Erweiterte Funktionen

FED: Auf der Suche nach Zinstauben


19.10.18 11:30
Deutsche Bank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Es mag am Mittwochabend, als das Protokoll zur vergangenen Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank (FOMC) veröffentlicht wurde, durchaus Markteilnehmer gegeben haben, die den Aufzeichnungen vom 26./27. September aus einem gewissen Desinteresse heraus keine Aufmerksamkeit schenken wollten, berichtet die Deutsche Bank AG in einer aktuellen Ausgabe "MÄRKTE am Morgen".

Es sei doch alles gesagt, sei mancherorts zu hören gewesen. Dennoch hätten es diese "Minutes" in sich gehabt. Denn einige FOMC-Mitglieder hätten sich in eben jener Sitzung derart geäußert, dass weitere Zinserhöhungen über den neutralen Zinssatz hinaus - also denjenigen Zinssatz, der die Wirtschaft weder stimuliere noch hemme - denkbar wären. Zumindest zeitweise. Und zwar, um ein eventuelles Überschießen der Inflation über ihr Ziel von 2 Prozent hinaus zu vermeiden. Damit zeige das Protokoll, dass die Teilnehmer des Treffens in ihrer Gesamtheit in einer viel falkenhafteren Stimmung gewesen sein müssten, als dies vor etwas mehr als drei Wochen direkt nach der FOMC-Sitzung von den Devisenmarktakteuren offenbar wahrgenommen worden sei.

Damals habe der Euro so gut wie gar nicht auf das Statement der Notenbanker reagiert. Vielleicht auch, weil Notenbankpräsident Jerome Powell in der später folgenden Pressekonferenz zwar als durchaus bestimmt, aber dennoch nicht als ausgesprochen falkenhaft wahrgenommen worden sein dürfte. Zumindest habe man den Eindruck gehabt, es gehe mit weiteren schrittweisen Zinserhöhungen voran, und die FED warte ab, wie die Märkte darauf jeweils reagieren würden. Natürlich mit dem Risiko verbunden, dass bei dieser Strategie zu irgendeinem Zeitpunkt einmal die berühmte Schraube eine Windung zu stark zugedreht werden könnte.

Genau dieses Bild werde zumindest aus psychologischer Sicht durch die mutige Fantasie einiger FOMC-Entscheider, die Zinsen sogar höher anzuheben, als dies ihrer Einschätzung des langfristig neutralen Zinsniveaus entspräche, relativiert. Und es sei genau dieses Bild, das übrigens nicht nur US-Präsident Donald Trump vermutlich schlaflose Nächte und diverse wütende Tweets kosten werde. Auch der liberale Ökonom und Nobelpreisträger Paul Krugman sei gestern zitiert worden, die FED hebe die Zinsen zu schnell an. Und das sei "very, very bad".

Gebe es also zu wenig Tauben in der FED? Diesen Eindruck müsse man bekommen, wenn man gestern einigen Kommentatoren gefolgt sei. Dabei sei im FED-Protokoll offenbar übersehen worden, dass es auch Mitglieder gegeben habe, die sich gegen Leitzinsen jenseits des neutralen Zinsniveaus ausgesprochen hätten. Und was hätten die Märkte daraus gemacht? Die implizite Wahrscheinlichkeit für mindestens drei weitere Zinsschritte der FED bis Ende Oktober 2019 sei gestern im Wochenvergleich um rund 5 Prozent (vgl. CME FedWatch Tool) auf 51,7 Prozent gestiegen. Und der Euro habe sich gestern im Rahmen seines kurzfristigen Abwärtstrends zwischen 1,1585 (deutlich adjustiert) und 1,1305/10 kaum erholen können. (19.10.2018/alc/a/a)