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FED gegen die Inflation - und gegen Donald Trump?
14.03.25 12:53
Helaba
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - In der Berichtswoche tagt das FOMC der FED, so die Analysten der Helaba.
Trotz der jüngsten Debatte über Rezessionsrisiken bleibe die Inflation für die Notenbanker das zentrale Thema.
Eine Leitzinsänderung werde auf der Sitzung am 18./19. März nicht erwartet. Seit der FOMC-Sitzung Ende Januar habe sich die Lage - sagen wir mal - "interessant" weiterentwickelt: Während die umgesetzten bzw. angekündigten massiven Zollerhöhungen der Regierung ein Aufwärtsrisiko für die Inflation bergen würden, habe die damit verbundene Verunsicherung von Unternehmen und Anlegern eine Debatte über eine drohende US-Rezession befeuert.
Eine zu hohe Inflation bleibe dabei die größte Gefahr. Der Start ins Jahr möge von residualer Saisonalität(1) der Verbraucherpreisdaten nach der Pandemie beeinflusst worden sein. Aber schon bevor eine einzige Zollerhöhung der neuen Regierung in Kraft getreten sei, sei der Disinflationsprozess bereits ins Stocken geraten - bei rund 3%. Ohne zusätzliche Impulse wäre die Helaba davon ausgegangen, dass die Trends des vergangenen Jahres, insbesondere ein abflauender Lohnauftrieb und graduell nachlassende Zuwachsraten bei den Wohnungsmieten, sich ausreichend fortsetzen würden, um im weiteren Verlauf von 2025 zu einer leichten Abnahme des Preisdrucks bei den (Kern-)Verbraucherpreisen zu führen. Dies hätte der FED Zinssenkungsspielräume eröffnet.
Mit den mannigfaltigen Vorstößen Trumps an der Zollfront sei diese Prognose aber ins Wanken geraten. Die Helaba habe unterstellt, dass er sich in erster Linie auf China konzentriere. Stattdesseen seien auch die wichtigen Handelspartner Kanada und Mexiko in sein Visier geraten. Die EU und der große Rest der Welt könnten kurzfristig folgen. Spezielle, sektorale Einfuhrabgaben seien entweder schon in Kraft (Stahl und Aluminium) oder in Arbeit (Schiffsbau, Kupfer, Bauholz, usw.). Damit würden die Inflationsrisiken zunehmen. Selbst in einem positiven Szenario gut verankerter Inflationserwartungen - die nach dem Preisschub 2021/22 nicht mehr selbstverständlich seien - würden die Zölle in erster Linie zumindest kurzfristig inflationstreibend wirken. Sie würden die FED damit vor die Herausforderung stellen, potenziell vom Präsidenten direkt erwirkten Handelsmaßnahmen geldpolitisch Kontra geben zu müssen.
Die Markterwartungen für den Leitzins hätten in den vergangenen Wochen nachgegeben. Aktuell würden die Fed-Funds-Futures per Ende 2025 wieder rund 75 Basispunkte an Lockerung einpreisen. Dies sei aber nicht primär dem Preisklima, sondern den zuletzt aufgekommenen Rezessionsängsten geschuldet. Das Risiko einer deutlich schwächeren Konjunktur bestehe tatsächlich und werde von Trumps Politik befördert. Es werde aber derzeit überschätzt. Schlechtes Wetter habe die Daten für den Januar vorübergehend belastet. Die wichtigsten Frühindikatoren wie der ISM-Einkaufsmanagerindex würden robust bleiben. Der Wechsel von "Nowcast"-Modellschätzungen zu einem negativen Wachstum im Q1 sei ein Resultat vorgezogener Importe - die bei der Berechnung des BIP abgezogen würden. Elon Musks schamlos übertriebene Zahlen zu Einsparungen - teilweise seien Maßnahmen um den Faktor 1.000 zu hoch angegeben worden - würden zudem den Eindruck eines "Sparschocks" erwecken, den es - bisher zumindest - so gar nicht gebe.
Laut dem Monetary Conditions Index (MCI) der Helaba habe die Lockerung der Finanzierungsbedingungen auch ohne Leitzinssenkungen im Trend bis in den Februar angedauert. Dem jüngsten Rückgang der Aktiennotierungen stünden dabei fallende Kapitalmarktzinsen und ein schwächerer Dollar entgegen, so dass auch für den März keine abrupte Kehrtwende beim MCI zu erwarten sei. Ob die von der Helaba bislang unterstellten Zinssenkungen um insgesamt 50 Basispunkte in diesem Jahr wirklich kämen, hänge nicht zuletzt von der Entwicklung an der Handelsfront ab. In der Berichtswoche werde das FOMC neue Projektionen veröffentlichen.
Angesichts der erheblichen Unsicherheiten und politischen Befindlichkeiten werde FED-Chef Powell aber wohl noch mehr als sonst betonen, dass die Leitzinswerte alles andere als in Stein gemeißelt seien. Verbunden sein dürfte dies zudem wieder mit dem schon bekannten Hinweis, der Leitzinspfad sei kein "Plan" des Gremiums, sondern ergäbe sich rein rechnerisch aus den individuellen Projektionen der einzelnen Mitglieder.
Die Helaba werde ihre FED-Prognose spätestens zusammen mit den Erwartungen für Konjunktur und Inflation überarbeiten, wenn sich voraussichtlich Anfang April konkretisiere, welche Länder und Güter Donald Trump im Rahmen seiner "reziproken" Zölle mit Einfuhrabgaben belegen werde.
(1) Dies umschreibt das statistische Problem, wenn die Saisonbereinigung normale saisonale Schwankungen der Daten nur unzureichend kompensiert. Hierzu kann es in der Folge von starken Schocks wie der Pandemie kommen. (14.03.2025/alc/a/a)
Trotz der jüngsten Debatte über Rezessionsrisiken bleibe die Inflation für die Notenbanker das zentrale Thema.
Eine Leitzinsänderung werde auf der Sitzung am 18./19. März nicht erwartet. Seit der FOMC-Sitzung Ende Januar habe sich die Lage - sagen wir mal - "interessant" weiterentwickelt: Während die umgesetzten bzw. angekündigten massiven Zollerhöhungen der Regierung ein Aufwärtsrisiko für die Inflation bergen würden, habe die damit verbundene Verunsicherung von Unternehmen und Anlegern eine Debatte über eine drohende US-Rezession befeuert.
Eine zu hohe Inflation bleibe dabei die größte Gefahr. Der Start ins Jahr möge von residualer Saisonalität(1) der Verbraucherpreisdaten nach der Pandemie beeinflusst worden sein. Aber schon bevor eine einzige Zollerhöhung der neuen Regierung in Kraft getreten sei, sei der Disinflationsprozess bereits ins Stocken geraten - bei rund 3%. Ohne zusätzliche Impulse wäre die Helaba davon ausgegangen, dass die Trends des vergangenen Jahres, insbesondere ein abflauender Lohnauftrieb und graduell nachlassende Zuwachsraten bei den Wohnungsmieten, sich ausreichend fortsetzen würden, um im weiteren Verlauf von 2025 zu einer leichten Abnahme des Preisdrucks bei den (Kern-)Verbraucherpreisen zu führen. Dies hätte der FED Zinssenkungsspielräume eröffnet.
Die Markterwartungen für den Leitzins hätten in den vergangenen Wochen nachgegeben. Aktuell würden die Fed-Funds-Futures per Ende 2025 wieder rund 75 Basispunkte an Lockerung einpreisen. Dies sei aber nicht primär dem Preisklima, sondern den zuletzt aufgekommenen Rezessionsängsten geschuldet. Das Risiko einer deutlich schwächeren Konjunktur bestehe tatsächlich und werde von Trumps Politik befördert. Es werde aber derzeit überschätzt. Schlechtes Wetter habe die Daten für den Januar vorübergehend belastet. Die wichtigsten Frühindikatoren wie der ISM-Einkaufsmanagerindex würden robust bleiben. Der Wechsel von "Nowcast"-Modellschätzungen zu einem negativen Wachstum im Q1 sei ein Resultat vorgezogener Importe - die bei der Berechnung des BIP abgezogen würden. Elon Musks schamlos übertriebene Zahlen zu Einsparungen - teilweise seien Maßnahmen um den Faktor 1.000 zu hoch angegeben worden - würden zudem den Eindruck eines "Sparschocks" erwecken, den es - bisher zumindest - so gar nicht gebe.
Laut dem Monetary Conditions Index (MCI) der Helaba habe die Lockerung der Finanzierungsbedingungen auch ohne Leitzinssenkungen im Trend bis in den Februar angedauert. Dem jüngsten Rückgang der Aktiennotierungen stünden dabei fallende Kapitalmarktzinsen und ein schwächerer Dollar entgegen, so dass auch für den März keine abrupte Kehrtwende beim MCI zu erwarten sei. Ob die von der Helaba bislang unterstellten Zinssenkungen um insgesamt 50 Basispunkte in diesem Jahr wirklich kämen, hänge nicht zuletzt von der Entwicklung an der Handelsfront ab. In der Berichtswoche werde das FOMC neue Projektionen veröffentlichen.
Angesichts der erheblichen Unsicherheiten und politischen Befindlichkeiten werde FED-Chef Powell aber wohl noch mehr als sonst betonen, dass die Leitzinswerte alles andere als in Stein gemeißelt seien. Verbunden sein dürfte dies zudem wieder mit dem schon bekannten Hinweis, der Leitzinspfad sei kein "Plan" des Gremiums, sondern ergäbe sich rein rechnerisch aus den individuellen Projektionen der einzelnen Mitglieder.
Die Helaba werde ihre FED-Prognose spätestens zusammen mit den Erwartungen für Konjunktur und Inflation überarbeiten, wenn sich voraussichtlich Anfang April konkretisiere, welche Länder und Güter Donald Trump im Rahmen seiner "reziproken" Zölle mit Einfuhrabgaben belegen werde.
(1) Dies umschreibt das statistische Problem, wenn die Saisonbereinigung normale saisonale Schwankungen der Daten nur unzureichend kompensiert. Hierzu kann es in der Folge von starken Schocks wie der Pandemie kommen. (14.03.2025/alc/a/a)
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