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FED signalisiert moderates Zinserhöhungstempo


06.07.17 12:00
T. Rowe Price

Baltimore (www.anleihencheck.de) - Nach der deutlichen Beschleunigung des globalen Wirtschaftswachstums in der zweiten Jahreshälfte von 2016 ist das Wachstum in diesem Jahr eher moderat, so Alan Levenson, US-Chefvolkswirt bei T. Rowe Price.

Steigende Spannungen auf der koreanischen Halbinsel und in Syrien seien ernst zu nehmende Störfaktoren, die den grundsätzlich positiven Trend beeinträchtigen könnten. Weiterhin könne laut dem Internationalen Währungsfonds (IWF) die Straffung der Geldpolitik das weltweite Wachstum bremsen. Hinzu komme, dass Chinas Regulierungsabsichten die Konjunktur möglicherweise dämpfen würden - zugleich sei die Regierung darum bemüht, eine Kreditverknappung zu vermeiden.

"In Europa rechnen wir mit einem moderaten Wachstum. Der Sieg der Pro-Europäischen Union bei den französischen Wahlen hat die Eurozone gestärkt", sage Alan Levenson. Zugleich stelle die Entschlossenheit der EU-Staats- und Regierungschefs im Zuge des Brexit für das Vereinigte Königreich ein Risiko dar. Am derzeitigen Zinsniveau im Euroraum werde sich so schnell nichts ändern. "Wir gehen nicht davon aus, dass die Europäische Zentralbank (EZB) kurzfristig dazu bereit ist, die Leitzinsen zu erhöhen. Dennoch erwarten wir, dass die Notenbank in diesem Herbst bekannt gibt, ihre Anleihe-Ankaufprogramme Anfang 2018 zu drosseln", so Levenson.

Die Stimulierungsmaßnahmen Chinas hätten laut dem Ökonom nicht nur im Reich der Mitte selbst, sondern weltweit das Wirtschaftswachstum angetrieben. Dies gelte insbesondere auch für die Volkswirtschaften in Malaysia, Saudi-Arabien und Chile. Der anstehende Kommunistische Parteikongress biete einen politischen Anreiz für die Regierung, das stetige Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr zu fördern. Die anhaltende monetäre Verschärfung in China könne jedoch das Wachstum ein wenig bremsen. Die Regierung habe ihren Fokus auf Finanzstabilität und Finanzierungsbedingungen im Schattenbankensystem erhöht. "Wir sehen derzeit einige Stressindikatoren in Chinas Interbankenmärkten, die jedoch wenig Einfluss auf die Gesamtwirtschaft haben dürften", sage Levenson.

Nachdem US-Präsident Donald Trump zunächst Chinas Handelspolitik scharf kritisiert hatte, scheinen sich die Spannungen zwischen den USA und der Volksrepublik nach dem ersten Treffen im April mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping abgekühlt zu haben, so die Experten von T. Rowe Price. "Offenbar hat Trump erkannt, dass die Unterstützung Chinas erforderlich ist, um die nuklearen Ambitionen Nordkoreas einzudämmen", so Alan Levenson.

Das Wirtschaftswachstum habe sich in den USA im ersten Quartal 2017 verlangsamt. Allerdings würden die meisten Fakten darauf hindeuten, dass dies saisonbedingt gewesen sei. "Jüngste Daten unterstützen unsere Annahme, dass sich die Erholung der US-Wirtschaft aus der zweiten Jahreshälfte 2016 nun fortsetzt", erkläre der Experte. Darauf würden seiner Ansicht nach auch die steigenden Investitionsausgaben in der Industrie hindeuten. "Wir erwarten, dass die solide Nachfrage dazu beiträgt, dass das US-amerikanische Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2017 rund zwei Prozent beträgt."

Auf der anderen Seite gebe es keinen Beleg dafür, dass die so genannte Trump-Reflation - zu den geplanten Maßnahmen gehören höhere Ausgaben für Infrastruktur, Reduzierung der Steuer, Lockerung der Bankenregulierung - das Wachstum im kommenden Jahr steigern werde. Das Scheitern der anfänglichen republikanischen Bemühungen, Obamas Programm der "erschwinglichen Gesundheitsversorgung" zu ersetzen, sei als Rückschlag in der republikanischen legislativen Agenda zu bewerten. Hinzu komme, dass die Untersuchung der Beziehungen der Trump-Kampagne zu Russland einen Schatten über die US-Regierung geworfen habe.

Derzeit gebe es keine Anzeichen dafür, dass die US-Notenbank FED das Finanzumfeld signifikant ändern möchte. Die Notenbank habe signalisiert, das Zinserhöhungstempo weiterhin moderat zu halten. Das Inflationsziel der FED bei privaten Konsumausgaben bleibe weiterhin bei 2 Prozent. Dies sei zugleich ein Mittelwert, der auch vorübergehend überschritten werden könne, ohne dass die FED umgehend die Zinsschraube anziehe.

Angesichts der größeren Klarheit um die Zinssätze habe sich die Aufmerksamkeit vor kurzem auf die Bilanz der FED verlagert. Die Protokolle aus den jüngsten politischen Treffen hätten die Erwartungen der politischen Entscheidungsträger gezeigt, dass die Notenbank ihr Vorhaben, ihre fällig werdenden Portfoliobestände zu reinvestieren, durchaus noch in diesem Jahr ändern könne. "Wir erwarten, dass die FED eine Änderung ihrer Reinvestitionspolitik im September bekannt gibt - mit der Umsetzung rechnen wir bereits im Oktober. Dementsprechend erwarten wir, dass die Bilanzbereinigung die Finanzmärkte in den kommenden Monaten beschäftigen wird", erläutere Alan Levenson. (06.07.2017/alc/a/a)