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FED-Sitzungsprotokoll und Details zum geplanten Tapering
18.10.21 10:45
Raiffeisen Bank International AG
Wien (www.anleihencheck.de) - Die Verbraucherpreisinflation in den USA entsprach im September im Großen und Ganzen den Erwartungen, was bedeutet, dass die Inflationsraten im Jahresvergleich auf einem hohen Niveau verharrten, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).
Die Gesamtrate sei bei 5,4% p.a. berichtet worden (vs. 5,3% im Vormonat) und die Kernrate sei konstant bei 4% p.a. geblieben. Die zugrunde liegende Dynamik sei in der Gesamtrate stärker ausgeprägt gewesen (0,4% p.m.) als in der Kernrate (0,2% p.m.), was nicht nur auf steigende Energiepreise, sondern auch auf steigende Lebensmittelpreise zurückzuführen sei. Beide Kategorien hätten bereits in den letzten Monaten eine erhöhte Preisdynamik gezeigt, welche sich insbesondere für Energiepreise wohl noch weiter fortsetzen werde.
Die Entwicklung der Kernrate deute zuletzt eine gewisse Normalisierung an, wobei hier die kurzfristigen Verwerfungen der Delta-Variante nur schwierig abzuschätzen seien und darüber hinaus auch die weitere Entwicklung der Wohnkosten genau verfolgt werden müsse. Nichtdestotrotz habe der durchschnittliche monatliche Preisanstieg der Kernrate im dritten Quartal mit rund 0,2% p.m. deutlich unter jenem im zweiten Quartal von rund 0,8% p.m. gelegen. Selbst bei einer anhaltenden Normalisierung der Inflationsdynamik werde die Inflationsrate 2021 über 4% liegen.
Die abgelaufene Woche habe neben den Inflationsdaten mit der Veröffentlichung des Sitzungsprotokolls der Federal Reserve ein weiteres Highlight gebracht. Darin zu finden seien Details zum geplanten Tapering, dessen Beschluss auf der nächsten Zinssitzung Anfang November auf einem breiten Konsens innerhalb des Offenmarktausschusses (FOMC) stoße. Dies treffe ebenso auf einen exemplarischen Tapering-Verlauf zu, welcher auf der September-Zinssitzung vorgestellt worden sei. Dieser würde vorsehen, die Anleihekäufe ab Mitte November oder Mitte Dezember pro Monat und nicht pro Zinssitzung um USD 15 Mrd. zu reduzieren, womit das Tapering Mitte nächsten Jahres abgeschlossen wäre. Damit würde die FED eine raschere Reduktion der Netto-Anleihekäufe durchführen, als etwa 2013/14 als das Ausgleiten der Anleihekäufe zehn Monate gedauert habe.
Neben den Details zum Tapering sei hervorzuheben, dass sich die Einschätzung eines (noch) uneinigen FOMC zu einem möglichen Leitzinsanhebungszyklus erhärtet habe. Während "mehrere" Teilnehmer betont hätten, dass die wirtschaftlichen Bedingungen wohl auch auf Sicht der nächsten Jahre Leitzinsen auf oder nahe der Zinsuntergrenze rechtfertigen würden, seien "einige" FOMC-Mitglieder der Meinung gewesen, dass eine erste Leitzinserhöhung wohl bereits Ende 2022 möglich sei. Einig sei man sich hingegen darin gewesen, dass ein Tapering-Beschluss kein direktes Signal zu möglichen Änderungen der Leitzinsen enthalte.
Am Finanzmarkt teile man derzeit die Meinung der zweiten Gruppe, preise man doch die Wahrscheinlichkeit Leitzinsen über dem aktuellen Niveau zu Jahresende 2022 bei über 80%. Zusammenfassend könne gesagt werden, dass für die nächste Zinssitzung Anfang November bereits viele Details kommuniziert worden seien, der erwartete Leitzinspfad aber noch mit erhöhter Unsicherheit behaftet sei.
An den Rentenmärkten sei nach den Anstiegen der letzten Wochen erstmals eine gewisse Konsolidierung zu beobachten gewesen. Sowohl Bund- als auch Treasury-Renditen seien rückläufig gewesen. Nach der Veröffentlichung der Inflationsdaten für die USA seien inflationsgeschützte Anleihen erneut gefragt gewesen, die reale Rendite sei auf -1% gesunken (TIPS, 10-jährige Laufzeit). Der letztwöchige Renditeabwärtsdruck sei vermehrt auf längere Laufzeiten beschränkt gewesen, sodass sich Renditekurven verflacht hätten. Der Spread zwischen 2- und 10-jährigen Anleiherenditen sei um 5 bzw. 13 BP für die Bund- bzw. Treasury-Kurve gesunken.
In den USA seien es vor allem Spekulationen über frühere Leitzinserhöhungen aufgrund eines möglicherweise nachhaltigeren Inflationsdrucks, welche Renditen kürzerer Laufzeiten beflügeln würden. Während gepreiste Inflationserwartungen in der Eurozone bereits seit längerem ansteigen würden, hätten auch in den USA Inflationserwartungen im Oktober nach einer längeren Seitwärtsphase zulegen können. Man befinde sich nun nahe den Höchstständen vom Mai als die Inflationserwartung auf Sicht der nächsten zehn Jahre 2,55% betragen habe, was wohl am oberen Rand der Bandbreite, welche die Federal Reserve als mit dem Inflationsziel im Einklang stehend betrachte, zu verorten sei.
In der Eurozone lägen langfristige Inflationserwartungen trotz der deutlichen Anstiege weiterhin unter dem 2%-Inflationsziel der EZB (10-Jahre Breakeven Inflation liege bei knapp über 1,7%, am Swapmarkt werde der 5JF5J bei 1,85% gepreist). Da zumindest bis Jahresende keine Entspannung bei der Inflationsentwicklung zu erwarten sei, würden die Analysten der RBI kurzfristig nicht von einer Neupreisung des Inflationsausblicks im Sinne eines ausgeprägten Renditeabwärtsdrucks ausgehen. (Ausgabe vom 15.10.2021) (18.10.2021/alc/a/a)
Die Gesamtrate sei bei 5,4% p.a. berichtet worden (vs. 5,3% im Vormonat) und die Kernrate sei konstant bei 4% p.a. geblieben. Die zugrunde liegende Dynamik sei in der Gesamtrate stärker ausgeprägt gewesen (0,4% p.m.) als in der Kernrate (0,2% p.m.), was nicht nur auf steigende Energiepreise, sondern auch auf steigende Lebensmittelpreise zurückzuführen sei. Beide Kategorien hätten bereits in den letzten Monaten eine erhöhte Preisdynamik gezeigt, welche sich insbesondere für Energiepreise wohl noch weiter fortsetzen werde.
Die Entwicklung der Kernrate deute zuletzt eine gewisse Normalisierung an, wobei hier die kurzfristigen Verwerfungen der Delta-Variante nur schwierig abzuschätzen seien und darüber hinaus auch die weitere Entwicklung der Wohnkosten genau verfolgt werden müsse. Nichtdestotrotz habe der durchschnittliche monatliche Preisanstieg der Kernrate im dritten Quartal mit rund 0,2% p.m. deutlich unter jenem im zweiten Quartal von rund 0,8% p.m. gelegen. Selbst bei einer anhaltenden Normalisierung der Inflationsdynamik werde die Inflationsrate 2021 über 4% liegen.
Die abgelaufene Woche habe neben den Inflationsdaten mit der Veröffentlichung des Sitzungsprotokolls der Federal Reserve ein weiteres Highlight gebracht. Darin zu finden seien Details zum geplanten Tapering, dessen Beschluss auf der nächsten Zinssitzung Anfang November auf einem breiten Konsens innerhalb des Offenmarktausschusses (FOMC) stoße. Dies treffe ebenso auf einen exemplarischen Tapering-Verlauf zu, welcher auf der September-Zinssitzung vorgestellt worden sei. Dieser würde vorsehen, die Anleihekäufe ab Mitte November oder Mitte Dezember pro Monat und nicht pro Zinssitzung um USD 15 Mrd. zu reduzieren, womit das Tapering Mitte nächsten Jahres abgeschlossen wäre. Damit würde die FED eine raschere Reduktion der Netto-Anleihekäufe durchführen, als etwa 2013/14 als das Ausgleiten der Anleihekäufe zehn Monate gedauert habe.
Am Finanzmarkt teile man derzeit die Meinung der zweiten Gruppe, preise man doch die Wahrscheinlichkeit Leitzinsen über dem aktuellen Niveau zu Jahresende 2022 bei über 80%. Zusammenfassend könne gesagt werden, dass für die nächste Zinssitzung Anfang November bereits viele Details kommuniziert worden seien, der erwartete Leitzinspfad aber noch mit erhöhter Unsicherheit behaftet sei.
An den Rentenmärkten sei nach den Anstiegen der letzten Wochen erstmals eine gewisse Konsolidierung zu beobachten gewesen. Sowohl Bund- als auch Treasury-Renditen seien rückläufig gewesen. Nach der Veröffentlichung der Inflationsdaten für die USA seien inflationsgeschützte Anleihen erneut gefragt gewesen, die reale Rendite sei auf -1% gesunken (TIPS, 10-jährige Laufzeit). Der letztwöchige Renditeabwärtsdruck sei vermehrt auf längere Laufzeiten beschränkt gewesen, sodass sich Renditekurven verflacht hätten. Der Spread zwischen 2- und 10-jährigen Anleiherenditen sei um 5 bzw. 13 BP für die Bund- bzw. Treasury-Kurve gesunken.
In den USA seien es vor allem Spekulationen über frühere Leitzinserhöhungen aufgrund eines möglicherweise nachhaltigeren Inflationsdrucks, welche Renditen kürzerer Laufzeiten beflügeln würden. Während gepreiste Inflationserwartungen in der Eurozone bereits seit längerem ansteigen würden, hätten auch in den USA Inflationserwartungen im Oktober nach einer längeren Seitwärtsphase zulegen können. Man befinde sich nun nahe den Höchstständen vom Mai als die Inflationserwartung auf Sicht der nächsten zehn Jahre 2,55% betragen habe, was wohl am oberen Rand der Bandbreite, welche die Federal Reserve als mit dem Inflationsziel im Einklang stehend betrachte, zu verorten sei.
In der Eurozone lägen langfristige Inflationserwartungen trotz der deutlichen Anstiege weiterhin unter dem 2%-Inflationsziel der EZB (10-Jahre Breakeven Inflation liege bei knapp über 1,7%, am Swapmarkt werde der 5JF5J bei 1,85% gepreist). Da zumindest bis Jahresende keine Entspannung bei der Inflationsentwicklung zu erwarten sei, würden die Analysten der RBI kurzfristig nicht von einer Neupreisung des Inflationsausblicks im Sinne eines ausgeprägten Renditeabwärtsdrucks ausgehen. (Ausgabe vom 15.10.2021) (18.10.2021/alc/a/a)


