuen Gattungen beobachten. Dabei handle es sich aber nicht zwingend immer um Verkäufe, sondern auch um Zukäufe, um die Nominalbeträge zu aussprechbaren Volumina zu erweitern. Insgesamt handle es sich bei dieser weltweit größten Umschuldung in der Geschichte um ein historisches Ereignis.

Dass dies ohne größere Kapitalmarktverwerfungen vonstatten gegangen sei, sei so allerdings nicht zu erwarten. Ob dies der guten Vorbereitung seitens der Notenbanken oder aber der Tatsache geschuldet sei, dass sich die Marktteilnehmer nach einer Lösung - egal wie - gesehnt hätten, würden die nächsten Wochen und Monate zeigen. Aber könnte das nicht eine Blaupause für Länder wie Portugal oder auch Spanien sein, die ebenfalls auf enormen Schulden sitzen würden? Noch würden sich diese beiden Länder gegen den Schuldenschnitt stemmen. Speziell in Portugal würden Bevölkerung und Regierung an einem Strang ziehen. Die Frage werde nur sein, wie lange noch und wer unterm Strich die Zeche zahle, wenn weitere Staaten auf diesen Pfad der Entschuldung einschwenken würden.

Das Warten auf das Ergebnis des Umschuldungsangebots für griechische Staatsanleihen habe auch auf den Corporates-Bereich ausgestrahlt. Größtenteils habe dies die Aktivitäten der Unternehmen gelähmt und somit eine vorösterliche Ruhe am Primärmarkt geherrscht. Nur wenige Gesellschaften hätten sich aus der Deckung gewagt. Eines dieser Unternehmen sei die holländische Brauerei Heineken gewesen, die mit zwei unterschiedlichen Tranchen insgesamt 1,35 Mrd. EUR habe refinanzieren können. Die jährliche Verzinsung der beiden Tranchen liege bei 2,5% respektive 3,5%. Diese würden in 2019 und 2024 zurückbezahlt. Heineken werde mit Baa1/BBB+ benotet.

Aber auch der schwedische Industriekonzern Atlas Copco sei wieder am Kapitalmarkt aktiv geworden. Nach fünf Jahren Abstinenz sei es dem mit A3/A gerateten Unternehmen gelungen, 500 Mio. EUR einzusammeln. Die Anleihe werde in 2019 zurückbezahlt und sei mit einem jährlichen Kupon von 2,625% ausgestattet.

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