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FED dürfte das Zielband der Leitzinsen um 25 Basispunkte anheben
14.03.22 10:15
Raiffeisen Bank International AG
Wien (www.anleihencheck.de) - Der Krieg in der Ukraine bedeutet deutlich mehr Inflation und weniger Wachstum als noch vor einigen Monaten angenommen, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).
Naturgemäß würden damit jene Phasen der 1970er und 1980er in den Fokus rücken, in denen ebenfalls hohe energiepreisgetriebene Inflation auf der Konjunktur gelastet habe. Die ökonomischen Implikationen seien damals bekannterweise beträchtlich gewesen. So habe der von den der OPEC ausgegangene erste angebotsseitige Ölpreisschock im Jahr 1973 die Inflation in ungeahnte Höhen getrieben und gleichzeitig die Konjunktur auf Talfahrt geschickt. Insbesondere der Industriesektor sei stark betroffen gewesen. Doch was habe "Stagflation" in der Vergangenheit für Inflation und Wachstum tatsächlich bedeutet?
Eine systematische Auswertung der Inflations- und Konjunkturdynamik (Quartalsdaten) 22 westlicher Länder (u.a. Nordamerika, Westeuropa, Japan) seit 1970 zeige: In Phasen hoher Inflation (mehr als 4%) und verglichen damit niedrigen bis negativen BIP-Wachstums (reales Wachstum 4 Prozentpunkte niedriger als Inflation) habe einer Inflation von durchschnittlich 10% immer noch ein leicht positives BIP-Wachstum von einem Prozent gegenübergestanden, auch wenn sich natürlich hinter den Durchschnittswerten ebenso Rezessionsphasen und Unterschiede auf Länderebene verbergen würden. So habe die US-Konjunktur mit einem durchschnittlichen BIP-Wachstum von 0,3% p.a. in Stagflationsperioden nur ein Mini-Plus erreicht (was aber de-facto auch Stagnation sei), Deutschland sei im Durchschnitt über Nullwachstum (0,0% p.a.) nicht hinausgekommen (wobei die Inflation mit 5,8% niedriger gewesen sei als im Länderdurchschnitt).
Auch wenn sich damit diese und andere relevante Volkswirtschaften in Phasen sehr hoher Inflation konjunkturell im positiven Terrain hätten halten können, sei die Wachstumsverlangsamung aufgrund höheren Potenzialwachstums dennoch beträchtlich gewesen. Immerhin habe sich das Durchschnittswachstum Deutschlands in den 1960er Jahren auf 4,5% p.a. belaufen. Die makroökonomischen Ausgangsbedingungen seien damals also andere als heute gewesen. Auf der anderen Seite habe die Energieintensität der Volkswirtschaften seit den 1970ern deutlich abgenommen, in den USA beispielsweise um nicht weniger als 60%. Unsere Wirtschaftsprognosen werden aktuell überarbeitet, um den wohl anhaltenden Energiepreisschock angemessen zu berücksichtigen, so die Analysten der RBI.
Auf der Zinssitzung der US-Notenbank FED sei die Entscheidung die erste Zinserhöhung seit Beginn der Pandemie zu beschließen wohl bereits fixiert. Wir und die meisten Marktteilnehmer erwarten, dass die FED das Zielband der Leitzinsen um 25 Basispunkte auf 0,25% bis 0,50% anheben wird, so die Analysten der RBI. Die Spekulationen über eine ausgeprägtere Anhebung um 50 Basispunkte, die Mitte Februar ihren Höhepunkt erreicht hätten, seien seit dem Ukraine-Krieg und den Signalen der FOMC-Mitglieder, zunächst einen kleineren Schritt zu bevorzugen, zurückgegangen. Trotz erhöhter - auch zusätzlicher - Unsicherheit würden die Analysten der RBI davon ausgehen, dass die FED ihren Kurs nicht ändern und FED-Präsident Powell einen schrittweisen Zinserhöhungszyklus signalisieren werde. Die Analysten der RBI würden mit weiteren Zinserhöhungen um 25 Basispunkte auch auf den bevorstehenden Zinssitzungen bis zumindest Mitte des Jahres rechnen. Ob dieses Tempo bis zum Ende des Jahres beibehalten werde, sei jedoch noch weniger klar.
Powell werde die Datenabhängigkeit der FED betonen und die Möglichkeit in beide Richtungen reagieren zu können. Der Krieg in der Ukraine berge einen angebotsbedingten Preisschock, der nach Meinung der Analysten der RBI die Risiken für eine weiterführende, jedoch graduelle, Normalisierung der Geldpolitik erhöhen dürfte. Auf jeden Fall sei es ziemlich klar, dass die neuen Wirtschaftsprognosen der FED eine Aufwärtsrevision des erwarteten Leitzinsniveaus für 2022 und 2023 zeigen würden, was auch für die Inflationsrate gelten sollte. Schon vor dem jüngsten Anstieg der Rohstoffpreise sei die Inflation in den USA im Februar erwartungsgemäß weiter angestiegen: Die Gesamtrate habe 7,9% und die Kernrate 6,4% p.a. erreicht. Steigende Lebensmittel- und Kraftstoffpreise hätten die Gesamtinflation angetrieben (0,8% p.m.), aber auch die Kerninflation habe einen breiten Inflationsdruck (0,5% p.m.) signalisiert, wobei die rascher steigenden Wohnkosten hervorzuheben seien.
Die Ausgangslage für einen weiteren Inflationsschock sei auch für die FED nicht einfach. Neben der Zinserhöhung und einigen Andeutungen für das Tempo des Zinszyklus werde auch die Forward Guidance zur Bilanzreduktion - quantitative Straffung - im Mittelpunkt stehen. Die FOMC-Mitglieder hätten ihr Unbehagen über die derzeitige Größe der FED-Bilanz bereits im Vorfeld zum Ausdruck gebracht und es sei nicht auszuschließen, dass bereits diese Woche ein Beginn der quantitativen Straffung für Mitte des Jahres angekündigt werde, ohne jedoch alle Einzelheiten zu spezifizieren.
Die Europäische Zentralbank habe bereits in der abgelaufenen Woche den weiteren Fahrplan für dieses Jahr umrissen. Die Anleihekaufprogramme würden auslaufen und im Anschluss seien Zinsanhebungen geplant. Am Markt habe aufgrund der neuen Guidance der EZB das Zins-Pricing nicht grundlegend überdacht werden müssen. Vielmehr bestehe nun Klarheit, dass die Notenbank trotz der konjunkturellen Abwärtsrisiken, die mit dem Krieg in der Ukraine und den Wirtschaftssanktionen gegen Russland verbunden seien, auf die hohe Inflation reagieren werde. Die Analysten der RBI würden mit Zinsanhebungen rechnen beginnend im September. Der Leitzinspfad sollte den Einlagesatz um den Jahreswechsel 2022/23 zunächst an die 0%-Marke führen. Nach einer Stillhaltephase dürften sich in der zweiten Jahreshälfte 2023 weiter Schritte nach oben anschließen.
Der Datenkalender sei in der laufenden Woche eher dünn besetzt. Während die US-Daten noch nicht von der Eskalation des Ukraine-Konflikts beeinträchtigt sein würden, stünden die ZEW-Umfragen (Stimmung von Finanzmarktakteuren) vor einem Absturz. Die EUR-Industrieproduktion dürfte im Januar im Vergleich zum Vormonat stagniert haben (Ergebnisse der einzelnen Länder lägen bereits vor). (Ausgabe vom 11.03.2022) (14.03.2022/alc/a/a)
Naturgemäß würden damit jene Phasen der 1970er und 1980er in den Fokus rücken, in denen ebenfalls hohe energiepreisgetriebene Inflation auf der Konjunktur gelastet habe. Die ökonomischen Implikationen seien damals bekannterweise beträchtlich gewesen. So habe der von den der OPEC ausgegangene erste angebotsseitige Ölpreisschock im Jahr 1973 die Inflation in ungeahnte Höhen getrieben und gleichzeitig die Konjunktur auf Talfahrt geschickt. Insbesondere der Industriesektor sei stark betroffen gewesen. Doch was habe "Stagflation" in der Vergangenheit für Inflation und Wachstum tatsächlich bedeutet?
Eine systematische Auswertung der Inflations- und Konjunkturdynamik (Quartalsdaten) 22 westlicher Länder (u.a. Nordamerika, Westeuropa, Japan) seit 1970 zeige: In Phasen hoher Inflation (mehr als 4%) und verglichen damit niedrigen bis negativen BIP-Wachstums (reales Wachstum 4 Prozentpunkte niedriger als Inflation) habe einer Inflation von durchschnittlich 10% immer noch ein leicht positives BIP-Wachstum von einem Prozent gegenübergestanden, auch wenn sich natürlich hinter den Durchschnittswerten ebenso Rezessionsphasen und Unterschiede auf Länderebene verbergen würden. So habe die US-Konjunktur mit einem durchschnittlichen BIP-Wachstum von 0,3% p.a. in Stagflationsperioden nur ein Mini-Plus erreicht (was aber de-facto auch Stagnation sei), Deutschland sei im Durchschnitt über Nullwachstum (0,0% p.a.) nicht hinausgekommen (wobei die Inflation mit 5,8% niedriger gewesen sei als im Länderdurchschnitt).
Auch wenn sich damit diese und andere relevante Volkswirtschaften in Phasen sehr hoher Inflation konjunkturell im positiven Terrain hätten halten können, sei die Wachstumsverlangsamung aufgrund höheren Potenzialwachstums dennoch beträchtlich gewesen. Immerhin habe sich das Durchschnittswachstum Deutschlands in den 1960er Jahren auf 4,5% p.a. belaufen. Die makroökonomischen Ausgangsbedingungen seien damals also andere als heute gewesen. Auf der anderen Seite habe die Energieintensität der Volkswirtschaften seit den 1970ern deutlich abgenommen, in den USA beispielsweise um nicht weniger als 60%. Unsere Wirtschaftsprognosen werden aktuell überarbeitet, um den wohl anhaltenden Energiepreisschock angemessen zu berücksichtigen, so die Analysten der RBI.
Powell werde die Datenabhängigkeit der FED betonen und die Möglichkeit in beide Richtungen reagieren zu können. Der Krieg in der Ukraine berge einen angebotsbedingten Preisschock, der nach Meinung der Analysten der RBI die Risiken für eine weiterführende, jedoch graduelle, Normalisierung der Geldpolitik erhöhen dürfte. Auf jeden Fall sei es ziemlich klar, dass die neuen Wirtschaftsprognosen der FED eine Aufwärtsrevision des erwarteten Leitzinsniveaus für 2022 und 2023 zeigen würden, was auch für die Inflationsrate gelten sollte. Schon vor dem jüngsten Anstieg der Rohstoffpreise sei die Inflation in den USA im Februar erwartungsgemäß weiter angestiegen: Die Gesamtrate habe 7,9% und die Kernrate 6,4% p.a. erreicht. Steigende Lebensmittel- und Kraftstoffpreise hätten die Gesamtinflation angetrieben (0,8% p.m.), aber auch die Kerninflation habe einen breiten Inflationsdruck (0,5% p.m.) signalisiert, wobei die rascher steigenden Wohnkosten hervorzuheben seien.
Die Ausgangslage für einen weiteren Inflationsschock sei auch für die FED nicht einfach. Neben der Zinserhöhung und einigen Andeutungen für das Tempo des Zinszyklus werde auch die Forward Guidance zur Bilanzreduktion - quantitative Straffung - im Mittelpunkt stehen. Die FOMC-Mitglieder hätten ihr Unbehagen über die derzeitige Größe der FED-Bilanz bereits im Vorfeld zum Ausdruck gebracht und es sei nicht auszuschließen, dass bereits diese Woche ein Beginn der quantitativen Straffung für Mitte des Jahres angekündigt werde, ohne jedoch alle Einzelheiten zu spezifizieren.
Die Europäische Zentralbank habe bereits in der abgelaufenen Woche den weiteren Fahrplan für dieses Jahr umrissen. Die Anleihekaufprogramme würden auslaufen und im Anschluss seien Zinsanhebungen geplant. Am Markt habe aufgrund der neuen Guidance der EZB das Zins-Pricing nicht grundlegend überdacht werden müssen. Vielmehr bestehe nun Klarheit, dass die Notenbank trotz der konjunkturellen Abwärtsrisiken, die mit dem Krieg in der Ukraine und den Wirtschaftssanktionen gegen Russland verbunden seien, auf die hohe Inflation reagieren werde. Die Analysten der RBI würden mit Zinsanhebungen rechnen beginnend im September. Der Leitzinspfad sollte den Einlagesatz um den Jahreswechsel 2022/23 zunächst an die 0%-Marke führen. Nach einer Stillhaltephase dürften sich in der zweiten Jahreshälfte 2023 weiter Schritte nach oben anschließen.
Der Datenkalender sei in der laufenden Woche eher dünn besetzt. Während die US-Daten noch nicht von der Eskalation des Ukraine-Konflikts beeinträchtigt sein würden, stünden die ZEW-Umfragen (Stimmung von Finanzmarktakteuren) vor einem Absturz. Die EUR-Industrieproduktion dürfte im Januar im Vergleich zum Vormonat stagniert haben (Ergebnisse der einzelnen Länder lägen bereits vor). (Ausgabe vom 11.03.2022) (14.03.2022/alc/a/a)
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