FED-Leitzinsanhebung - Nachschlag für Zinsen


15.12.16 16:20
Neuberger Berman

New York (www.anleihencheck.de) - Seit dem Sommer gab es Zeichen der Zentralbanken, dass sie wieder auf Stimuli setzen, so Thanos Bardas, Head of Global Rates und Portfolio-Manager beim unabhängigen US-Asset-Manager Neuberger Berman.

Die EZB habe von Tapering gesprochen und die Bank of Japan habe im September die aggressive Negativzinspolitik zugunsten eines bescheidenen Bond-Rate-Targeting-Programms aufgegeben. Gleichzeitig scheinen die Regierungen sich in Richtung auf mehr steuerliche Anreize zur Unterstützung der Wirtschaft zu bewegen, so die Experten von Neuberger Berman. Beide Trends würden verdeutlichen, dass die "exotische" Geld-und Kreditpolitik - bis zu einem gewissen Grad wirkungsvoll - auch einige Mängel aufweise.

Glücklicherweise habe die entwickelte Welt Zeichen der Reflation gezeigt. Großbritannien habe dies schon früh erlebt, als nach dem Brexit inflationsgebundene Anleihen binnen einer Woche um 40 Basispunkte in die Höhe geschossen seien, getrieben weitgehend durch Geldentwertung aber auch durch die geldpolitische Lockerung der Zentralbank in Zusammenhang mit einer starken Wirtschaft. In jüngerer Zeit würden die Kräfte der Reflation auch in den USA wirken, wo die Wirtschaftsdaten sich verbessert hätten und Trumps Sieg die Aktienmärkte stütze.

Die aktuelle Erhöhung der Federal Reserve um 25 Basispunkte, die ein Jahr nach der letzten Zins-Erhöhung komme, spiegele sowohl die Abkehr von außergewöhnlichen politischen Maßnahmen als auch den Beginn des Aufschwungs in den USA wider. Und vor dem Hintergrund starker Konjunkturdaten und Märkten auf Rekord-Hoch sei es eine "unbeschwerte Erhöhung", besonders im Vergleich zum düsteren Hintergrund der Erhöhung 2015. Die US-Notenbank freue sich über den wirtschaftlichen Fortschritt, das Potenzial für die Normalisierung der Zinsen und dass sich ihre Erwartungen und der Markt langsam annähern würden.

Und obwohl später als erwartet, komme die Zinserhöhung jetzt ein bisschen früh, schaue man auf den lauen Arbeitsmarkt. Sie sei auch nicht durch Inflations-Tendenzen forciert, die 10-jährige US-Inflationsrate bleibe unter 2,5 Prozent (dies entspreche dem impliziten Inflationsziel der FED von 2,0 Prozent). Insgesamt seien die Bedingungen recht unterstützend, selbst unter Berücksichtigung des jüngsten Aufwärtstrends der Hypothekenzinsen und der Stärke des Dollars.

Was bedeute dies für FED-Führung? In den letzten Jahren sei die US-Notenbank nicht besonders genau in ihren Prognosen zu Inflation und Wachstum gewesen, und man habe bei den kurzfristigen Realzinsen einen stetigen Rückgang gesehen. Die Experten von Neuberger Berman glauben aber, dass die Werte jetzt die Talsohle erreicht haben und wohl wieder steigen werden. Gleichzeitig würden die Markterwartungen näher an die der FED rücken, die im Jahr 2017 mit drei Zinserhöhungen um 25 Basispunkte rechne (zwei im September, so die aktuelle Ansicht im Markt). Die US-Notenbank bleibe auch für 2018 auf Seiten der Falken.

Mit Blick auf zukünftige FOMC-Sitzungen könnten die Dinge im März interessanter werden, wenn die FED weitere Informationen über die Wirtschaftspolitik der neuen Regierung habe. Donald Trump sei mit den Themen "Amerika zuerst", weniger Regulierung und Steuersenkungen gewählt worden. Im Laufe der Zeit könnten die beiden letzten Elemente stimulierend wirken, aber Spannungen beim Handel hätten einen gegenteiligen Effekt und würden die FED entmutigen, weitere Maßnahmen zu ergreifen.

Trotz der schwachen Beschleunigung erwarten die Experten von Neuberger Berman von der FED ein schrittweises Vorgehen in den kommenden Quartalen: Es wurde viel geredet über steuerliche Anreize (die einige Vorstandsmitglieder bei der Zins-Erhöhung berücksichtigt haben), aber noch ist nichts geschehen, und das daraus resultierende Wachstum könnte magerer sein als Investoren erwarten. Darüber hinaus sei das Risiko der FED-Politik sehr asymmetrisch: Ein paar mehr Anleihekäufe seien nicht dramatisch, aber ihr Wohlwollen zu schnell abzuziehen, könne sich sehr negativ auswirken.

Die Board-Mitglieder wissen das und werden wahrscheinlich weiterhin den Daten (und dem Anleihenmarkt) folgen, bis der Beweis erbracht ist, dass die Inflation über ein komfortables Niveau steigt, so die Experten von Neuberger Berman. Sobald dies geschehe, eine einigermaßen stabile ökonomische und politische Situation vorausgesetzt, werde man zum Ende 2017 und Anfang 2018 eine kämpferischere FED erleben können. (15.12.2016/alc/a/a)





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