FED: Mit Normalisierung des Arbeitsmarktes rückt Inflation in den Mittelpunkt


16.12.14 10:13
Bank J. Safra Sarasin AG

Basel (www.anleihencheck.de) - Diese Woche tritt die US-Notenbank FED zu der letzten Sitzung dieses Jahres zusammen, so die Analysten der Bank J. Safra Sarasin AG.

In den zurückliegenden Quartalen sei an diesen Sitzungen jeweils der besorgniserregende Zustand des Arbeitsmarktes das dominierende Thema gewesen. Nun habe sich dieser aber in der letzten Zeit markant verbessert. Die US-Wirtschaft habe alleine im November 321.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Dank der starken Dynamik sei eine Rückkehr zur Vollbeschäftigung nur noch eine Frage der Zeit. Die Analysten der Bank J. Safra Sarasin AG rechnen damit, dass im ersten Halbjahr 2015 die offizielle Arbeitslosenquote unter 5,5% fällt. Der Bereich von 5,2% bis 5,5% werde von der FED mit Vollbeschäftigung gleichgesetzt.

Mit der Normalisierung des Arbeitsmarktes werde an den kommenden Sitzungen der zweite Schwerpunkt des "dual mandate" der FED vermehrt in den Mittelpunkt rücken: Die Inflation. Diese werde in der kurzen Frist durch die heftigen Verwerfungen am Ölmarkt bewegt; langfristig aber bestimme das Lohnwachstum die Richtung der Inflation.

Trotzt der starken Erholung am Arbeitsmarkt habe aber der Lohndruck in den USA kaum zugenommen. Die FED dürfte mit dem gegenwärtigen Lohnwachstum von knapp über 2% nicht zufrieden sein. Denn nicht nur die Löhne würden steigen, auch die Arbeitsproduktivität erhöhe sich laufend. In den letzten zehn Jahren habe die Arbeitsproduktivität um 1,5% pro Jahr zugenommen. Damit würde erst ein Lohnwachstum von 3,5% zu einer angestrebten Inflationsrate von 2% führen Das bedeute, dass das heutige Lohnwachstum zu gering sei, um längerfristig das Inflationsziel der FED zu garantieren.

Es sei deshalb kaum verwunderlich, dass die fehlende Lohndynamik zu den größten Sorgen der US-Notenbank gehöre. Wenn die Löhne trotz der Normalisierung am Arbeitsmarkt nicht steigen würden, würden den USA langfristig deflationäre Gefahren drohen. Es sei jedoch falsch, vom schwachen Lohnwachstum der letzten Jahre darauf zu schließen, dass die Löhne überhaupt nicht mehr steigen würden. Die Lohnzurückhaltung spiegele lediglich die massiven Verwerfungen am Arbeitsmarkt nach der Großen Finanzkrisewider. So sei die Arbeitslosenquote erst im Frühherbst 2014 unter die 6%-Marke gefallen - mehr als vier Jahre nachdem sie ihren Zenit von 10% überschritten habe. Blicke man jedoch nach vorne, so sollte die baldige Vollbeschäftigung zu einem verstärkten Lohnwachstum in den nächsten Jahren führen. Die Analysten der Bank J. Safra Sarasin AG erwarten 2015 eine Beschleunigung des Lohnwachstums auf 2,8% und auf 3,6% im Jahr 2016.

Diese Entwicklung werde in der kurzen Frist kaum Auswirkungen auf die Inflation haben. Trotzdem werde Janet Yellen, die Vorsitzende der FED, die Lohnentwicklung mit Argusaugen verfolgen. Während der Ölpreisrückgang nur kurzfristig die Inflationsrate zu senken vermöge, werde eine stärkere Lohndynamik den Preisauftrieb nachhaltig erhöhen. (16.12.2014/alc/a/a)