Eurozone: Mai-Inflationsrate steht im Fokus


26.05.17 16:37
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - In den kommenden Tagen wird eine Vielzahl an interessanten Wirtschaftsindikatoren veröffentlicht, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG.

Die Sentiment Indices der EU-Kommission für die Eurozone (einzelne Branchen sowie Gesamtwirtschaft) erwarte man erneut verbessert. Auf Einzelländerbasis seien die Einkaufsmanagerindizes für das Verarbeitende Gewerbe in Spanien und Italien von Interesse. Die vorliegenden Schnellschätzungen (Eurozone, Deutschland und Frankreich) würden in beiden Ländern einen Anstieg erwarten lassen. Die Arbeitslosenquote sei in der Eurozone in den vergangenen Quartalen im Schnitt in jedem dritten Monat um ein Zehntel gefallen. Bei unverändertem Trend sollte sich die Arbeitslosenquote im April entsprechend verringert haben.

Am meisten Interesse sollte der Markt den Schnellschätzungen für die Inflationsrate im Mai schenken lassen. Die Statistik habe in den letzten Monaten verstärkte Auf und Abs der Teuerungsrate ausgewiesen (im Vorjahresvergleich). Schuld daran sei erstens der heftige und sich monatlich verändernde Ausschlag beim Ölpreis, welcher unmittelbar auf die Energiepreise abfärbe. Im Mai dürften in der Eurozone die Energiepreise rund 2,5 Prozentpunkte weniger stark steigen als noch im April, was die Vorjahresrate um rund 0,2 Prozentpunkte reduziere. Zweitens seien starke Kalendereffekte am Werk. Die im Vergleich zum Vorjahr deutlich spätere Lage von Ostern und Pfingsten führe zu einem Verschub der saisonalen Preismuster. Die Analysten der Raiffeisen Bank International AG würden daher im Mai (nach Ostern und vor Pfingsten) bei der Inflationsrate ex Nahrungsmittel und Energie (Kernrate) einen Rückgang um zwei Zehntel ansetzen. In Summe ergebe sich laut ihren Kalkulationen ein Rückgang der Gesamtrate von 1,9% p.a. auf zumindest 1,5% p.a.

Das von den Analysten erwartete Ergebnis zur Inflationsentwicklung werde den Staatsanleihemarkt wohl kaum davon überzeugen, dass die Europäische Zentralbank ihre expansive geldpolitische Ausrichtung schneller zurückfahre als bislang eingepreist. Somit bleibe zunächst ihre Halteempfehlung für mittel- bis langlaufende deutsche Staatsanleihen aufrecht. Die Risikoprämien der südlichen Euro-Länder (10J vs. DE) hätten sich letzte Woche weiter positiv entwickelt.

Für Italien scheinen die Marktteilnehmer das Szenario vorgezogener Neuwahlen inzwischen mit abnehmender Wahrscheinlichkeit zu preisen, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG. Die Risikoprämie sei zuletzt unter die Marke von 180 BP gesunken. In Portugal wirke das positive konjunkturelle und fiskalische Momemtum weiter unterstützend. Die Risikoprämie liege inzwischen deutlich unter 300 BP. Auch Moody’s habe gegenüber Portugal in seiner letzten Rating-Einschätzung einen klar positiven Grundton angeschlagen. Zwar habe die Agentur das Rating vorerst bei Ba1 gelassen, doch würden die Erwartungen steigen, portugiesische Staatsanleihen könnten nun zumindest von einer der drei großen Agenturen bald wieder in den Bereich des Investment Grade gehoben werden.

Die Risikoprämie Spaniens verharre hingegen bei 120 BP. Hier würden sich gewisse Bedenken breitmachen, mit der Wahl des Parteilinken Sanchez zum Parteichef könne die stillschweigende Unterstützung der Sozialisten für die konservative Minderheitsregierung von Premier Rajoy bald obsolet werden. Insgesamt hätten die Risikoprämien der südlichen Euroländer bisher übermäßig stark vom verbesserten Risikosentiment infolge der französischen Präsidentschaftswahl profitiert. Der Rückgang der Risikoprämie Portugals sei dabei weitaus stärker ausgefallen als von den Analysten erwartet. Aufgrund dieser kurzfristigen Entwicklung würden die Analysten der Raiffeisen Bank International AG ihre Prognosen für die Renditedifferenz 10-jähriger portugiesischer Staatsanleihen gegenüber der deutschen Benchmark in Revision setzen. Insgesamt bleibe das Land aber aufgrund struktureller Schwächen (hohe Staatsverschuldung, niedriges Potenzialwachstum und Probleme im Bankensektor) weiter besonders anfällig, sollte das Risikosentiment wieder umschlagen. Auch für die meisten anderen Euro-Länder sehen würden die Analysten der Raiffeisen Bank International AG mehr Aufwärts- als Abwärtsrisiken sehen und ihre Verkaufsempfehlung (Spread-Empfehlung) auf 1-4 Monate beibehalten. (26.05.2017/alc/a/a)