FED: Zinserhöhungskurs stark von Inflationstrend abhängig


07.01.16 09:12
HSBC Trinkaus & Burkhardt

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Das Protokoll der FOMC-Sitzung vom Dezember legte offen, dass die Währungshüter die Risiken für die globale Konjunktur im Vergleich zum September als reduziert ansahen, aber durchaus noch als "wesentlich" einstuften, so die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt AG.

Letztlich dürfte die leicht bessere Sichtweise aber den Weg zur Erhöhung der FED-Funds-Rate geebnet haben. Besonders die jüngste Entwicklung in China (Stichwort: PMI) sollte nicht zu einer weiteren Glättung der Sorgenfalten bei der FED beigetragen haben. Das Vorgehen der Notenbank in den kommenden Monaten unterliege keinem Automatismus. Vielmehr scheine Voraussetzung für eine weitere Zinserhöhung eine Verbesserung der Inflationsperspektiven zu sein. Einige Mitglieder des FOMC hätten sogar angeführt, dass die Entscheidung, die Leitzinsen zu erhöhen, aufgrund des Inflationsumfeldes knapp gewesen sei. Die Analysten würden in diesem Jahr lediglich mit zwei Zinserhöhungen um 25 BP rechnen, wobei die Notenbank erst im zweiten Quartal wieder aktiv werden dürfte.

Nachdem zum Anfang der Woche bereits der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe enttäuscht habe, habe das Pendant für den Dienstleistungssektor gestern ebenfalls von 55,9 auf 55,3 Punkte nachgegeben (Konsens: 56,0). Damit sei die Stimmung in diesem Sektor weiter "gut", dennoch dürfte in den kommenden Monaten genau darauf geachtet werden, ob die Schwäche der Industrie auf den Rest der Konjunktur übergreife. Der Arbeitsmarkt scheine bisher immun, zumindest wenn man dem Beschäftigungsbericht des Dienstleisters ADP glaube, wonach im Dezember 257.000 neue Stellen geschaffen worden seien (Konsens: 198.000).

Der Aufschwung in der Eurozone halte auch zum Jahreswechsel an. So habe der gemeinschaftliche Einkaufsmanagerindex für die Industrie und den Dienstleistungssektor (Composite PMI) im Dezember leicht von 54,2 auf 54,3 Punkte zugelegt. Ein gleichhohes Niveau sei zuletzt nur im August 2015 erzielt worden. Gemessen an dieser Umfrage hinke besonders die französische Wirtschaft hinterher (50,1), während die Stimmungswerte in Spanien (55,2), Italien (56,0) und Deutschland (55,5) auf hohem Niveau lägen.

Trotz robuster Konjunkturdaten aus der Eurozone sei dem Euro gestern zunächst keine nachhaltige Erholung gelungen, ein Fall unter 1,07 USD sei allerdings abgewendet worden. Nach der Veröffentlichung des FOMC-Sitzungsprotokolls habe allerdings eine Erholung eingesetzt, die den USD auf über 1,08 USD gehievt habe. Dadurch sei zumindest kurzfristig die Gefahr eines schnellen Rückschlags in Richtung der letztjährigen Tiefstände bei rund 1,05 USD gebannt. Derweil befinde sich der Ölpreis weiter im Sinkflug und nähere sich in der Sorte Brent Schritt für Schritt der Marke von 30 USD je Barel an. Damit würden von dieser Seite weiter disinflationäre Effekte ausgehen. (07.01.2016/alc/a/a)