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FED: Gestutzte Falkenschwingen


30.11.18 10:15
Deutsche Bank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Auch gestern mögen die Worte von FED-Chef Jerome Powell für einige Akteure noch nachgehallt haben. Zumal die Reaktionen auf Powells Ausführungen recht unterschiedlich ausfielen, so die Deutsche Bank AG in einer aktuellen Ausgabe "MÄRKTE am Morgen".

Im Grunde habe sich aber für viele Kommentatoren alles um eine Kernaussage gedreht. Nämlich, dass sich der Leitzins nicht mehr weit von der Untergrenze der von der Notenbank prognostizierten Bandbreite des neutralen Zinses zwischen 2,5 und 3,5 Prozent befinde. Tatsächlich habe der Notenbankchef damit nichts anderes geäußert als bereits sein Stellvertreter Richard Clarida knapp zwei Wochen zuvor. Und es habe einige Stimmen gegeben, die Powells Aussage nicht dahingehend interpretiert hätten, dass sich der neutrale Zins zwangsläufig am unteren Ende dieser Bandbreite befinden müsse. Andere wiederum hätten darauf hingewiesen, dass der FED-Chef erst im Oktober geäußert hätte, dass es für die Notenbank noch ein langer Weg bis zum neutralen Zins sei. Und genau das Fehlen dieses "long way" dürfte einige Beobachter irritiert haben.

Auch dass Powell in seiner Rede hervorgehoben habe, die FED folge keinem im Voraus festgelegten Pfad, wäre per se betrachtet sogar verständlich. Da aber auch die Kollegen des FED-Präsidenten bis vor kurzem immer wieder von einer Strategie schrittweiser Zinserhöhungen gesprochen hätten und Powell von dieser Strategie ("gradual pace of raising interest rates") in seiner Rede mit einem Mal in der Vergangenheitsform gesprochen habe, dürften viele Akteure daraus geschlossen haben, dass sich an dieser bislang selbst von Zinstauben innerhalb des Offenmarktausschusses gebetsmühlenartig vorgetragenen geldpolitischen Einstellung etwas habe geändert haben müssen.

Mancherorts habe man sogar gerätselt, ob Jerome Powell die gestern publizierten Zahlen zum bevorzugten Inflationsmaß der FED gekannt haben könnte. Denn der Index der persönlichen Konsumausgaben (PCE) sei entgegen der Konsenserwartung der Ökonomen (1,9%) im Oktober nur um 1,8 Prozent gestiegen. Wie dem auch sei: Die FED werde diese neue Entwicklung in ihren Modellen berücksichtigen.

Angesichts dieser Neuigkeiten schien das gestern publizierte Protokoll der Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank vom 7./8. November fast so etwas wie eine Reise zurück in die Vergangenheit zu sein, um - zumindest erwarteten dies manche Kommentatoren tatsächlich allen Ernstes - Rückschlüsse auf eine möglicherweise längst überholte künftige Strategie der FED ziehen zu können, so die Deutsche Bank AG Denn vor drei Wochen habe die Welt nun einmal ganz anders ausgesehen. Dies vermittle etwa die implizite Wahrscheinlichkeit für mindestens vier Zinserhöhungen bis Ende kommenden Jahres, die seinerzeit noch bei rund 33 und gestern nur noch bei rund 9 Prozent (vgl. CME FedWatch Tool) gelegen habe. Kein Wunder, dass der Markt auf die sogenannten Minutes kaum reagiert und den Euro in seinem fast zum Erliegen gekommenen Abwärtstrend zwischen 1,1445 und 1,1165/70 in Ruhe gelassen habe. (30.11.2018/alc/a/a)