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Die FED ändert den Kurs, die EZB behält ihren Kurs bei!


21.12.15 12:06
DNCA Finance

Paris (www.anleihencheck.de) - Die Märkte stehen nach wie vor im Bann der Notenbanken, die nun offiziell ihre gegenläufige Geldpolitik verkündet haben, so Igor de Maack, Portfoliomanager und Sprecher Portfoliomanagement bei DNCA Investments.

Während die Anlagen in amerikanische Unternehmen und in Unternehmen aus Schwellenländern mit Risiken behaftet seien, stelle die Eurozone immer noch ein freundliches Umfeld für internationale, wachstumsorientierte Anleger dar.

Die amerikanische Notenbank FED habe nun das Ende ihrer Nullzinspolitik bestätigt, indem sie auf der Sitzung am 16. Dezember die erste Zinserhöhung und für 2016 weitere schrittweise Erhöhungen angekündigt habe. Im Gegensatz dazu habe die Europäische Zentralbank EZB in ihrer letzten Verlautbarung zwar ihre lockere Geldpolitik bestätigt, aber auch die Anleger ernüchtert. Diese Divergenz, die sich zum Teil bereits in den Wechselkursen niederschlage, werde zahlreiche Auswirkungen auf die Kapitalmärkte diesseits und jenseits des Atlantiks haben.

Mehr noch als die bereits allgemein bekannten Aussagen und Maßnahmen der beiden Notenbanken werde in den kommenden Wochen die Auslegung ihrer Verlautbarungen das Verhalten der Anleger bestimmen. In Europa habe die Entscheidung der EZB, ihre quantitative Lockerung um sechs Monate zu verlängern, die monatlichen Anleihekäufe dagegen nicht zu erhöhen, für eine heftige Reaktion an den Aktien- und Rentenmärkten gesorgt.

Die Geldpolitik könne zwar nicht alle Probleme lösen, doch zumindest müsse man ihr zugute halten, dass sie insbesondere in der Eurozone die Angst vor dem systemischen Risiko noch auf viele Monate hinausschiebe. So könnten sich die Bewertungen zwar weiter steigen, jedoch ohne Gewähr, dass sie noch der jeweiligen fundamentalen mikroökonomischen Entwicklung entsprechen würden.

In den Vereinigten Staaten müssten die Anleger wahrscheinlich das Paradies verlassen und sich hinab ins Fegefeuer begeben: Zunächst im Anleihebereich, denn es sei nie leicht, mit einer Zinserhöhung zurechtzukommen, die im Konjunkturzyklus spät komme. Für die amerikanischen Aktien bedeute die Straffung der Geldpolitik in Kombination mit dem starken Dollar nicht gerade eine Stützung ihrer Bewertungen.

In Europa stünden die Zeichen weiter auf Wachstum, während das Leiden in weiten Teilen der übrigen Welt weitergehe. Die Schwellenländer würden in einem wirtschaftlichen und politischen Engpass stecken, der zwar schwierig, aber vielleicht auch heilsam sei. Die Vereinigten Staaten müssten nun eine weniger euphorische zweite Hälfte des Konjunkturzyklus bewältigen.

Die aktuellen Wirtschaftsindikatoren für November (Kfz-Anmeldungen, Kreditvergabe, PMI / ISM-Einkaufsmanager-Index) würden von der konjunkturellen Wiederbelebung in der Eurozone zeugen. Doch aufgrund der geografischen Verteilung ihrer Aktivitäten würden davon nicht alle europäischen Unternehmen profitieren. Da sich einige Schwellenländer (Brasilien, Argentinien, Venezuela) in einem politischen und institutionellen Umbruch befinden würden, sei ihre wirtschaftliche Lage derzeit alarmierend.

Indes hätten die Aktienkurse der Schwellenländer (insbesondere in China, Russland und Brasilien) bereits kräftig korrigiert. Da sich die Beruhigung des Ölpreisverfalls auf die Förderländer (Russland) auswirke und in China der Konsum wieder anziehe, könnten diese Wirtschaftszonen für langfristige Anleger wieder interessant werden.

Die amerikanischen Aktien hätten bereits sechs Jahre ununterbrochen positive Performance hinter sich. Die Verschuldung der amerikanischen Unternehmen sei gestiegen und stelle nun eine Gefahr für risikobehaftete Anlagen dar, falls die FED die Zinskurve schlecht manage. Die weltweite Preiskonkurrenz durch die allgemeine Abwertung der großen Währungen behindere die Gewinnentwicklung der amerikanischen Unternehmen.

Künftige Risiken vorherzusagen sei eine Fähigkeit, die Anleger davor zu warnen eine Pflicht. Sich aber gegen Risiken zu schützen erweise sich insbesondere dank der heute verfügbaren Instrumente als viel komplexer.

Fallende Leitzinsen und Zinsspannen könnten im Gegensatz zu früher nicht mehr als treibende Kraft der Performance fungieren. Erst wenn die Zinsen und/oder die Spreads wirklich wieder steigen würden, sollte man wieder in großem Umfang Anleihen kaufen. In der jetzigen Situation müsse man beim Anleihekauf sehr selektiv vorgehen. Die Experten würden vorzugsweise Kurzläufer, südeuropäische Staatsanleihen, inflationsindexierte Anleihen und Wandelanleihen sowie aus dem allgemeinen Segment Anleihen mit gutem Rendite/Risiko-Verhältnis kaufen.

Bei den Wechselkursen sei keine klare Tendenz abzusehen und es könnten zahlreiche unvorhersehbare widrige Ereignisse eintreten (wie zum Beispiel die überraschende Abwertung des Renminbi oder die kürzlich aufgetretene Dollarschwäche). Daher könnte es sein, dass die Stärkung des Dollar gegenüber dem Euro zum Teil bereits stattgefunden habe. Der wachsende Handelsüberschuss Europas und sein Wirtschaftswachstum würden zwar dafür sprechen, dass die Gemeinschaftswährung mittelfristig zulege. Aber die politischen Risiken in Europa würden bestehen bleiben, vor allem weil zahlreiche Wahlen anstünden.

Was Investments in Aktien betreffe, würden die Experten anhand strenger Bewertungskriterien drei Themen ausmachen, die sich schwerpunktmäßig auf die Eurozone und das restliche Europa beziehen würden: Im Inland aktive Unternehmen, die von dem anziehenden Konsum in Europa profitieren würden; Unternehmen, die sich umstrukturieren würden oder an Fusionen/Übernahmen beteiligt seien; Unternehmen, deren Wachstum nicht von der Weltkonjunktur abhänge. (Ausgabe vom 18.12.2015) (21.12.2015/alc/a/a)