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FED-Mitglied Richard Clarida setzt auf frühe Zinserhöhung
06.08.21 09:45
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Abwärtsbewegung bei den Staatsanleiherenditen hat sich in den letzten Tagen zeitweise beschleunigt, so Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt bei der Hamburg Commercial Bank.
Die zehnjährigen T-Notes aus den USA seien vorgestern auf ein Jahrestief von 1,13% gefallen, danach aber wieder gestiegen (derzeit: 1,18%). Vizepräsident Richard Clarida von der FED habe sich geäußert und für den Wiederanstieg der Renditen gesorgt, der in ähnlicher Weise auch bei den Bunds zu beobachten gewesen sei. Clarida habe auf das FED-Statement verwiesen, in dem die Bedingungen für Zinserhöhungen definiert würden, und dann gesagt: "Wenn der Ausblick auf Inflation und Arbeitslosigkeit realisiert wird ( ), dann glaube ich, dass die ( ) Bedingungen für eine Anhebung der Leitzinsen Ende 2022 erfüllt sein werden." Die Zinserhöhungen könnten dann Anfang 2023 stattfinden.
Außerdem habe Clarida in seiner Rede angedeutet - und dies sei der wichtigere Aspekt für die langfristigen Renditen - dass man näher an die Bedingungen für den Beginn des Tapering rücke. In diesem Zusammenhang sei auch Kritik zu vernehmen, dass die FED jeden Monat 40 Mrd. US-Dollar an verbrieften Immobilienkrediten kaufe und damit die Kreditaufnahme fördere, während die Preise für Wohnimmobilien im Landesdurchschnitt im Mai mit einer Rekordrate von 17% YoY gestiegen seien.
Die Bundrenditen lägen im zehnjährigen Bereich derweil bei -50 BP. Der über die letzten Wochen zu beobachtende Rückgang der Staatsanleiherenditen habe möglicherweise damit zu tun, dass die Anleiheankäufe der Notenbanken im Sommer, wo der Bondhandel eher dünn sei, besonders stark auf die Märkte durchgeschlagen hätten. Die EZB habe im Juli ihre Netto-Anleiheankäufe sogar auf 87 Mrd. Euro erhöht, in den vorangegangenen drei Monaten seien es jeweils rund 80 Mrd. Euro gewesen.
Die Staatsanleiherenditen könnten auch durch das geplante Infrastrukturprogramm in den USA beeinflusst werden. In den nächsten Tagen werde der US-Senat wahrscheinlich über ein 1 Billion schweres Infrastrukturprogramm abstimmen, auf das sich Republikaner und Demokraten grundsätzlich geeinigt hätten. Dann müsste allerdings noch das Repräsentantenhaus zustimmen und hier gebe es einige Demokraten, die das Paket ablehnen würden, weil sie dadurch die Möglichkeit schwinden sähen ein weiteres 3,5 Billionen US-Dollar Paket durchzusetzen, das für höhere Sozialausgaben vorgesehen sei.
Für den Bondmarkt habe das Infrastrukturprogramm weniger eine direkte, sondern eher eine indirekte Bedeutung. Sollte das Programm durchgesetzt werden, würden die Ausgaben, die zu fast 50% bereits budgetiert worden seien und größtenteils lediglich umgeschichtet würden, über mehrere Jahre verteilt und daher den Bondmarkt nicht sonderlich stark belasten. Gleichzeitig könnten die Investitionen jedoch die Produktivität der US-Wirtschaft erhöhen und zu einem langfristig höheren Wachstum beitragen. In Antizipation dieser Entwicklung könnten auch die Renditen der T-Notes steigen.
Kurzfristig sei in den USA jedoch Covid-19 weiterhin ein wichtiges Thema, das die Wirtschaft belasten könne. Florida melde die höchste Zahl der Belegung von Intensivbetten in Krankenhäusern durch Covid-19-Infektionen. In Louisiana, Arkansas und Missouri sei die Situation ähnlich. Umfassende Lockdowns seien nicht zu erwarten, aber die Entwicklungen würden dennoch die Wirtschaft in diesen Bundesstaaten bremsen.
In den USA seien denn auch die jüngsten Arbeitsmarktzahlen nicht ganz so rosig ausgefallen, laut ADP-Report sei die Beschäftigung im privaten Sektor nur um 330.000 Personen gestiegen. Allerdings, und das passe wiederum nicht in dieses Bild, sei der ISM für den Dienstleistungssektor von einem hohen Niveau aus gestiegen, auf 64,1 Punkte.
Eine erfreuliche Meldung gebe es vom deutschen Arbeitsmarkt. Die Zahl der Kurzarbeiter sei auf den niedrigsten Stand seit dem Ausbruch der Pandemie gesunken, auf 1,1 Millionen Menschen, eine Halbierung gegenüber dem Wert von vor zwei Monaten. Außerdem seien die Auftragseingänge in der deutschen Industrie um 4,1% gegenüber dem Vormonat gestiegen, mehr als erwartet. Die Konjunkturaussichten seien jedoch von größerer Unsicherheit geprägt.
Datenseitig sei in den nächsten Tagen u.a. auf die US-Arbeitsmarktindikatoren zu achten (Daten für Juli, 06.08.). Die schwachen ADP-Daten seien ein Hinweis darauf, dass auch die Daten vom BLS (US-Amt für Arbeitsmarktstatistik) mager ausfallen würden. In der Vergangenheit habe es häufig allerdings auch größere Abweichungen gegeben, sodass der eigentlich erwartete Beschäftigungszuwachs von 870.000 Personen durchaus zutreffen könne. Weiter würden in der kommenden Woche die Inflationsdaten (CPI, Juli, 11.08.) veröffentlicht. Hier erwarte der Bloomberg-Konsens einen leichten Rückgang der Headline Inflation von 5,5% auf 5,3%. Und dann sei noch der ZEW-Index zu erwähnen (10.08.), der bei größeren Ausschlägen durchaus auch Spuren an den Märkten hinterlassen könne. (Ausgabe vom 05.08.2021) (06.08.2021/alc/a/a)
Die zehnjährigen T-Notes aus den USA seien vorgestern auf ein Jahrestief von 1,13% gefallen, danach aber wieder gestiegen (derzeit: 1,18%). Vizepräsident Richard Clarida von der FED habe sich geäußert und für den Wiederanstieg der Renditen gesorgt, der in ähnlicher Weise auch bei den Bunds zu beobachten gewesen sei. Clarida habe auf das FED-Statement verwiesen, in dem die Bedingungen für Zinserhöhungen definiert würden, und dann gesagt: "Wenn der Ausblick auf Inflation und Arbeitslosigkeit realisiert wird ( ), dann glaube ich, dass die ( ) Bedingungen für eine Anhebung der Leitzinsen Ende 2022 erfüllt sein werden." Die Zinserhöhungen könnten dann Anfang 2023 stattfinden.
Außerdem habe Clarida in seiner Rede angedeutet - und dies sei der wichtigere Aspekt für die langfristigen Renditen - dass man näher an die Bedingungen für den Beginn des Tapering rücke. In diesem Zusammenhang sei auch Kritik zu vernehmen, dass die FED jeden Monat 40 Mrd. US-Dollar an verbrieften Immobilienkrediten kaufe und damit die Kreditaufnahme fördere, während die Preise für Wohnimmobilien im Landesdurchschnitt im Mai mit einer Rekordrate von 17% YoY gestiegen seien.
Die Bundrenditen lägen im zehnjährigen Bereich derweil bei -50 BP. Der über die letzten Wochen zu beobachtende Rückgang der Staatsanleiherenditen habe möglicherweise damit zu tun, dass die Anleiheankäufe der Notenbanken im Sommer, wo der Bondhandel eher dünn sei, besonders stark auf die Märkte durchgeschlagen hätten. Die EZB habe im Juli ihre Netto-Anleiheankäufe sogar auf 87 Mrd. Euro erhöht, in den vorangegangenen drei Monaten seien es jeweils rund 80 Mrd. Euro gewesen.
Für den Bondmarkt habe das Infrastrukturprogramm weniger eine direkte, sondern eher eine indirekte Bedeutung. Sollte das Programm durchgesetzt werden, würden die Ausgaben, die zu fast 50% bereits budgetiert worden seien und größtenteils lediglich umgeschichtet würden, über mehrere Jahre verteilt und daher den Bondmarkt nicht sonderlich stark belasten. Gleichzeitig könnten die Investitionen jedoch die Produktivität der US-Wirtschaft erhöhen und zu einem langfristig höheren Wachstum beitragen. In Antizipation dieser Entwicklung könnten auch die Renditen der T-Notes steigen.
Kurzfristig sei in den USA jedoch Covid-19 weiterhin ein wichtiges Thema, das die Wirtschaft belasten könne. Florida melde die höchste Zahl der Belegung von Intensivbetten in Krankenhäusern durch Covid-19-Infektionen. In Louisiana, Arkansas und Missouri sei die Situation ähnlich. Umfassende Lockdowns seien nicht zu erwarten, aber die Entwicklungen würden dennoch die Wirtschaft in diesen Bundesstaaten bremsen.
In den USA seien denn auch die jüngsten Arbeitsmarktzahlen nicht ganz so rosig ausgefallen, laut ADP-Report sei die Beschäftigung im privaten Sektor nur um 330.000 Personen gestiegen. Allerdings, und das passe wiederum nicht in dieses Bild, sei der ISM für den Dienstleistungssektor von einem hohen Niveau aus gestiegen, auf 64,1 Punkte.
Eine erfreuliche Meldung gebe es vom deutschen Arbeitsmarkt. Die Zahl der Kurzarbeiter sei auf den niedrigsten Stand seit dem Ausbruch der Pandemie gesunken, auf 1,1 Millionen Menschen, eine Halbierung gegenüber dem Wert von vor zwei Monaten. Außerdem seien die Auftragseingänge in der deutschen Industrie um 4,1% gegenüber dem Vormonat gestiegen, mehr als erwartet. Die Konjunkturaussichten seien jedoch von größerer Unsicherheit geprägt.
Datenseitig sei in den nächsten Tagen u.a. auf die US-Arbeitsmarktindikatoren zu achten (Daten für Juli, 06.08.). Die schwachen ADP-Daten seien ein Hinweis darauf, dass auch die Daten vom BLS (US-Amt für Arbeitsmarktstatistik) mager ausfallen würden. In der Vergangenheit habe es häufig allerdings auch größere Abweichungen gegeben, sodass der eigentlich erwartete Beschäftigungszuwachs von 870.000 Personen durchaus zutreffen könne. Weiter würden in der kommenden Woche die Inflationsdaten (CPI, Juli, 11.08.) veröffentlicht. Hier erwarte der Bloomberg-Konsens einen leichten Rückgang der Headline Inflation von 5,5% auf 5,3%. Und dann sei noch der ZEW-Index zu erwähnen (10.08.), der bei größeren Ausschlägen durchaus auch Spuren an den Märkten hinterlassen könne. (Ausgabe vom 05.08.2021) (06.08.2021/alc/a/a)


