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FED dürfte auf der Zinssitzung ähnliche Botschaft senden wie im Januar


18.03.24 11:37
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Standen zuletzt US-Inflations- und Arbeitsmarktdaten im Fokus, so dominiert in dieser Woche eine Vielzahl an Stimmungsindikatoren für den Euroraum die Agenda, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Diese Indikatoren würden aktuell eine verhaltene gegenwärtige Wirtschaftslage mit begrenztem Aufschwungspotenzial signalisieren. Die anstehenden Ergebnisse dürften dies im Großen und Ganzen bestätigen. So sollte sich das Konsumentenvertrauen im März mit einer leichten Abnahme von -15,5 auf -16,1 Punkte weiterhin auf pessimistischem Terrain befinden. Die März-PMIs würden nach Meinung der Analysten weiterhin die relative Stärke des Dienstleistungssektors gegenüber der Industrie reflektieren, die Analysten würden für den Dienstleistungs-PMI einen Anstieg von 50,2 auf 50,8 Punkte und für den Industrie-PMI einen Anstieg von 46,5 auf 46,7 Punkte prognostizieren.

Auch die deutschen ZEW- und Ifo-Indikatoren für März dürften auf eine eher verhaltene Einschätzung der aktuellen Lage und ein etwas optimistischeres Stimmungsbild hinsichtlich der zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung hinweisen. Dementsprechend würden die Analysten beim ZEW eine Abnahme bei der Komponente für die gegenwärtigen Umstände von -81,7 auf -83,2 Punkte erwarten. Die Erwartungskomponente sollte indessen einen marginalen Rückgang von 19,9 auf 19,6 Punkte ausweisen, was aber weiterhin eine deutliche optimistischere Einschätzung des zukünftigen Konjunkturverlaufs (im Vergleich zur gegenwärtigen Situation) bedeuten würde.

Beim ifo würden die Analysten eine marginale Verschlechterung der Komponente zur gegenwärtigen Lage für möglich halten (86,9 auf 86,7 Punkte), während sie bei der Erwartungskomponente Aufwärtspotential sehen würden (84,1 auf 85,2 Punkte). Dies würde einen Anstieg des ifo-Geschäftsklimaindex von 85,5 auf 86 Punkte implizieren. Auch in den USA stünden die März-PMIs zur Veröffentlichung an. Diese hätten im Februar mit 52,3 Punkten (Dienstleistungen) und 52,2 Punkten (Industrie) auf einem klar höheren Niveau als in der Eurozone gelegen. Auffällig sei in den USA in der jüngeren Vergangenheit allerdings gewesen, dass die PMIs sich schwächer entwickelt hätten als die tatsächlich realisierten Wirtschaftsdaten (wie beispielsweise das Bruttoinlandsprodukt).

In der vergangenen Woche seien die Nachwirkungen der EZB-Sitzung noch zu spüren gewesen. Einerseits sei die Liste der EZB-Ratsmitglieder länger geworden, die sich zu Wort gemeldet und ihren Optimismus hinsichtlich einer ersten Zinssenkung vor der Sommerpause zum Ausdruck gebracht hätten. Andererseits habe die EZB nach ihrer nicht geldpolitischen Sitzung am 13. März eine Aktualisierung ihres operativen Rahmens (Liquiditätsstrategie) vorgelegt. Die EZB wolle mehr nachfrageorientierte Quellen für die Liquiditätsbereitstellung erschließen, vor allem durch eine Forcierung der Hauptrefinanzierungsgeschäfte. Die Liquiditätsquellen würden jedoch weiterhin vielfältig sein, wobei sowohl Refinanzierungsgeschäfte als auch Anleihekäufe eine Rolle spielen würden.

Neue strukturelle längerfristige Refinanzierungsgeschäfte und ein strukturelles Wertpapierportfolio seien als neue Instrument avisiert. Diese würden aber sicher nicht bereits in naher Zukunft zum Einsatz kommen. Bei den Leitzinsen sehe der neue operative Rahmen ab dem 18. September 2024 einen engeren Korridor zwischen dem Einlagen- und dem Hauptrefinanzierungssatz von 15 Basispunkten (derzeit 50 Basispunkte) vor. In Kombination mit der zunehmenden Bedeutung von Hauptrefinanzierungsgeschäften bedeute dies, dass sich die kurzfristigen Geldmarktsätze (z.B. EURSTR) dem Einlagensatz (von unten) annähern oder leicht darüber liegen würden.

An den Finanzmärkten hätten die Benchmark-Renditen wieder nach oben tendiert, nachdem sie Ende Februar und Anfang März zurückgegangen seien. Dieses Muster gelte sowohl für den Euroraum als auch für die USA. Der Anstieg der Renditen sei jedoch vor allem durch die unerwartet hohe Verbraucherpreisinflation in den USA angeheizt worden. Die Abwertung des US-Dollars sei zum Stillstand gekommen. Die Verbraucherpreisinflation in den USA sei im Februar auf 3,2% gegenüber 3,1% p.a. im Januar gestiegen. Die Kerninflation sei um 0,1%-Punkte auf 3,8% p.a. zurückgegangen. Beide Zahlen seien über den Konsenserwartungen veröffentlicht worden.

Die zugrunde liegende Dynamik mahne die FED zur Vorsicht, auch wenn die Preisdynamik im Vergleich zur großen Überraschung im Januar etwas nachgelassen habe. Diesmal sei die Preisdynamik bei Nahrungsmitteln und Kerngütern als zahm zu bezeichnen. Bei den Kerndienstleistungspreisen sei es einmal mehr die Komponente Wohnen, die für Aufwärtsdruck gesorgt habe. Die Analysten würden davon ausgehen, dass die FED auf der kommenden Zinssitzung eine ähnliche Botschaft senden werde wie im Januar. Insgesamt sei die FED auf dem richtigen Weg, um sowohl ihr Preisstabilitäts- als auch ihr Vollbeschäftigungsziel zu erreichen. Allerdings müsse der Offenmarktausschuss, insbesondere angesichts der jüngsten Inflationsdaten, noch mehr Vertrauen gewinnen, bevor er eine Zinssenkung beschließen könne.

Außerdem werde die FED neue Prognosen veröffentlichen. Hier werde die erwartete Entwicklung der FED Funds Rate im Mittelpunkt des Interesses der Märkte stehen. Im Dezember hätten die Prognosen die Erwartung von drei Zinssenkungen um je 25 Basispunkte widergespiegelt, wahrscheinlich beginnend im Juni. Obwohl dies auch das Basisszenario der Analysten sei, bestehe das Risiko, dass das eine oder andere Rats-Mitglied seine Meinung nach oben korrigiert habe. Nach Erachten der Analysten könnten die Prognosen hawkisch überraschen, während die Pressekonferenz weniger hawkisch ausfallen könnte als von einigen befürchtet.

Neben der FED tage auch die SNB diese Woche. Hier habe sich im Vorfeld schon etwas mehr Spannung aufgebaut. Die überraschend niedrige Inflation habe für Zinssenkungsspekulationen am Markt gesorgt, die sich nach der EZB-Sitzung und den jüngsten CPI-Daten in den USA wieder abgeschwächt hätten. Die Analysten würden gute Gründe für eine Zinssenkung im März sehen: 1) Die fortgeschrittene Disinflation mit einer Inflation von 1,2% im Februar, die nun neun Monate in Folge innerhalb des Zielbandes der SNB liege und die inländische Preisentwicklung - die mit einem Plus von 1,9% knapp unter die 2% gerutscht sei - würden der SNB den nötigen Spielraum geben. 2) Andererseits habe der Wechselkurs real aufgewertet und Indikationen würden darauf hindeuten, dass die SNB seit Dezember den Franken wieder auf einem etwas schwächeren Niveau sehen wolle.

Ein Zinsschritt vor EZB und FED würde eine Abwertung des Franken ermöglichen, ohne wieder Devisen im großen Umfang zu akkumulieren. Es sei jedoch gesagt, dass durch die Währung als zusätzliches Instrument die Inflation zu steuern auch mehr Flexibilität hinsichtlich des Zinssatzes gegeben sei, was der SNB auch ein längeres Halten der Zinsen auf 1,75% erlaube. Sollte der Zinsschritt im März nicht kommen, würden die Analysten jedoch sehr wenige Gründe sehen, warum er im Juni nicht kommen sollte. Die besondere Stellung der Schweiz mache demnach die kommende SNB-Sitzung besonders spannend. (Ausgabe vom 15.03.2024) (18.03.2024/alc/a/a)