FED: Leitzinsen konstant behalten


22.03.24 16:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die in dieser Woche erschienenen Stimmungsindikatoren für den März konnten mit einigen Überraschungen aufwarten, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

So seien etwa die Indikatoren des deutschen ZEW sowie das Konsumentenvertrauen der Eurozone über den Erwartungen zu liegen gekommen. Die Schnellschätzung zum Einkaufsmanagerindex (PMI) für das Verarbeitende Gewerbe in der Eurozone sei hingegen unerwarteterweise gefallen. Getrieben worden sei diese Entwicklung einerseits durch einen abermaligen Rückgang des deutschen Industrie-PMIs, doch auch sein französisches Pendant habe dieses Mal eine Abnahme ausgewiesen. Die PMI-Dienstleistungskomponente für die Eurozone habe im Gegensatz dazu einen weiteren Anstieg verzeichnen können - die Divergenz zwischen dem Dienstleistungssektor und dem Verarbeitenden Gewerbe habe sich somit weiter intensiviert.

Der Gesamt-PMI für die Eurozone habe vor diesem Hintergrund von 49,2 Punkten auf 49,9 Punkte zulegen können, was ein 9-Monatshoch darstelle. Die Entwicklung der PMIs im März stütze die Annahme der Analysten, dass der Dienstleistungssektor und der private Konsum im Jahr 2024 eine wichtige Stütze für die Wirtschaft sein würden und dass vom Industriebereich nur eine eher verhaltene Dynamik ausgehen werde.

Nächste Woche erscheinen mit den Stimmungsindikatoren der europäischen Kommission (ESI) weitere Vorlaufindikatoren für den Monat März, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI). Auch hier habe das Industrievertrauen zuletzt mit -9,5 Punkten auf einem klar pessimistischeren Niveau als das Dienstleistungsvertrauen mit 6 Punkten gelegen. Die Analysten würden eine Fortsetzung dieses Trends erwarten, und für das Industrievertrauen eine leichte Eintrübung auf -10 Punkte, sowie einen Anstieg des Dienstleistungsvertrauens auf 7,3 Punkte veranschlagen. Hinsichtlich des Wirtschaftsvertrauens würden die Analysten einen Anstieg von 95,4 auf 95,7 Punkte prognostizieren.

Auch in den USA sei diese Woche die Schnellschätzung zu den März-PMIs veröffentlicht worden. Dabei habe die Komponente für das Verarbeitende Gewerbe von 52,2 auf 52,5 Punkte zulegen können, während die Dienstleistungskomponente von 52,3 auf 51,7 Punkte nachgegeben habe - beide Komponenten lägen somit weiterhin klar auf expansivem Gebiet. Hinsichtlich der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung erscheine nächste Woche die finale Schätzung zum Q4-BIP in den USA. Aktuell erwarte der Konsens eine Bestätigung der zweiten Schätzung in Höhe von 3,2% (p.q., annualisiert). Auf dem innenpolitischen Parkett zeichne sich indessen eine Kompromisslösung hinsichtlich des Budgets für das Fiskaljahr 2024 ab.

So hätten die Führer der US-Kongresskammern einen Budgetvorschlag in Höhe von 1,2 Billionen USD veröffentlicht, welcher nun innerhalb des Repräsentantenhauses und des Senats abgesegnet werden müsse - man sei also einer Einigung so nahe wie seit Beginn des Fiskaljahres im September 2023 nicht. Dabei dränge allerdings die Zeit, drohe doch bereits dieses Wochenende ein "Shutdown" der betroffenen Institutionen.

An den Finanzmärkten habe der Fokus diese Woche klar auf der Zinssitzung der US Notenbank Federal Reserve gelegen. Diese habe die Leitzinsen konstant behalten und sich bedeckt gehalten, wann mit einer ersten Zinssenkung zu rechnen sei. Mehr Vertrauen in das Erreichen der Preisstabilität sei nach wie vor erforderlich. Höher als erwartet ausgefallene Inflationswerte im Januar und Februar würden nicht als Wendepunkt bewertet, sondern eher als Teil eines holprigen Weges zum Inflationsziel.

Nächste Woche erscheine mit der PCE-Inflation für Februar der nächste wichtige Gradmesser für die FED - Entspannung sei aber (noch) nicht zu erwarten. Betrachte man die Projektionen der FED, so würden 75 Basispunkte an Zinssenkungen das Basisszenario für 2024 bleiben (unverändert gegenüber Dezember). Es sei unwahrscheinlich, dass die Leitzinsen auf der nächsten Sitzung im Mai gesenkt würden. Was jedoch geschehen werde, sei eine Verlangsamung des Tempos der quantitativen Straffung. Die Bilanz werde zwar weiter schrumpfen, doch eine Verlangsamung des Tempos werde es der FED ermöglichen, besser einzuschätzen, wann "es genug ist". Gegeben der hawkishen Positionierung im Vorfeld sei es für die Märkte eine dovishe Sitzung gewesen.

Die Schweizer Nationalbank habe im Gegensatz zu FED und EZB mit dem Einläuten der Zinssenkungsperiode für eine Überraschung gesorgt. Mit einer Zinssenkung von 25 Basispunkten habe sie den Leitzinssatz auf 1,5% reduziert. Zwar habe es im Vorfeld der Sitzung schon Spekulationen über eine Zinssenkung im März gegeben, doch kurz vor der Sitzung sei der überwiegende Konsens und die Erwartung der Märkte gewesen, dass der Zinssatz stabil gehalten werde. Die Prognosen der Analysten hätten eine Zinssenkung vorgesehen und die Argumente dafür hätten sich mit jenen gedeckt, die auch die SNB für ihren Zinsschritt vorgebracht habe.

Einerseits sei der Disinflationsprozess schon weit fortgeschritten und die Inflation befinde sich seit Monaten innerhalb des Zielbandes der SNB. Mit dieser Sitzung sei die Inflationsprognose der SNB deutlich gesenkt worden. Andererseits sei auch die reale Aufwertung des Frankens ein Thema gewesen, dem mit der Zinssenkung entgegengewirkt werden könne. EUR/CHF habe mit einem Sprung auf über 0,97 reagiert. Die Währungsprognosen der Analysten hätten zwar schon eine Abschwächung des Franken inkludiert, diese sei nun allerdings schneller und stärker als erwartet passiert. Dementsprechend hätten die Analysten das Währungspaar nun unter Revision gestellt. (22.03.2024/alc/a/a)





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