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Eurozone Rentenmarkt: Peripherieanleihen gefragt


16.06.20 08:45
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Rückläufige Infektionszahlen gaben den europäischen Ländern die Möglichkeit zu Lockerungsmaßnahmen, so die Experten von Union Investment.

Trotz der schwachen aktuellen konjunkturellen Lage hätten viele Anleger zuversichtlich nach vorn geblickt und sich wieder stärker ins Risiko gewagt. Die als sicher geltenden Anleihen aus Deutschland, Frankreich und den Niederlanden hätten daher Kursverluste verbucht. Zur Finanzierung der Hilfsmaßnahmen seien weiterhin viele neue Anleihen begeben worden. Gerade zu Monatsbeginn habe diese hohe Neuemissionstätigkeit noch auf den Kursen gelastet, vor allem bei Titeln aus den Peripherieländern. Hinzugekommen sei die Sorge vor einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit Italiens aufgrund der stark steigenden Staatsverschuldung. Die großen Ratingagenturen hätten noch einmal darauf verwiesen, dass nicht allein die Verschuldung maßgebend sei. Zudem hätten sie betont, man wolle die Debatte um mögliche Transferzahlungen innerhalb des Euroraums noch abwarten.

Und tatsächlich, Deutschland und Frankreich hätten einen Vorschlag ausgearbeitet, der Hilfszahlungen für stark vom Corona-Virus betroffene Regionen vorsehe, die nicht kreditfinanziert seien. Dies sei schnell als möglicher Dammbruch hin zu einer Transferunion gewertet worden. Anleger hätten daraufhin verstärkt Anleihen aus den Peripherieländern nachgefragt. Die größten Profiteure eines solchen Programms wären Spanien und Italien. Zum Monatsende habe die EU-Kommission einen noch umfangreicheren Plan präsentiert. Widerstand kam von den "sparsamen Vier", angeführt von den Niederlanden, die sich noch an einigen Punkten stören, jedoch auch kompromissbereit zu sein scheinen, so die Experten von Union Investment.

Darüber hinaus sei der Druck auf die Europäische Zentralbank gewachsen, ihr Ankaufprogramm PEPP aufzustocken. Zwischenzeitlich habe auch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum 2015 aufgelegten Kaufprogramm für Euro-Staatsanleihen (PSPP) für mehr Volatilität gesorgt. Im Vorgriff auf neue Tendergeschäft seien vor allem kurzfristige Anleihen, insbesondere aus Italien gefragt gewesen. Peripherieanleihen hätten daher im Mai um 1,8 Prozent zugelegt, während Kernanleihen 0,6 Prozent abgegeben hätten. Gemessen am iBoxx Euro Sovereign Index habe dies für europäische Staatsanleihen ein Plus von 0,3 Prozent bedeutet. (Ausgabe vom 12.06.2020) (16.06.2020/alc/a/a)