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FED: Die Preisstabilität ist die Priorität Nummer Eins
18.03.22 09:02
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Am 16. März hat die US-Notenbank getagt und den Leitzins wie erwartet um 25 BP angehoben und relativ explizit weitere sechs Zinsschritte in diesem Jahr angekündigt, so Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt bei der Hamburg Commercial Bank.
Am Ende des Jahres wäre der Leitzins dann in der Zielbandbreite von 1,75% bis 2,00%. Ende 2023 sähen die FED-Teilnehmer den Leitzins dann bei einem mittleren Wert von 2,8% und langfristig sogar nur bei 2,4%. Auffällig sei gewesen, wie oft der Notenbankchef Jerome Powell betont habe, dass die FED Preisstabilität als das wichtigste Ziel ansehe. Man rücke damit zwar nicht von der Idee des dualen Zieles ab, das sowohl Preisstabilität als auch maximale Beschäftigung vorsehe, aber derzeit sei Preisstabilität offensichtlich die Priorität Nummer Eins. Denn der Arbeitsmarkt sei geradezu in einer "ungesunden" Verfassung, was man mit überhitzt übersetzen könne.
Ab Mai werde die FED - das habe Powell in Aussicht gestellt - mit der Reduktion der Anleiheankäufe beginnen. Im FED-Protokoll, das am 6. April veröffentlicht werde, sei gemäß Powell mehr dazu zu erfahren, aber es laufe offensichtlich darauf hinaus, dass die Anleihen bei Fälligkeit nicht ersetzt würden. Da die Laufzeit des Portfolios der Staatsanleihen auf der Bilanz der FED kürzer sei als 2018, als man die Bilanz begonnen habe abzubauen, sollte die Reduktion des Anleihebestandes dieses Mal schneller gehen. Grundsätzlich bedeute das Gegenwind für die Bondmärkte, sodass die Renditen eher steigen könnten. Im Vorfeld der FED-Sitzung sei genau das geschehen und die zehnjährigen T-Notes hätten zwischenzeitlich bei 2,20% rentiert, aber während der Sitzung seien die Renditen wieder zurückgegangen und lägen derzeit bei 2,12%.
Die FED habe auch neue Einschätzungen zu BIP und Inflation veröffentlicht. Schaue man auf die Mittelwerte, werde das BIP in diesem Jahr um 2,8% expandieren, deutlich niedriger als in der Dezember-Prognose, als dieser Wert noch bei 4,0% gelegen habe. Nächstes Jahr werde ein BIP-Zuwachs von 2,2% erwartet. Die Gesamtinflationsrate PCE solle gemäß der FED-Projektionen Ende dieses Jahres bei 4,3% liegen, die Kernrate bei 4,1% und auch 2024 würden die beiden Inflationsraten noch leicht über dem Inflationsziel von 2% liegen.
Derweil stehe Russland offensichtlich vor einem Zahlungsausfall. Vorgestern hätten Zinszahlungen auf einen Dollar-Bond in Höhe von 117 Mio. US-Dollar gezahlt werden sollen. Die Zahlung sei nach russischen Angaben ausgelöst worden, aber man könne angesichts der Finanzsanktionen nicht garantieren, dass die Zahlungen auch ankämen. Russland habe Fremdwährungsanleihen von rund 40 Mrd. US-Dollar im Umlauf. Grundsätzlich könne ein Zahlungsausfall insbesondere das Kreditrisiko für Emerging Markets erhöhen. Allerdings seien bei Russland besondere Gründe die Ursache für einen möglichen Zahlungsausfall, die die meisten Investoren als landesspezifisch identifizieren würden, sodass vermutlich von dieser Seite keine nachhaltige Ansteckung auf andere Emerging Market-Bonds erfolge. Das schließe nicht aus, dass die Gesamtlage kritisch für viele Emerging Markets sei, wozu insbesondere die Gefahr einer Lebensmittelknappheit durch den Russland-Ukraine-Krieg zähle.
Die deutsche Regierung habe ihren ersten Haushalt verabschiedet und dabei sei insgesamt eine Neuverschuldung von rund 200 Mrd. Euro vorgesehen, 100 Mrd. Euro davon für das sogenannte Sondervermögen Bundeswehr. Finanzminister Christian Lindner habe das Publikum schon darauf vorbereitet, dass man möglicherweise auch im nächsten Jahr die Schuldenbremse nicht werde einhalten können. Er hoffe, dass es im nächsten Jahr nicht wieder zu einer Notlage kommen werde, habe er sinngemäß gesagt. Die Bondmärkte würden also mindestens in diesem Jahr noch relativ hohe Volumina an Anleiheemissionen verdauen müssen. Tendenziell werde das die langfristigen Bund-Renditen steigen lassen.
In Bezug auf die Weltwirtschaft sollten unter anderem zwei Punkte aufmerksam verfolgt werden. Erstens habe China nunmehr für Shanghai coronabedingt einen strengen Lockdown ausgerufen, nachdem in der vergangenen Woche das Gleiche für den global überaus wichtigen Technologiestandort Shenzhen veranlasst worden sei. Das belaste das Wachstum in China und die weltweiten Lieferketten. Zweitens habe der IWF in einem Blogbeitrag angekündigt, im kommenden Monat, wenn der weltwirtschaftliche Ausblick veröffentlicht werde, seine Prognosen herunter zu revidieren. Das werde vor allem mit den höheren Rohstoffpreisen und den anhaltenden Unterbrechungen der Lieferketten begründet. Das Institut für Weltwirtschaft in Kiel rechne derweil für Deutschland nur noch mit einer Wachstumsrate von 2,1% in diesem Jahr, was eine technische Rezession impliziere.
In den kommenden Tagen sei zum einen auf den volatilen Ölpreis zu achten, der sich im Rhythmus der zu- und abnehmenden Hoffnungen rund um den Russland-Ukraine-Krieg bewege und die Finanzmärkte merklich beeinflusse. Zum anderen sollte man datenseitig vor allem auf die Schnellschätzungen der PMI-Indikatoren (Eurozone, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Japan, USA, 24.03.) sowie auf den ifo-Index (25.03.) schauen. (Ausgabe vom 17.03.2022) (18.03.2022/alc/a/a)
Am Ende des Jahres wäre der Leitzins dann in der Zielbandbreite von 1,75% bis 2,00%. Ende 2023 sähen die FED-Teilnehmer den Leitzins dann bei einem mittleren Wert von 2,8% und langfristig sogar nur bei 2,4%. Auffällig sei gewesen, wie oft der Notenbankchef Jerome Powell betont habe, dass die FED Preisstabilität als das wichtigste Ziel ansehe. Man rücke damit zwar nicht von der Idee des dualen Zieles ab, das sowohl Preisstabilität als auch maximale Beschäftigung vorsehe, aber derzeit sei Preisstabilität offensichtlich die Priorität Nummer Eins. Denn der Arbeitsmarkt sei geradezu in einer "ungesunden" Verfassung, was man mit überhitzt übersetzen könne.
Ab Mai werde die FED - das habe Powell in Aussicht gestellt - mit der Reduktion der Anleiheankäufe beginnen. Im FED-Protokoll, das am 6. April veröffentlicht werde, sei gemäß Powell mehr dazu zu erfahren, aber es laufe offensichtlich darauf hinaus, dass die Anleihen bei Fälligkeit nicht ersetzt würden. Da die Laufzeit des Portfolios der Staatsanleihen auf der Bilanz der FED kürzer sei als 2018, als man die Bilanz begonnen habe abzubauen, sollte die Reduktion des Anleihebestandes dieses Mal schneller gehen. Grundsätzlich bedeute das Gegenwind für die Bondmärkte, sodass die Renditen eher steigen könnten. Im Vorfeld der FED-Sitzung sei genau das geschehen und die zehnjährigen T-Notes hätten zwischenzeitlich bei 2,20% rentiert, aber während der Sitzung seien die Renditen wieder zurückgegangen und lägen derzeit bei 2,12%.
Derweil stehe Russland offensichtlich vor einem Zahlungsausfall. Vorgestern hätten Zinszahlungen auf einen Dollar-Bond in Höhe von 117 Mio. US-Dollar gezahlt werden sollen. Die Zahlung sei nach russischen Angaben ausgelöst worden, aber man könne angesichts der Finanzsanktionen nicht garantieren, dass die Zahlungen auch ankämen. Russland habe Fremdwährungsanleihen von rund 40 Mrd. US-Dollar im Umlauf. Grundsätzlich könne ein Zahlungsausfall insbesondere das Kreditrisiko für Emerging Markets erhöhen. Allerdings seien bei Russland besondere Gründe die Ursache für einen möglichen Zahlungsausfall, die die meisten Investoren als landesspezifisch identifizieren würden, sodass vermutlich von dieser Seite keine nachhaltige Ansteckung auf andere Emerging Market-Bonds erfolge. Das schließe nicht aus, dass die Gesamtlage kritisch für viele Emerging Markets sei, wozu insbesondere die Gefahr einer Lebensmittelknappheit durch den Russland-Ukraine-Krieg zähle.
Die deutsche Regierung habe ihren ersten Haushalt verabschiedet und dabei sei insgesamt eine Neuverschuldung von rund 200 Mrd. Euro vorgesehen, 100 Mrd. Euro davon für das sogenannte Sondervermögen Bundeswehr. Finanzminister Christian Lindner habe das Publikum schon darauf vorbereitet, dass man möglicherweise auch im nächsten Jahr die Schuldenbremse nicht werde einhalten können. Er hoffe, dass es im nächsten Jahr nicht wieder zu einer Notlage kommen werde, habe er sinngemäß gesagt. Die Bondmärkte würden also mindestens in diesem Jahr noch relativ hohe Volumina an Anleiheemissionen verdauen müssen. Tendenziell werde das die langfristigen Bund-Renditen steigen lassen.
In Bezug auf die Weltwirtschaft sollten unter anderem zwei Punkte aufmerksam verfolgt werden. Erstens habe China nunmehr für Shanghai coronabedingt einen strengen Lockdown ausgerufen, nachdem in der vergangenen Woche das Gleiche für den global überaus wichtigen Technologiestandort Shenzhen veranlasst worden sei. Das belaste das Wachstum in China und die weltweiten Lieferketten. Zweitens habe der IWF in einem Blogbeitrag angekündigt, im kommenden Monat, wenn der weltwirtschaftliche Ausblick veröffentlicht werde, seine Prognosen herunter zu revidieren. Das werde vor allem mit den höheren Rohstoffpreisen und den anhaltenden Unterbrechungen der Lieferketten begründet. Das Institut für Weltwirtschaft in Kiel rechne derweil für Deutschland nur noch mit einer Wachstumsrate von 2,1% in diesem Jahr, was eine technische Rezession impliziere.
In den kommenden Tagen sei zum einen auf den volatilen Ölpreis zu achten, der sich im Rhythmus der zu- und abnehmenden Hoffnungen rund um den Russland-Ukraine-Krieg bewege und die Finanzmärkte merklich beeinflusse. Zum anderen sollte man datenseitig vor allem auf die Schnellschätzungen der PMI-Indikatoren (Eurozone, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Japan, USA, 24.03.) sowie auf den ifo-Index (25.03.) schauen. (Ausgabe vom 17.03.2022) (18.03.2022/alc/a/a)


