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Eurozone: Peripherieanleihen sind weiterhin Trumpf


15.12.20 08:45
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der Markt für europäische Staatsanleihen stand zu Beginn des Monats November unter dem Einfluss der US-Präsidentschaftswahl, so die Experten von Union Investment.

Obgleich ein erdrutschartiger Sieg von Joe Biden ausgeblieben sei und der Wahlausgang zunächst auch gar nicht klar gewesen sei, hätten letztlich viele Anleger erleichtert reagiert, dass die mit diesem Ereignis verbundene Unsicherheit ein Ende gefunden habe. Zudem habe es ermutigende Impfstoffnachrichten gegeben. Risikobehaftete Papiere seien daraufhin stark gesucht gewesen, sodass es bei den als sicher geltenden Bundesanleihen zunächst zu Kursverlusten gekommen sei. Anhaltend hohe Infektionszahlen und die Aussicht auf eine Verlängerung der Eindämmungsmaßnahmen hätten dann jedoch dazu geführt, dass die Verluste im Rahmen aufkommender Unsicherheit wieder hätten aufgeholt werden können.

Papiere aus den Peripherieländern hätten sich hingegen wesentlich stabiler gezeigt und nahezu durchweg Kursgewinne verbucht. Vielfach hätten die Renditen Rekordtiefstände erreicht. Zum Monatsende etwa hätten zehnjährige Schuldverschreibungen aus Portugal nur noch bei null Prozent rentiert. Auch in Italien habe sich der Trend niedriger Renditen fortgesetzt.

Die erneut positive Entwicklung der Peripherie sei umso erstaunlicher gewesen, als dass Polen und Ungarn von ihrem Vetorecht gegen den EU-Haushalt Gebraucht gemacht hätten. Damit verzögere sich auch die Auszahlung des EU-Wiederaufbaufonds - Geld, dass vor allem den Südländern zugutekomme und dort dringend benötigt werde. In den Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU habe keine Einigung erzielt werden können, obwohl die Zeit dränge, weil letztlich noch die jeweiligen nationalen Parlamente einem Handelsvertrag zustimmen müssten.

Vonseiten der Europäischen Zentralbank seien mehrere Kommentare zu vernehmen gewesen, die auf weitere Maßnahmen bei der kommenden Sitzung im Dezember hindeuten würden. Marktteilnehmer würden von einer Verlängerung und Erhöhung der Ankaufprogramme und einer Anpassung der Langfristtender ausgehen.

Gemessen am iBoxx Euro Sovereigns-Index hätten europäische Staatsanleihen im November ein Plus von 0,1 Prozent erzielt. Anleihen aus den Kernländern hätten dabei leicht verloren (-0,2 Prozent), während Papiere aus den Peripherieländern weiter hinzugewonnen hätten (+0,7 Prozent). (Ausgabe vom 14.12.2020) (15.12.2020/alc/a/a)