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Eurozone: Rezession konnte in H2/2023 knapp vermieden werden


14.03.24 16:04
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Laut aktuell vorliegenden Zahlen konnte in der Eurozone in der zweiten Jahreshälfte 2023 eine Rezession knapp vermieden werden, die gesamtwirtschaftliche Leistung hat weitgehend stagniert, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Frühindikatoren für das erste Halbjahr 2024 würden bestenfalls auf ein geringfügiges Anziehen der Dynamik schließen lassen. Anders ausgedrückt: Ausgehend von einer schwachen Konjunkturlage sei die Wahrscheinlichkeit auf eine unmittelbare Verbesserung gering. Dennoch werde allgemein mit einer Erholung der Wirtschaft gerechnet. So würden Finanzmarktakteure, institutionelle Wirtschaftsbeobachter und auch private Wirtschaftsanalysten einen positiveren zukünftigen Wirtschaftsverlauf erwarten. Die Analysten der RBI schließen sich dieser weitverbreiteten Erwartungshaltung an, doch worauf begründet sich ihre sowie die allgemeine Hoffnung?

Für eine Trendwende müsse sich aus Sicht der Analysten die Geschäftstätigkeit sowohl im Dienstleistungs- als auch im Industriebereich weiter verbessern. Für den Industriebereich seien die Nachfragekategorien Exporte, Investitionen und privater Konsum wichtige Impulsgeber. Verhaltene Wachstumsprognosen für wichtige Handelspartner wie die USA und China würden nahe legen, dass eine exportgetriebene Wirtschaftserholung der Eurozone unwahrscheinlich sei. Die Investitionen hingegen würden einerseits durch restriktive Geldpolitik und geopolitische Unsicherheiten gebremst, andererseits sei aber der Energiekostenschock der letzten Jahre inzwischen abgeflaut, und die Gesamtwirtschaft verkrafte den geldpolitischen Gegenwind immerhin besser als gedacht. Somit sollte nach Meinung der Analysten eine verhaltene, aber immerhin positive Entwicklung der Investitionsnachfrage möglich sein.

Als wichtige Stütze für eine Verbesserung der Konjunktur sähen die Analysten also weniger die üblichen zyklischen Wirtschaftsbereiche wie Exporte und Investitionen. Vielmehr dürften stabile Elemente wie der Dienstleistungssektor und der private Konsum eine überdurchschnittliche Rolle spielen. Blicke man nach vorne, so werde die Lohnentwicklung aller Voraussicht nach über der Teuerung liegen. Somit erscheine es logisch, dass das steigende verfügbare Einkommen sich auch in einem Mehr an Konsummenge niederschlage. Zusätzlich gestützt werden sollte dieser Faktor durch den weiterhin sehr robusten und stabilen Arbeitsmarkt. Selbst eine gewisse Eintrübung am Arbeitsmarkt sollte ein Anziehen des realen verfügbaren Einkommens bzw. des privaten Konsums nicht verhindern.

Hinsichtlich der Inflationsentwicklung betonten die Analysten der RBI bereits vor einiger Zeit, dass es ziemlich leicht sei, die Inflation auf 3% zu bringen, aber schwer, sie auf 2% zu drücken, was sich im Nachhinein als richtig erwiesen hat. Insbesondere die Inflation im Dienstleistungssektor erweise sich als hartnäckig, was im weiteren Jahresverlauf nach Meinung der Analysten weiter anhalten dürfte (bedingt durch ein starkes Lohnwachstum und den hitzigen Arbeitsmarkt). Die Lebensmittelpreise sollten zwar weniger stark zulegen als noch im Jahr 2023, würden aber wohl in der jährlichen Betrachtung weiterhin merklich steigen. Die Warenpreisinflation sollte sich hingegen weiter normalisieren, und die Energiepreisinflation sollte im Jahresdurchschnitt nahe bei null liegen (auch wenn die unterjährige Entwicklung volatil ausfallen könnte). Die Analysten würden erwarten, dass die Gesamtinflation im Jahr 2024 durchschnittlich 2,6% p.a. und die Kerninflation 2,7% p.a. betragen werde.

Zusammengefasst erwarten die Analysten der Raiffeisen Bank International also einen Anstieg des realen Konsums (getrieben durch sinkende Inflation, ein hohes Lohnwachstum und einen starken Arbeitsmarkt). Wenige Impulse würden sie hingegen von den Exporten erwarten und auch die Investitionen sollten sich eher schaumgebremst entwickeln. Nichtsdestotrotz bleibe eine Belebung der Wirtschaftstätigkeit nach einem schwachen Start in das Jahr 2024 eine realistische Erwartungshaltung. In Zahlen gegossen würden die Analysten für das Jahr 2024 eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts in Höhe von 0,5% p.a. erwarten. (Ausgabe vom 13.03.2024) (14.03.2024/alc/a/a)