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FED: Jerome Powell betritt die Bühne


06.03.18 12:00
La Financière de l´Echiquier

Paris (www.anleihencheck.de) - Am 5. Februar übernahm Jerome Powell den FED-Vorsitz und schlüpfte mit einer doppelten Anhörung vor dem Kongress in der vergangenen Woche endgültig in die Rolle des Gouverneurs der US-Notenbank, so Olivier de Berranger, Chief Investment Officer bei La Financière de l'Echiquier.

Ein von den Märkten erwarteter erster großer Auftritt, denn diese möchten gerne die künftige Richtung der FED-Geldpolitik erfahren.

Dieser erste Auftritt des Princeton-Absolventen sei zweigeteilt vor jeder Kammer des Kongresses erfolgt.

Zuerst eine kurze Rede, die mit den Mitgliedern des Offenmarktausschusses abgefasst worden sei, um den Konsens des Gouverneursrates zu verdeutlichen. Es sei um die Stabilität des Arbeitsmarktes und den Willen der FED, die Normalisierung der Geldpolitik fortzusetzen, erst recht seit der Verabschiedung der US-Steuerreform gegangen. Es habe jedoch wenig neue Inhalte gegeben und die Äußerungen hätten inhaltlich denen von Janet Yellen bei ihrer letzten Anhörung vor dem Kongress im Juli geglichen.

Die anschließende Frage-Antwort-Runde habe sich als viel interessanter erwiesen, denn Powell habe hierbei unerwartet restriktive Töne angeschlagen. Er habe insbesondere darauf verwiesen, seine persönlichen Wachstumsprognosen seit der Verabschiedung der Steuerreform, die eine beachtliche Zunahme der Binnennachfrage ausgelöst habe, nach oben korrigiert zu haben. Dieses Vertrauen in die Robustheit der US-Konjunktur sei von den Anlegern als Anzeichen einer Wende zu einer restriktiveren Geldpolitik aufgefasst worden, die vier Leitzinsanhebungen in diesem Jahr glaubwürdig erscheinen lasse. Die Wahrscheinlichkeit dieser Annahme sei von 24,4% auf 35% gestiegen. Die langfristigen Zinsen seien ebenfalls gestiegen und hätten während des Auftritts von Powell einen Stand von 2,92% erreicht.

Die Wahrnehmung werde durch den von Powell erwarteten Anstieg des Lohndrucks noch verstärkt. Bei seinem Auftritt vor dem Senat habe er jedoch darauf hingewiesen, dass die Mitglieder des Offenmarktausschusses keinerlei "Anhaltspunkte" sähen, die das Szenario einer überhitzten US-Konjunktur befürchten ließen. Überdies habe er die jüngste Rückkehr der Volatilität mit der Begründung beiseite gewischt, dass die FED den Aktienmarkt nicht steuere, habe aber zugleich bestätigt, ein wachsames Auge auf die Reaktionen des Anleihemarktes zu haben.

Powell folge somit der Linie, die Janet Yellen bereits zum Ende ihres Mandats vorgegeben habe. Die FED werde ihre Zinssätze zur Vermeidung von Not-Interventionen weiterhin schrittweise, aber regelmäßig anheben müssen. Unsere zentrale Annahme eines Szenarios mit vier Zinsanhebungen in diesem Jahr nimmt damit noch etwas schärfere Konturen an - lediglich eine jähe Reaktion des Anleihemarktes, die das Finanzsystem destabilisieren würde, könnte die US-Notenbank zur Änderung ihres Fahrplans veranlassen, so die Experten von La Financière de l'Echiquier. (06.03.2018/alc/a/a)