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FED hat eine schwierige Gratwanderung vorerst erfolgreich bewältigt


19.09.19 11:15
DONNER & REUSCHEL AG

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die US-Notenbank FED hat eine schwierige Gratwanderung vorerst erfolgreich bewältigt, so Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank DONNER & REUSCHEL AG.

Einerseits sei den Erwartungen des Marktes mit der Leitzinssenkung um 25 Basispunkte auf 1,75 bis 2,0 Prozent entsprochen worden. Andererseits habe FED-Präsident Jerome Powell eine weitere geldpolitische Lockerung vermieden, wie sie von US-Präsident Donald Trump vermehrt eingefordert worden sei - zuletzt sogar bis auf null. Die Notenbank unterstreiche dadurch ihre unabhängige Stellung mit dem ausschließlichen Fokus auf die Geldwertstabilität und eine gute Beschäftigungslage. Begründet worden sei der Zinsschritt mit der Sicherung der bisher weiterhin hohen wirtschaftlichen Dynamik.

Powell habe wie bei der letzten Sitzung angedeutet, dass es sich um eine vorsorgliche geldpolitische Lockerung als Versicherung gegen offensichtliche Risiken, vor allem den globalen wirtschaftlichen Abschwung, den Handelskonflikt und den anstehenden Brexit, handle. Die Erwartungen an das Wachstum der US-Volkswirtschaft in 2019 seien von den Währungshütern von 2,1 auf 2,2 Prozent angehoben worden. Unverändert hingegen seien die Projektionen für die maßgebliche PCE-Inflationsrate in Höhe von 1,5 Prozent bzw. 1,8 Prozent für die Kernrate geblieben. Dabei verweise die FED auf die nach wie vor niedrigen Inflationserwartungen der Marktteilnehmer. Powell betone, dass sich die FED nicht auf einem vorgezeichneten Weg weiterer Zinssenkungen befinde, sondern die weitere geldpolitische Ausrichtung anhand der kommenden wirtschaftlichen Entwicklung ausrichte.

Einen besonderen Fokus habe Powell auf die außerordentliche Intervention der Notenbank am Geldmarkt am Anfang dieser Woche gelegt. Ursache des zwischenzeitlichen Engpasses an Interbankenliquidität seien technische Aspekte gewesen, wie Käufe neu emittierten US-Staatsanleihen und fällige Quartals-Steuerzahlungen. Es gebe daraus keine Rückwirkungen auf die aktuelle geldpolitische Ausrichtung.

Bemerkenswert sei gewesen, dass zwei Mitglieder des Open-Market-Committees gegen eine Zinssenkung gestimmt hätten. Ein Mitglied habe sich hingegen für eine Senkung des Leitzinses um 50 Basispunkte auf 1,5 bis 1,75 Prozent ausgesprochen. Dadurch zeige sich die besonders schwierige Situation der Notenbank in der aktuellen Situation. Angesichts der jüngsten wirtschaftlichen Datenveröffentlichungen mit einem Wachstum der US-Industrieproduktion um 0,6 Prozent, einer um 0,5 Prozent zulegenden Produktion im Verarbeitenden Gewerbe und einer steigenden Kapazitätsauslastung im August wäre unter rein fundamentalen Gesichtspunkten auch eine Verschiebung einer weiteren Zinssenkung auf die nächste Sitzung nachvollziehbar gewesen. Eine weitere Zinssenkung in diesem Jahr sei auf jedem Fall noch nicht sicher. (Ausgabe vom 18.09.2019) (19.09.2019/alc/a/a)