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Die FED scheint entschlossen, das Rezessionsrisiko auszuschalten


20.09.24 11:30
RBC BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Die US-Notenbank Federal Reserve (FED) hat die Zinsen in dieser Woche um 50 Basispunkte gesenkt, so Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management.

Der FED-Vorsitzende Jerome Powell habe betont, dass die US-Wirtschaft nach wie vor robust sei. Er habe auch darauf hingewiesen, dass die Zinssenkung um 50 Basispunkte kein Signal für eine neue Gangart sei. Powell habe auf die Dot-Plot-Prognosen verwiesen, die weiterhin eine geringere geldpolitische Lockerung als in den Markterwartungen eingepreist vorsehen würden.

Die FED sei offenbar bestrebt, das Wachstum so stark wie möglich anzukurbeln, ohne dass dabei die Inflation zu stark ansteige. Die Wachstumsprognosen für das laufende Quartal lägen nahe bei 3 Prozent. Eine höhere Arbeitslosenquote sei zwar als Schwäche angeführt worden. Es scheine aber klar zu sein, dass diese auf eine Zunahme des Arbeitskräfteangebots zurückzuführen sei. Das Risiko einer Rezession in naher Zukunft sei den Experten zuletzt schon gering erschienen. Die FED scheine nun entschlossen zu sein, es komplett auszuschalten.

Wenn eine Lockerung der finanziellen Bedingungen zu einer Wiederbeschleunigung der Wirtschaft führe, könnte sich der jüngste Abwärtstrend der Inflation umkehren. Es bestehe daher gleichermaßen die Möglichkeit, dass die FED auf ihrer nächsten Sitzung im November je nach Wirtschaftsdaten und Marktentwicklung einen Zinsschritt in Höhe von 0,25 oder 50 Basispunkten vornehme.

Eine FED, die das Wachstum maximieren möchte, könnte zu einer etwas stärkeren mittelfristigen Inflation und höheren neutralen Zinssätzen führen. Mit Blick auf die US-Wahlen gehen die Experten von RBC BlueBay Asset Management außerdem davon aus, dass Risiken in Bezug auf eine weitere fiskalpolitische Lockerung bestehen. Sollte Donald Trump das Rennen um das Weiße Haus gewinnen, könnten Zölle den Inflationsdruck zusätzlich erhöhen.

Angesichts von Renditen um die 3,5 Prozent für 2- bis 10-jährige Anleihen sind die Experten von RBC BlueBay Asset Management der Meinung, dass es nur begrenztes Potenzial für einen deutlichen Rückgang gibt - es sei denn, es kommt zu einem erheblichen Wirtschaftsabschwung. Ironischerweise könnte daher eine kurzfristig eher locker agierende FED den Spielraum für Zinssenkungen auf längere Sicht einschränken.

Außerdem sind die Experten von RBC BlueBay Asset Management nach wie vor der Meinung, dass die Renditekurve von 2 bis 30 Jahren steiler werden dürfte und dass Anleihen mit längeren Laufzeiten einen höheren Aufschlag werden bieten müssen. Dies sei zum Teil eine Folge der zunehmenden fiskalischen Risiken und des notwendigen zusätzlichen Angebots.

Nach der FED-Sitzung richte sich der Fokus der Marktteilnehmer nun wieder auf die Daten. Powell habe ausdrücklich auf die Datenabhängigkeit der Währungshüter hingewiesen. Die Arbeitsmarktzahlen würden eindeutig eine hohe Priorität haben. In den nächsten Wochen sei es auf der Datenseite aber relativ ruhig. Der Großteil der relevanten Veröffentlichungen stehe erst in der ersten Oktoberhälfte an.

Die Experten von RBC BlueBay Asset Management halten Ausschau nach Anzeichen dafür, dass eine Lockerung der finanziellen Bedingungen dazu beiträgt, die Stimmung und die Wirtschaftstätigkeit in zinssensiblen Sektoren wie dem Baugewerbe zu beleben. Statt einer Konjunkturabschwächung könnte es sogar zu einem Mini-Boom kommen.

Am Horizont würden sich die US-Wahlen abzeichnen. Die Dynamik habe sich jüngst weiter in Richtung der demokratischen Kandidatin Kamala Harris entwickelt. In den kommenden Wochen könne und werde im Rennen Trump vs. Harris jedoch noch viel passieren. Bei den beiden zurückliegenden US-Wahlen hätten die Kandidaten der Demokraten in den letzten beiden Monaten vor der Abstimmung tendenziell an Unterstützung verloren. (20.09.2024/alc/a/a)