Erweiterte Funktionen

Eurozone: Renditenstrukturkurve wird steiler


16.09.13 15:11
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Seit Jahresbeginn 2013 ist die Renditenstrukturkurve in der Eurozone laufend steiler geworden, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Das sei keine Überraschung. Während im ganz kurzen Laufzeitenbereich die Renditen bei fast 0% verharren würden, hätten sie sich bei zehnjährigen Staatsanleihen mit AAA-Rating spürbar erhöht. Die zehnjährigen Bunds z. B. hätten sich von 1,16% Anfang Mai auf jetzt über 2% erhöht. Dabei würden sich Kursverluste von fast 8% errechnen.

Obwohl die EZB ihren Ausblick erneuert habe, dass die Leitzinsen nach aktueller Einschätzung noch "für längere Zeit" auf dem aktuellen Rekordtief bleiben oder sogar erneut sinken könnten, seien die Märkte misstrauischer geworden. Nach Meinung von EZB-Präsident Mario Draghi stehe die Konjunkturerholung in der Eurozone gerade einmal am Anfang und es gebe noch viele Risiken. Der Renditenanstieg habe auch nichts mit höheren Inflationsraten zu tun, die Teuerung bleibe nach Draghis Ansicht mittelfristig sehr gedämpft. Doch die EZB könne mit ihrer Steuerung der Zinserwartungen ("forward guidance") kaum Einfluss auf die Renditenentwicklung nehmen.

Die Renditenentwicklung in der Eurozone könne sich der internationalen Tendenz nicht entziehen. In den USA seien die zehnjährigen Renditen um über einen Prozentpunkt auf 2,98% am 05.09.2013 noch viel stärker gestiegen. In Großbritannien seien die zehnjährigen Gilts erstmals seit Juli 2011 über die Marke von 3% geklettert. Die Renditen hätten auch in Österreich, Finnland und den Niederlanden kräftig zugelegt.

Wie die BIZ ermittelt habe, habe das tägliche Handelsvolumen an den weltweiten Devisenmärkten durchschnittlich USD 5,3 Billionen erreicht. Bei der letzten Erhebung in 2010 seien noch täglich USD 4 Billionen gehandelt worden. Auch der Tagesumsatz an den Märkten für außerbörslich gehandelte Zinsderivate habe sich stark erhöht. Das durchschnittliche Volumen sei auf USD 2,3 Billionen nach USD 2,1 Billionen in 2010 gestiegen. Die Welt wachse offensichtlich gegenwärtig zu einem einzigen Finanzmarkt immer mehr zusammen.

Darüber müsse man sich nicht wundern, denn die wichtigsten Zentralbanken hätten ihre Geldpolitik zu einem einheitlichen ultra-expansiven Kurs koordiniert. Wenn die FED jetzt darüber nachdenke, QE zurückzuführen, könnte das nach einer gewissen Zeit durchaus auch auf andere Notenbanken abfärben und in der ganzen Welt die Renditen erhöhen.

Der weltweite Renditenanstieg sei ein erster Schritt zu einer Normalisierung. Die erreichten Tiefstände der Renditen seien nur durch QE zustande gekommen. Wegen der hohen Risiken an den Rentenmärkten würden die Investoren die Zukunft weit vorausnehmen. Die Rendite der zehnjährlichen Staatsanleihen könnten in 2014 steigen auf: Bunds 3%, Treasuries 3,5%, Gilts 4%. Die Marktteilnehmer würden am 18.09.13 eine QE-Reduktion um USD 10 bis 15 Mrd. erwarten. Doch die Verschuldungsprobleme seien viel zu ernst, um ohne FED-Unterstützung auszukommen. (Ausgabe vom 15.09.2013) (16.09.2013/alc/a/a)