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FED findet Bestätigung für Politik der ruhigen Hand


27.04.18 12:45
Allianz Global Investors

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die jüngsten Wirtschaftsdaten aus den USA unterstützen den Zinskurs der Notenbank und stehen in Einklang mit den Markterwartungen: keine Leitzinserhöhung während der Mai-Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC), aber drei oder vier Zinsschritte bis Ende dieses Jahres, so Franck Dixmier, Global Head of Fixed Income bei AllianzGI.

Längerfristig würden sich die Erwartungen der Märkte jedoch von den Projektionen der FED unterscheiden, was zu Verwerfungen führen könnte.

Die Experten würden davon ausgehen, dass die FED den US-Leitzins im Mai unverändert lassen werde. Jüngste Wirtschaftsdaten und Stimmungsindikatoren würden nicht darauf hindeuten, dass die US-Notenbank Änderungen an ihrem Kurs einer schrittweisen geldpolitischen Normalisierung vornehmen müsse:

- das jüngste Beige Book der FED - ein qualitativer Bericht über das wirtschaftliche Umfeld - scheine eine positive Einschätzung der US-Wirtschaft zu bestätigen
- Geschäftsklimaindices würden trotz Unsicherheiten wegen protektionistischer Drohungen durch das Weiße Haus fest bleiben
- es gebe keinen nennenswert steigenden Lohndruck
- die Inflation sei im März verhalten geblieben: Während der Verbraucherpreisindex bei 2,4 Prozent gegenüber Vorjahr gelegen habe, habe der Index der private Konsumausgaben lediglich einen Anstieg von 1,6 Prozent verzeichnet. Dies unterstütze die Annahme der FED, dass sich die Teuerungsrate in Richtung des mittelfristigen Ziels bewege und die inflationsdämpfende Faktoren allmählich an Wirksamkeit verlieren würden.

Alles in allem stünden diese Daten somit in Einklang mit den Markterwartungen: Die FED werde weiter schrittweise agieren und im Verlauf von 2018 werde es insgesamt drei oder vier Zinserhöhungsschritte geben. Daher dürfte das nächste Protokoll zur FED-Sitzung für wenig Interesse bei Anlegern sorgen. Stattdessen dürften sie sich durch eine klare Forward Guidance für 2018 bestätigt sehen.

Weiter vorausschauend gebe es aber Diskrepanzen zwischen den (derzeit geäußerten) Intentionen der FED und den Markterwartungen. Dies könnte mittelfristig zu Verwerfungen führen:

- laut der "FED Dots " - einer Momentaufnahme der Zinsprognosen der einzelnen FOMC-Mitglieder - könnte die FED die Zinssätze zwischen Ende 2018 und Ende 2020 fünf Mal erhöhen, auf letztlich 3,25 Prozent
- angesichts einer aktuellen FED Funds Rate von 1,75 Prozent und der 150 Basispunkte, die die FED seit Dezember 2016 umgesetzt habe, bedeute dies, dass die US-Notenbank ihr Ziel schon zur Hälfte erreicht habe
- der Markt glaube dagegen nicht an dieses Szenario: Derzeit seien für denselben Zeitraum lediglich zwei weitere Zinserhöhungsschritte eingepreist.

Diese Divergenz berge mittelfristig die Gefahr erhöhter Volatilität. Dies könne sich insbesondere am langen Ende der Zinsstrukturkurve auswirken, wenn die Anleger ihre Erwartungen revidieren und in Richtung der Projektionen der Zentralbank anpassen würden. (27.04.2018/alc/a/a)