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FED-Protokoll zur Dezember-Zinssitzung stand im Fokus
08.01.24 08:54
Raiffeisen Bank International AG
Wien (www.anleihencheck.de) - Zu Beginn des neuen Jahres wurden in der Eurozone die finalen Ergebnisse der Einkaufsmanagerindices (PMI) für den Monat Dezember bekannt gegeben, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).
Frankreich habe auf Länderebene unter den vier größten Volkswirtschaften - sowohl im Industrie- als auch im Dienstleistungsbereich - Deutschland als Schlusslicht abgelöst, Spanien sei klar vor Italien auf Platz eins gereiht. Die Umfragewerte im Industriebereich seien Ende 2023 nach wie vor schwach gewesen. Sowohl Produktion, Auftragseingang als auch Arbeitsrückstand seien weiterhin als merklich rückläufig eingestuft worden. Auf Basis dieser Erhebungen dürften die anstehenden Industrieproduktionszahlen für Frankreich, Italien und Spanien Produktionsrückgänge im Vergleich zum Vormonat ausweisen.
Passend zur rezessiven Lage in der Industrie der Eurozone, seien laut PMI auch Beschäftigungsabsichten und Preisentwicklung (für Input und Output) rückläufig. Im Dienstleistungsbereich habe das Jahr 2023 ebenfalls ernüchternd geendet. Obwohl der Umfragewert in der Eurozone nicht weit unter der kritischen 50-Punkte-Marke liege, würden Geschäftsaktivität und Neugeschäft seit Monaten abnehmen. Daher überrasche die Analysten die fortbestehende Stabilität in der Beschäftigungsentwicklung etwas. Im Hinblick auf die Lohnentwicklung sei es weniger verwunderlich, dass die Preise für Inputkosten und Leistungserstellung weiterhin als steigend eingeschätzt würden.
Das erste Datenhighlight für den Euroraum in diesem Jahr sei die Schnellschätzung für die Inflation gewesen. Wie erwartet sei sie im Dezember 2023 infolge eines Energiebasiseffekts in Deutschland sprunghaft angestiegen (im Vorjahr seien Ausgleichszahlungen auf Energierechnungen der Haushalte erfolgt). Das vorläufige HVPI-Ergebnis habe bei 2,9% p.a. und damit unter der Erwartung der Analysten von 3,1% p.a. gelegen. Die Energiepreise seien um -1,5% p.m. gesunken, aber im Jahresvergleich sei die Energieinflation von -11,5% im November 2023 auf -6,7% im Dezember gestiegen, was auf den erwähnten Basiseffekt zurückzuführen sei. Die Preise für Nahrungsmittel seien im Monatsvergleich unverändert geblieben, im Jahresvergleich habe sich der Preisauftrieb von 6,9% im November auf 6,1% im Dezember verlangsamt.
Die Dynamik der Lebensmittelinflation scheine sich in den letzten sechs Monaten normalisiert zu haben, und da Basiseffekte auslaufen würden, dürfte die Lebensmittelinflation im weiteren Verlauf unter 3% p.a. fallen. Die Schnellschätzung der Kerninflation für Dezember habe bei 3,4% p.a. gelegen, gegenüber 3,6% p.a. im November. Allerdings seien die Signale gemischt. Einerseits verlangsame sich die Güterinflation weiter und habe im Dezember bei 2,5% p.a. gelegen, gegenüber 2,9% p.a. im November. Andererseits sei die Dienstleistungsinflation mit 4,0% gegenüber dem Vorjahr stabil geblieben. Zu beachten sei, dass die saisonbereinigte Dienstleistungsinflation in den letzten drei Monaten eine leichte Beschleunigung erfahren habe. Dies stehe im Einklang mit der Prognose der Analysten für 2024, wonach ein höheres Lohnwachstum die Kerninflation (vor allem im Dienstleistungssektor) weiter anheizen und die Gesamtinflation über mehrere Quartale hinweg auf einem hohen Niveau halten werde.
In den kommenden Tagen werde in der Eurozone mit dem Sentix der erste Stimmungsindikator für den Monat Januar veröffentlicht - die Analysten würden auf eine leichte Verbesserung setzen. Die artverwandte ZEW-Umfrage habe sich zuletzt deutlich freundlicher präsentiert. Zudem habe die positive Aktienmarktentwicklung gegen Ende 2023 bislang weniger stark durchgeschlagen als üblich. Mit dem VPI für Dezember stehe der wichtigste Datenpunkt aber in den USA auf der Agenda. Grundsätzlich habe die Inflation zuletzt mit einer positiven Entwicklung aufwarten können.
So hätten sowohl Kern- als auch Gesamtinflation kontinuierlich abgenommen und seien teilweise sogar unter den Erwartungen zu liegen gekommen. Nichtsdestotrotz hätten sowohl die Kernrate mit 4% p.a. als auch die Gesamtinflation mit 3,1% p.a. weiterhin klar über der von der Federal Reserve angepeilten Marke von 2% gelegen. Für den Dezember veranschlage der Konsens aktuell monatliche Preissteigerungsraten von 0,3% (Kerninflation) und 0,2% (Gesamtinflation). Dies würde jährliche Wachstumsraten von 3,9% bzw. 3,2% implizieren und somit das Gesamtbild einer sich abkühlenden Inflation im Großen und Ganzen aufrechterhalten.
Im Jahr 2024 würden indessen weiterhin insbesondere die Lohnentwicklung im Bereich der Kerndienstleistungen exklusive Wohnen und auch die Wohnkosten selbst unter besonderem Augenmerk stehen. Aktuell werde allerdings angenommen, dass der Inflationsdruck auch im Jahr 2024 weiter abnehmen sollte.
Notenbankseitig habe vergangene Woche die Veröffentlichung des FED-Protokolls zur Dezember-Zinssitzung im Fokus gestanden. Im Rahmen des letzten Meetings im Jahr 2023 hätten die Mitglieder des Offenmarktausschusses einstimmig dafür gestimmt, die Leitzinsen auf dem bereits im Juli erreichten Niveau von 5,25 bis 5,50% zu belassen. Neben den sich wieder etwas lockernden Finanzierungsbedingungen (abnehmende Treasury-Renditen nach starken Anstiegen im Herbst) habe das Augenmerk auf makroökonomischen Entwicklungen gelegen. Dabei sei von den Mitgliedern anerkannt worden, dass die Inflation einerseits noch klar über dem Ziel von 2% liege, der Inflationsdruck aber andererseits im Gesamten bereits klar abgenommen habe.
Hinsichtlich des Arbeitsmarktes sei man der Auffassung gewesen, dass dieser inzwischen etwas mehr in Balance gekommen zu sein scheine. Weiterhin sei man sich einig gewesen, dass die Konjunktur insbesondere im Vergleich zum sehr starken dritten Quartal aktuell etwas abflaue. Bezugnehmend auf das Jahr 2024 werde von den Teilnehmern des Ausschusses erwartet, dass dieses Muster (Disinflation, balancierter Arbeitsmarkt, abkühlende - aber nicht einbrechende - Wirtschaftsleistung) weiterhin Bestand haben sollte. Allerdings sei klar auf die Unsicherheit dieses Ausblicks verwiesen worden.
Vor diesem Hintergrund habe man zum Zeitpunkt des Meetings das aktuelle Zinsniveau als Höhepunkt der geldpolitischen Straffung (oder zumindest sehr nahe zum endgültigen Höhepunkt) gesehen, und die meisten Teilnehmer hätten es für angebracht gehalten, im Jahr 2024 erste Zinssenkungen vorzunehmen. Zur konkreten Umsetzung habe innerhalb des Gremiums aber starke Unsicherheit geherrscht, und so habe das Protokoll keine tieferen Einblicke bezüglich des Timings erster Zinssenkungen erlaubt. Einige Teilnehmer hätten es für angemessen gehalten, mit der Diskussion zu beginnen, ab wann bzw. unter welchen Umständen man sich vorstellen könnte, den Bilanzabbau - welcher bereits seit geraumer Zeit auf Autopilot laufe - zu verlangsamen (da auch dieser ein Instrument der geldpolitischen Straffung darstelle). Insgesamt wollten die Offiziellen der FED weiterhin sehr behutsam vorgehen und bei ihren Entscheidungen datenabhängig agieren.
Am Zinsmarkt habe indessen die spektakuläre Abwärtsrally von Renditen deutscher und US-Staatsanleihen - zumindest vorerst - ein Ende gefunden. Zur Erinnerung: Von Ende Oktober bis Ende Dezember habe sich die Marktverzinsung von Bunds und Treasuries um die 100 Basispunkten verringert - bei kurzen Laufzeiten (2 Jahre) bzw. Bunds sei der Rückgang dabei etwas geringer ausgefallen als bei langen Laufzeiten (10 Jahre) bzw. Treasuries. Die Gegenbewegung in den letzten Tagen habe die Renditen wieder rund 10 bis 20 Basispunkte höher gehievt (etwas steilere Kurven). Dieser Move habe aus Sicht der Analysten noch Potenzial.
Zwar scheine es klar, dass angesichts des Ausblicks zur Wirtschaftsentwicklung und Geldpolitik die Staatsanleiherenditen auf beiden Seiten des Atlantiks für lange Zeit einem Abwärtsdrift unterliegen sollten. Doch seien die Anleiherenditen wohl "zu viel in zu kurzer Zeit" gesunken - überschießende Bewegungen seien auf Finanzmärkten ja keine Seltenheit. Die Analysten würden in den kommenden Wochen eine Korrektur für wahrscheinlich halten (was auch in ihren Prognosen zum Ausdruck komme). Immerhin sei die gepreiste Leitzinsentwicklung mit zeitnahen und umfangreichen Senkungen bis Ende 2024 nicht nur nach Meinung der Analysten zu aggressiv, sondern widerspreche auch den kommunizierten Absichten der Notenbanken. (Ausgabe vom 05.01.2024) (08.01.2024/alc/a/a)
Frankreich habe auf Länderebene unter den vier größten Volkswirtschaften - sowohl im Industrie- als auch im Dienstleistungsbereich - Deutschland als Schlusslicht abgelöst, Spanien sei klar vor Italien auf Platz eins gereiht. Die Umfragewerte im Industriebereich seien Ende 2023 nach wie vor schwach gewesen. Sowohl Produktion, Auftragseingang als auch Arbeitsrückstand seien weiterhin als merklich rückläufig eingestuft worden. Auf Basis dieser Erhebungen dürften die anstehenden Industrieproduktionszahlen für Frankreich, Italien und Spanien Produktionsrückgänge im Vergleich zum Vormonat ausweisen.
Passend zur rezessiven Lage in der Industrie der Eurozone, seien laut PMI auch Beschäftigungsabsichten und Preisentwicklung (für Input und Output) rückläufig. Im Dienstleistungsbereich habe das Jahr 2023 ebenfalls ernüchternd geendet. Obwohl der Umfragewert in der Eurozone nicht weit unter der kritischen 50-Punkte-Marke liege, würden Geschäftsaktivität und Neugeschäft seit Monaten abnehmen. Daher überrasche die Analysten die fortbestehende Stabilität in der Beschäftigungsentwicklung etwas. Im Hinblick auf die Lohnentwicklung sei es weniger verwunderlich, dass die Preise für Inputkosten und Leistungserstellung weiterhin als steigend eingeschätzt würden.
Das erste Datenhighlight für den Euroraum in diesem Jahr sei die Schnellschätzung für die Inflation gewesen. Wie erwartet sei sie im Dezember 2023 infolge eines Energiebasiseffekts in Deutschland sprunghaft angestiegen (im Vorjahr seien Ausgleichszahlungen auf Energierechnungen der Haushalte erfolgt). Das vorläufige HVPI-Ergebnis habe bei 2,9% p.a. und damit unter der Erwartung der Analysten von 3,1% p.a. gelegen. Die Energiepreise seien um -1,5% p.m. gesunken, aber im Jahresvergleich sei die Energieinflation von -11,5% im November 2023 auf -6,7% im Dezember gestiegen, was auf den erwähnten Basiseffekt zurückzuführen sei. Die Preise für Nahrungsmittel seien im Monatsvergleich unverändert geblieben, im Jahresvergleich habe sich der Preisauftrieb von 6,9% im November auf 6,1% im Dezember verlangsamt.
Die Dynamik der Lebensmittelinflation scheine sich in den letzten sechs Monaten normalisiert zu haben, und da Basiseffekte auslaufen würden, dürfte die Lebensmittelinflation im weiteren Verlauf unter 3% p.a. fallen. Die Schnellschätzung der Kerninflation für Dezember habe bei 3,4% p.a. gelegen, gegenüber 3,6% p.a. im November. Allerdings seien die Signale gemischt. Einerseits verlangsame sich die Güterinflation weiter und habe im Dezember bei 2,5% p.a. gelegen, gegenüber 2,9% p.a. im November. Andererseits sei die Dienstleistungsinflation mit 4,0% gegenüber dem Vorjahr stabil geblieben. Zu beachten sei, dass die saisonbereinigte Dienstleistungsinflation in den letzten drei Monaten eine leichte Beschleunigung erfahren habe. Dies stehe im Einklang mit der Prognose der Analysten für 2024, wonach ein höheres Lohnwachstum die Kerninflation (vor allem im Dienstleistungssektor) weiter anheizen und die Gesamtinflation über mehrere Quartale hinweg auf einem hohen Niveau halten werde.
In den kommenden Tagen werde in der Eurozone mit dem Sentix der erste Stimmungsindikator für den Monat Januar veröffentlicht - die Analysten würden auf eine leichte Verbesserung setzen. Die artverwandte ZEW-Umfrage habe sich zuletzt deutlich freundlicher präsentiert. Zudem habe die positive Aktienmarktentwicklung gegen Ende 2023 bislang weniger stark durchgeschlagen als üblich. Mit dem VPI für Dezember stehe der wichtigste Datenpunkt aber in den USA auf der Agenda. Grundsätzlich habe die Inflation zuletzt mit einer positiven Entwicklung aufwarten können.
Im Jahr 2024 würden indessen weiterhin insbesondere die Lohnentwicklung im Bereich der Kerndienstleistungen exklusive Wohnen und auch die Wohnkosten selbst unter besonderem Augenmerk stehen. Aktuell werde allerdings angenommen, dass der Inflationsdruck auch im Jahr 2024 weiter abnehmen sollte.
Notenbankseitig habe vergangene Woche die Veröffentlichung des FED-Protokolls zur Dezember-Zinssitzung im Fokus gestanden. Im Rahmen des letzten Meetings im Jahr 2023 hätten die Mitglieder des Offenmarktausschusses einstimmig dafür gestimmt, die Leitzinsen auf dem bereits im Juli erreichten Niveau von 5,25 bis 5,50% zu belassen. Neben den sich wieder etwas lockernden Finanzierungsbedingungen (abnehmende Treasury-Renditen nach starken Anstiegen im Herbst) habe das Augenmerk auf makroökonomischen Entwicklungen gelegen. Dabei sei von den Mitgliedern anerkannt worden, dass die Inflation einerseits noch klar über dem Ziel von 2% liege, der Inflationsdruck aber andererseits im Gesamten bereits klar abgenommen habe.
Hinsichtlich des Arbeitsmarktes sei man der Auffassung gewesen, dass dieser inzwischen etwas mehr in Balance gekommen zu sein scheine. Weiterhin sei man sich einig gewesen, dass die Konjunktur insbesondere im Vergleich zum sehr starken dritten Quartal aktuell etwas abflaue. Bezugnehmend auf das Jahr 2024 werde von den Teilnehmern des Ausschusses erwartet, dass dieses Muster (Disinflation, balancierter Arbeitsmarkt, abkühlende - aber nicht einbrechende - Wirtschaftsleistung) weiterhin Bestand haben sollte. Allerdings sei klar auf die Unsicherheit dieses Ausblicks verwiesen worden.
Vor diesem Hintergrund habe man zum Zeitpunkt des Meetings das aktuelle Zinsniveau als Höhepunkt der geldpolitischen Straffung (oder zumindest sehr nahe zum endgültigen Höhepunkt) gesehen, und die meisten Teilnehmer hätten es für angebracht gehalten, im Jahr 2024 erste Zinssenkungen vorzunehmen. Zur konkreten Umsetzung habe innerhalb des Gremiums aber starke Unsicherheit geherrscht, und so habe das Protokoll keine tieferen Einblicke bezüglich des Timings erster Zinssenkungen erlaubt. Einige Teilnehmer hätten es für angemessen gehalten, mit der Diskussion zu beginnen, ab wann bzw. unter welchen Umständen man sich vorstellen könnte, den Bilanzabbau - welcher bereits seit geraumer Zeit auf Autopilot laufe - zu verlangsamen (da auch dieser ein Instrument der geldpolitischen Straffung darstelle). Insgesamt wollten die Offiziellen der FED weiterhin sehr behutsam vorgehen und bei ihren Entscheidungen datenabhängig agieren.
Am Zinsmarkt habe indessen die spektakuläre Abwärtsrally von Renditen deutscher und US-Staatsanleihen - zumindest vorerst - ein Ende gefunden. Zur Erinnerung: Von Ende Oktober bis Ende Dezember habe sich die Marktverzinsung von Bunds und Treasuries um die 100 Basispunkten verringert - bei kurzen Laufzeiten (2 Jahre) bzw. Bunds sei der Rückgang dabei etwas geringer ausgefallen als bei langen Laufzeiten (10 Jahre) bzw. Treasuries. Die Gegenbewegung in den letzten Tagen habe die Renditen wieder rund 10 bis 20 Basispunkte höher gehievt (etwas steilere Kurven). Dieser Move habe aus Sicht der Analysten noch Potenzial.
Zwar scheine es klar, dass angesichts des Ausblicks zur Wirtschaftsentwicklung und Geldpolitik die Staatsanleiherenditen auf beiden Seiten des Atlantiks für lange Zeit einem Abwärtsdrift unterliegen sollten. Doch seien die Anleiherenditen wohl "zu viel in zu kurzer Zeit" gesunken - überschießende Bewegungen seien auf Finanzmärkten ja keine Seltenheit. Die Analysten würden in den kommenden Wochen eine Korrektur für wahrscheinlich halten (was auch in ihren Prognosen zum Ausdruck komme). Immerhin sei die gepreiste Leitzinsentwicklung mit zeitnahen und umfangreichen Senkungen bis Ende 2024 nicht nur nach Meinung der Analysten zu aggressiv, sondern widerspreche auch den kommunizierten Absichten der Notenbanken. (Ausgabe vom 05.01.2024) (08.01.2024/alc/a/a)


