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FED: Die Macht erwacht (zumindest graduell)


18.12.15 12:01
BMO Global Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Jetzt ist es endlich soweit: Nach einer gefühlten Ewigkeit ist der neue Star Wars-Film in den Kinos. Ach so, und die US-Zentralbank (FED) hat die Zinsen um 0,25 Prozent angehoben, so Steven Bell, Chefvolkswirt bei BMO Global Asset Management (EMEA).

Sicher seien die Notenbankchefin Janet Yellen und der Offenmarktausschuss der FED (FOMC) hocherfreut über die Marktreaktion gewesen - ruhig, maßvoll und mit einer moderaten, aber deutlichen Rally bei Risikopapieren. Während der Schritt selbst niemanden überrascht habe, seien die Details akribisch auf Hinweise über die künftigen Absichten des FOMC durchleuchtet worden. Sowohl in der FOMC-Verlautbarung als auch während der Pressekonferenz von Frau Yellen sei immer wieder von "graduellen" Schritten die Rede gewesen. Die Notenbankchefin habe auch betont, dass die Geldpolitik auch jetzt noch stark expansiv bleibe. Insgesamt habe man aber doch den Eindruck gewonnen, dass die FED deutlich straffungswilliger sei und die US-Geldpolitik für die Märkte im neuen Jahr mehr als eine unliebsame Überraschung bereithalten könnte.

Drei Aspekte der gestrigen Ankündigung würden für diese Interpretation sprechen: Zunächst die klare Linie des Gremiums: Die Zinserhöhung sei einstimmig beschlossen worden. Zum anderen würden die FED-Konjunkturprognosen, die auch eine Zinsprognose enthalten würden, praktisch unverändert bleiben. Der FOMC gehe weiterhin davon aus, dass die Zinsen im Jahr 2016 vier Mal angehoben würden - der Markt berücksichtige nur zwei Zinsschritte. Zum dritten habe sich die FED zuversichtlich zur Konjunkturentwicklung geäußert. So habe sie auf das Gleichgewicht zwischen positiven und negativen Wachstumsrisiken hingewiesen, während sie zuvor tendenziell die Abwärtsrisiken betont habe. Angesichts der Sorgen um China, den Ölpreis und den High-Yield-Markt hätte so mancher mit einer vorsichtigeren Aussage gerechnet.

Offenbar gehe der FOMC davon aus, dass die US-Wirtschaft auch künftig einigermaßen stabil wachse und die Beschäftigungszahlen steigen würden. Zweifelhaft sei für die FED vor allem, ob die Inflation wie erwartet und prognostiziert anziehe. Dazu wäre von Seite der Experten nur hinzuzufügen, dass die Kern-Verbraucherpreise bereits um 2 Prozent zugelegt hätten und die Gesamtinflation wegen der Basiseffekte Anfang nächsten Jahres deutlich steigen dürfte. Lege die Kerninflation weiter zu und mache sich dies im Deflator der Verbraucherausgaben bemerkbar, dem der FOMC besondere Bedeutung beimesse, dann müssten die Märkte ihre bisher gemäßigten Zinserwartungen überdenken.

Was bedeute das für die Märkte? BMO Global Asset Management (EMEA) halte in den meisten Multi-Asset-Portfolios seit einiger Zeit mehr Risiken. Angesichts der Rally haben wir dieses Engagement insgesamt aber zurückgefahren, zumal jetzt, wie häufig um diese Jahreszeit, eine "Weihnachts-Rally" einsetzen könnte, so die Experten von BMO Global Asset Management. 2016 werde es dann schwieriger. Wenn die Experten recht hätten und der FOMC die Zinsen schneller anhebe als der Markt aktuell erwarte, dürfte der Dollar wieder anziehen und es käme zu Verkäufen an den Anleihenmärkten und bei Risikopapieren. Andererseits würden die Zentralbanken in Europa und Japan einen anderen Kurs als die USA verfolgen und die Geldpolitik weiter lockern. Davon sollten Risikopapiere sowohl absolut als auch relativ profitieren. (Ausgabe vom 17.12.2015) (18.12.2015/alc/a/a)