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FED-Chef Jerome Powell wagt den großen Schritt


19.09.24 11:30
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die US-Geldpolitiker haben am aktuellen Rand stärker auf die Finanzmärkte gehört - und damit nicht auf die Mehrzahl der Ökonomen, so die Analysten der Nord LB.

Das Leitzinsniveau in den Vereinigten Staaten sei in der Tat um beachtliche 50bp gesenkt worden. Jerome Powell habe also bei der Einleitung der Zinswende in den USA den großen Schritt gewagt. Folglich notiere die FED Funds Target Rate nun in der Spanne von 4,75% bis 5,00%. Die jüngsten Zahlen zur Entwicklung der Konsumentenpreise und der Einzelhandelsumsätze hätten eher nicht in diese Richtung gedeutet. In diesem Kontext sei allerdings zu betonen, dass die Geldpolitik der FED zuletzt ziemlich restriktiv ausgerichtet gewesen sei.

Die aktuellen Sorgen bezüglich einer möglichen spürbaren Abkühlung am US-Arbeitsmarkt dürften letztlich wohl den Ausschlag für die Entscheidung zur Implementierung einer mutigen Zinswende geben haben. Es sollte einige Diskussionen im FOMC gegeben haben. Die Veröffentlichung des Sitzungsprotokolls werde damit nun besonders spannend. Interessant sei an dieser Stelle allerdings schon, dass sich mit Michelle Bowman nur ein stimmberechtigtes FOMC-Mitglied gegen den großen Schritt nach unten ausgesprochen habe.

Die Analysten hätten in ihrem Szenario für den Fall "Senkung um 50bp" mit mehr Gegenwind gerechnet. Die "Dot-Plots" würden weitere Zinssenkungen durch die FED erwarten lassen, wobei wohl vor allem ab 2025 deutlich vorsichtiger agiert werden solle. Anpassungen dürften aber bis ins Jahr 2026 hinein erfolgen.

Der Mut der FED habe allerdings auch teils sogar scharfe Kritik von der Seite mancher Marktbeobachter ausgelöst. Aufgrund des offenen Briefs einiger demokratischer Senatoren, der das FOMC zu einer Zinssenkung um 75bp aufgerufen habe, werde beispielsweise thematisiert, die FED-Offiziellen könnten sich dem Druck der Parlamentarier zu sehr gebeugt haben, was mit Blick auf die Glaubwürdigkeit der US-Notenbank noch zu einem Problem werden könnte. Jedoch habe es eigentlich fast immer eine politische Einflussnahme auf die FED gegeben. Daher erscheine ein anderer Kritikpunkt wichtiger zu sein.

Das FOMC wirke nach der aktuellen Zinsentscheidung ziemlich nervös, was an den Märkten perspektivisch noch Sorgen bezüglich der US-Konjunktur auslösen könnte. Der FED-Chef konnte diesen Bedenken mit seinen Anmerkungen anlässlich der Pressekonferenz allerdings sehr effektiv entgegentreten. Jerome Powell wolle offenkundig als der US-Geldpolitiker in die Geschichtsbücher eingehen, welcher ein sehr kräftiges Anziehen der Inflationsraten erfolgreich bekämpfen konnte, ohne die Wirtschaft der Vereinigten Staaten als unerwünschte Nebenwirkung in eine Rezession abrutschen zu lassen.

Die Analysten würden nun bis zum Dezember in der Summe mit weiteren Senkungen der FED Funds Target Rate um 50bp rechnen. Damit werde 2024 auch in Washington noch zum Jahr der geldpolitischen Tauben! Bis 2026 dürfte das Leitzinsniveau in den USA sogar in Richtung der Marke von 3,00% fallen. Bei einer Inflationsrate im Bereich von 2,00% würde am US-Geldmarkt also auch weiterhin ein recht auskömmliches Realzinsniveau beobachtbar sein.

Die Geldpolitik der FED wäre aus dieser Perspektive betrachtet somit noch immer nicht sonderlich expansiv ausgerichtet. Sollte sich beim makroökonomischen Preisniveau in den USA allerdings eine weniger ruhige Entwicklung zeigen, würde natürlich sofort Druck auf die FED aufkommen, beim Thema "Leitzinssenkungen" deutlich vorsichtiger zu agieren.

Die Zinsentscheidung des FOMC habe mit Blick auf den Umfang der Senkung schon eine gewisse Überraschung für viele Marktbeobachter gebracht. Die US-Geldpolitiker hätten den großen Zinsschritt nach unten in der Tat gewagt. Damit wirke das FOMC nun ziemlich nervös, was an den Märkten perspektivisch noch Sorgen bezüglich der US-Konjunktur auslösen könnte. Der FED-Chef habe diesen Bedenken mit seinen Anmerkungen anlässlich der Pressekonferenz allerdings sehr effektiv entgegentreten können. Jerome Powell wolle offenkundig als der US-Geldpolitiker in die Geschichtsbücher eingehen, welcher ein sehr kräftiges Anziehen der Inflationsraten erfolgreich habe bekämpfen können, ohne die Wirtschaft der Vereinigten Staaten als unerwünschte Nebenwirkung in eine Rezession abrutschen zu lassen. (19.09.2024/alc/a/a)