Eurozone: Leitzinsen werden vermutlich weniger stark sinken, als es der Markt derzeit eingepreist hat


11.12.24 10:27
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Wachstumsaussichten für die Eurozone sind eher trübe, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.

Man erwarte ein Wirtschaftswachstum von nur 1,1% im kommenden Jahr. Die Eurozone werde dabei stark gebremst durch die beiden Schwergewichte Deutschland und Frankreich, die mit politischer Unsicherheit und strukturellen Problemen zu kämpfen hätten.

Setze man nur die konjunkturelle Brille auf, müssten die monetären Zügel kräftig gelockert werden, um auf diese Weise die Wirtschaft zu stimulieren. Tatsächlich habe die EZB den Einlagezins bereits drei Mal in diesem Jahr gesenkt, und man gehe (inklusive Dezember 2024) von weiteren drei Zinssenkungen bis März 2025 aus. Die Märkte allerdings setzten darauf, dass die Notenbank die Geldpolitik noch wesentlich stärker lockern werde.

Gegen allzu kräftige Zinssenkungen spreche nach Erachten der Analysten unter anderem, dass die Dienstleistungsinflation weiterhin hartnäckig hoch bleibe. Hier machten sich die relativ hohen Lohnabschlüsse bemerkbar. Da der Arbeitskräftemangel aufgrund der demografischen Lage nicht verschwinden werde - es sei denn, man bekäme es mit einer schweren Rezession zu tun - dürften die Lohnanstiege auch 2025 im historischen Vergleich überdurchschnittlich hoch bleiben. Dazu komme, dass man mit einem schwachen Euro rechne und auch davon ausgehe, dass die EU Gegenzölle für Waren aus den USA erhebe, wenn Trump die Zollandrohung umsetze - beides wirke inflationär. Im Ergebnis werde die Inflation eher im Bereich von 2,5 bis 3% sein und nicht nachhaltig das 2-Prozent-Ziel erreichen.

Die langfristigen Renditen der Bunds würden über das Jahr gesehen leicht steigen. In den USA dürften die langfristigen Renditen wegen der hohen Neuverschuldung und der inflationären Politik anziehen, und die Bunds würden sich diesem Trend nicht ganz entziehen können.

Ein besonderes Augenmerk müsse man 2025 auf die Entwicklung in Frankreich haben. Frankreich stehe fundamental grundsätzlich gut da, habe beispielsweise in den vergangenen Jahren die meisten Direktinvestitionen in der EU angezogen. Die politische Konstellation, die vermutlich zu Neuwahlen im Sommer 2025 führen werde, bei einem gleichzeitig sehr eingeschränkten Budgetspielraum, bedeute jedoch, dass eine Staatsschuldenkrise nicht komplett ausgeschlossen werden könne, sei aber nicht das Basis-Szenario. (Ausgabe Dezember 2024) (11.12.2024/alc/a/a)





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