FED hebt Leitzins wie erwartet um 25 Basispunkte an


14.12.17 09:10
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Wie erwartet hob die US-Notenbank die Leitzinsspanne um 25 Basispunkte auf 1,25% bis 1,50% an, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG.

Es sei die fünfte Zinserhöhung seit Dezember 2015 gewesen, in Summe sei die Leitzinsspanne seither um 125 Basispunkte angehoben worden. Der gestrige Beschluss sei nicht einstimmig gefallen. Charles Evans (Chicago FED) und Neel Kashkari (Minneapolis FED) hätten gegen einen höheren Leitzins gestimmt. Die begleitende Stellungnahme zur Zinsentscheidung unterscheide sich nur unwesentlich von derjenigen vom November. Auffällig sei die positivere Note mit Blick auf den Arbeitsmarkt. Dieser werde nun als stark charakterisiert, während er bisher stets als stärker werdend beschrieben worden sei. Die Risiken für den kurzfristigen Konjunkturausblick würden erneut als annähernd ausgeglichen charakterisiert.

Gemäß der ebenfalls veröffentlichten neuen Projektionen zum erwarteten Leitzinspfad halte die Mehrheit der Währungshüter im nächsten Jahr unverändert drei Zinsanhebungen um je 0,25% für wahrscheinlich. Zehn der 16 FOMC-Mitglieder würden zum Jahresende eine Leitzinsspanne von mindestens 2,00% bis 2,25% als angemessen ansehen. 2019 solle es unverändert gegenüber September zwei bis drei Zinsschritte geben. Für das Jahr 2020 werde im Median nun ein Leitzinssatz von 3,1% erwartet, nach 2,9% im September. Der langfristig als neutral angesehene Leitzins werde weiter bei 2,8% gesehen.

Die Projektion für die Zunahme des realen Bruttoinlandsproduktes für die Jahre 2018 bis 2020 sei angehoben worden. Besonders ausgeprägt sei die Aufwärtsrevision für das Jahr 2018. Für das vierte Quartal werde nun eine Vorjahresrate von 2,5% angenommen. Im September habe die Projektion noch bei 2,1% gelegen. Ausschlaggebend für die zuversichtlicheren Konjunkturerwartungen seien laut FED-Präsidentin Janet Yellen die zu erwartenden positiven Effekte der sich abzeichnenden Steuerreform. Die Ende der Jahre 2018 und 2019 erwartete Arbeitslosenquote sei abermals leicht gesenkt worden und liege nun bei 3,9%. Das sei inzwischen merklich weniger als die langfristig als neutral angesehene Quote von 4,6%.

Das Ergebnis der gestrigen Zinsentscheidung habe ziemlich genau den Analysten-Erwartungen entsprochen. Die Währungshüter scheinen mit Blick auf die weitere konjunkturelle Entwicklung sowie den Arbeitsmarkt immer zuversichtlicher zu werden. Ins Grübeln scheine die Währungshüter der nach wie vor überraschend geringe Preisdruck zu bringen. Angesichts der nun noch zuversichtlicheren Einschätzung von Konjunktur- und Arbeitsmarktaussichten sei man aber weiter überzeugt, dass sich die Inflationsrate mittelfristig beim Notenbankziel von 2% einpendeln werde.

Die Analysten würden diese Einschätzung teilen und würden sogar noch weitergehen. Die Arbeitslosenquote dürfte schon im ersten Quartal 2018 unter 4% sinken, bis Ende des Jahres erwarte man eine Quote von nur noch 3,6%. Die Inflationsrate dürfte nach einem Basiseffekt bedingten leichten Rückgang im ersten Quartal 2018 - ab Sommer des nächsten Jahres auf über 2% p.a. ansteigen. Anders als Anfang 2017 dürfte die Inflationsrate dann dauerhaft auf erhöhtem Niveau bleiben. Für einen solchen nachhaltigen Inflationsanstieg spreche neben dem Wegfall inflationsdämpfender Basiseffekte im Frühling 2018 auch die Abwertung des handelsgewichteten USD in den letzten Monaten sowie der merkliche Anstieg des Ölpreises seit Mitte 2017 um rund 40%.

Die Analysten würden daher davon ausgehen, dass der Leitzins im nächsten Jahr wie schon 2017 in Summe um mindestens 75 Basispunkte angehoben werde. Aktuell würden sie von je einem Zinsschritt um 25 Basispunkte im Juni, September und Dezember ausgehen. Im März dürfte die Notenbank wegen der beschriebenen Inflationsentwicklung eine Pause bei den Zinsanhebungen einlegen. Das Risiko würden sie aktuell in mehr als den jetzt angedeuteten drei Zinsanhebungen im nächsten Jahr sehen. Sollte die von Präsident Trump und den Republikanern geplante Steuerreform zu einer noch stärkeren konjunkturellen Belebung führen als von der FED und den meisten Analysten unterstellt und/oder sollte das Lohnwachstum unerwartet schnell auf 3% p.a. oder mehr anziehen, könnte die FED am Ende zu einer stärkeren geldpolitischen Straffung gezwungen sein.

Neben den sehr favorablen Konjunkturaussichten spreche aber noch ein anderes Argument dafür, dass der Leitzins am Ende mindestens so stark steigen werde wie jetzt von den FOMC-Mitgliedern in Aussicht gestellt. So würden im nächsten Jahr aufgrund der Rochade der regionalen FED-Präsidenten mit Charles Evans und Neel Kashkari zwei ausgesprochene geldpolitische "Tauben" ihr Stimmrecht verlieren. Sie würden ersetzt durch Loretta Mester und John Williams, die beide eher im Lager der "Falken" angesiedelt seien. Das Gewicht der regionalen FED-Präsidenten sei derzeit besonders hoch, da selbst nach der Nominierung von Marvin Goodfriend für das FED Board noch immer drei der sieben Sitze unbesetzt seien.

Die gestrige Marktreaktion könnten die Analysten vor diesem Hintergrund nicht nachvollziehen, da die Wahrscheinlichkeit von drei Zinsanhebungen im nächsten Jahr in ihren Augen eher gestiegen denn gesunken sei. Aufgrund der erwarteten Inflationsentwicklung in den nächsten Monaten sowie der von ihnen unterstellten Zinsanhebungspause im März würden sie mit Blick auf das erste Quartal kein großes Potenzial für einen Renditeanstieg am langen Ende sehen. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen dürfte nur leicht zulegen. Der merkliche Renditeanstieg am kurzen Ende der letzten Wochen dürfte sich deutlich verlangsamen. (14.12.2017/alc/a/a)






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