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FED erwartet frühere Zinserhöhungen


18.06.21 09:02
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Nachdem die Renditen in den vergangenen Tagen bereits im Vorfeld der FED-Sitzung einen leichten Aufwärtstrend eingeschlagen haben, machten sie nach der vorgestrigen Sitzung (16.06.) einen Sprung nach oben, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.

Zehnjährige T-Notes würden jetzt bei 1,57% rentieren, die Pendants aus Deutschland bei - 0,21%.

Die FED habe keine neuen Beschlüsse gefasst, aber neue Einschätzungen der FED-Mitglieder veröffentlicht. Daraus werde deutlich, dass die Mitglieder Zinserhöhungen bereits für das Jahr 2023 für angemessen halten würden und nicht erst wie bisher im Jahr 2024. Immerhin gebe es sieben von 18 Mitgliedern, die auch ein oder zwei Zinserhöhungen im nächsten Jahr für möglich erachten würden.

Passend zu den Zinsprognosen hätten die FED-Mitglieder im Durchschnitt (Median) ihre Wachstumsprognosen angepasst. Für das laufende Jahr erwarte man jetzt ein BIP-Zuwachs von 7%, ein Plus von 0,5 Prozentpunkten gegenüber der Median-Prognose vom März. Die Wachstumsprognose für das nächste Jahr liege unverändert bei 3,3%. Die Arbeitslosenrate werde unverändert per Ende des Jahres bei 4,5% gesehen, derzeit liege sie bei 5,8%. Für das kommende Jahr liege die Rate gemäß der FED-Erwartungen bei 3,8%.

Ob das dann schon ausreichend niedrig sei, um in 2023 mit Zinserhöhungen anzufangen, darauf habe sich Powell nicht festlegen wollen. Er rechne in jedem Fall, so wörtlich, in den nächsten ein zwei Jahren mit einem "sehr sehr starken" Arbeitsmarkt. Die Tatsache, dass die Beschäftigung derzeit nicht so stark wachse wie erwartet, hänge seines Erachtens unter anderem damit zusammen, dass viele Menschen ihren Job wechseln und in einem anderen Sektor arbeiten möchten, weil sich die Strukturen der Volkswirtschaft gerade ändern würden. Hiermit seien längere Wechselzeiten verbunden. Anders ausgedrückt: Es sei einfacher, wenn der arbeitslose Kellner bei einem wieder eröffneten Restaurant anheuere, als wenn derselbe arbeitslose Kellner im Pflegedienst arbeiten möchte.

Die Inflationsprognose habe die FED für das laufende Jahr kräftig angehoben. Die PCE Kerninflation solle zum Ende des Jahres bei 3,0% liegen, derzeit liege sie bei 3,1%. In den nächsten beiden Jahren prognostiziere man jeweils 2,1%, fast unverändert gegenüber der vorherigen Einschätzung. Man sei also nach wie vor der Meinung, dass der Inflationsanstieg nur vorübergehend sei. Powell habe auf die Engpässe bei Lieferketten verwiesen, und zugegeben, dass man nicht wisse, wie lange diese Engpässe anhalten würden. Er habe aber auch das Beispiel für Schnittholz genannt, wo sich die Preise derzeit wieder zurückbilden würden und er habe gesagt, die US-Wirtschaft sei sehr flexibel, flexibler als die meisten anderen Volkswirtschaften, und er sei daher zuversichtlich, dass bald die Ungleichgewichte zwischen Angebot und Nachfrage beseitigt würden.

Über das Tapering, also die Reduktion der Anleiheankäufe, habe man gesprochen. Powell habe diese Diskussion relativiert, in dem er gesagt habe "we talked about talking about tapering". Die Diskussion werde in den nächsten Sitzungen fortgesetzt werden. Powell habe sich nicht auf bestimmte Kriterien festlegen lassen wollen, die ein Tapering auslösen würden, er habe hingegen betont, dass man mit viel Vorlauf den Märkten signalisieren werde, wann man mit dem Tapering anfange. Die Analysten würden nach wie vor davon ausgehen, dass man Anfang nächsten Jahres mit dem Tapering starten werde.

Von der Konjunkturfront gebe es aus Deutschland neue Einschätzungen. Vorgestern (16.06.) habe das ifo-Institut seine Wachstumsprognose für das laufende Jahr wegen der Produktionsengpässe auf 3,3% gesenkt, für das kommende Jahr entsprechend kräftig auf 4,3% erhöht. Das Institut für Weltwirtschaft in Kiel (IfW) habe am 17. Juni 2021 ebenfalls seine Prognose veröffentlicht und sei optimistischer. Das IfW gehe von 3,9% in diesem Jahr aus und erwarte für das kommende Jahr sogar 4,8%. Das sei fast unverändert zu der Prognose vom März. Aktuell gebe es positive Nachrichten von der Konjunktur in Deutschland, die Auftragsbestände für die Industrie seien im April erneut gestiegen, um 2,9% gegenüber dem Vormonat.

In den kommenden Tagen sei auf den CDU-Parteitag am Sonntag (20.06.) zu schauen, wo auch das Parteiprogramm verabschiedet werde. Am gleichen Tag finde die erste Runde der Regionalwahlen in Frankreich statt (am 27.06. finde die zweite Runde statt). Alle Augen würden sich dabei auf Regionen im Südosten und Nordwesten Frankreichs richten, wo die Partei von Marine Le Pen Chancen habe, die Mehrheit zu erhalten. Es sei der letzte Stimmungstest vor der Präsidentschaftswahl im nächsten Jahr. (Ausgabe vom 17.06.2021) (18.06.2021/alc/a/a)