Eurozone: Inflationsausblick bleibt verhalten


29.08.17 09:45
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Das durch diverse Sentimentindikatoren angezeigte, außerordentlich hohe Stimmungsniveau in der Eurozone in den vergangenen Monaten hatte zwischenzeitlich Zweifel geschürt, ob die harten Konjunkturdaten mithalten können, so die Analysten von Postbank Research.

Zumindest bislang sei Letzteres klar zu bejahen. Nach einem soliden Zuwachs zum Jahresauftakt (+0,5%) sei das EWU-BIP im 2. Quartal nochmals deutlicher um 0,6% gegenüber der Vorperiode ausgeweitet worden, wobei der Zuwachs auf einer breiten Länder-Basis gestanden habe. Selbst Italien, das seine Wirtschaftsleistung zuletzt dreimal in Folge um 0,4% gesteigert habe, scheine allmählich den Anschluss an die übrige Eurozone wiederzufinden.

In Deutschland sei das BIP-Wachstum im 2. Quartal mit 0,6% zum Vorquartal hingegen etwas verhaltener als im Vorfeld erwartet ausgefallen. Die kräftigen Zuwächse in der Industrie sowie im Einzelhandel im Quartalsverlauf hätten hier die Hoffnung auf eine nochmalige Beschleunigung geschürt. Jedoch sei das Ergebnis für das 1. Quartal von 0,6% auf 0,7% aufwärtsrevidiert worden, sodass per Saldo auch hierzulande von einem sehr gelungenen 1. Halbjahr gesprochen werden könne. Für die Fortsetzung des Konjunkturaufschwungs im 2. Quartal zeichne dabei ausschließlich die Binnennachfrage verantwortlich, während das Wachstum vom Außenhandel gebremst worden sei.

Für das laufende Quartal lägen naturgemäß noch keine harten Konjunkturdaten vor. Die bislang veröffentlichten Stimmungsindikatoren würden aber bislang keine größeren Sorgen hinsichtlich einer deutlichen Konjunkturabkühlung aufkommen lassen. So sei der EWU-Composite-Einkaufsmanagerindex im August leicht von 55,7 auf 55,8 Punkte gestiegen. Hierzulande sei der korrespondierende Index deutlich von 54,7 auf 55,7 Punkte geklettert. Auch wenn sich abzeichne, dass das zyklische Hoch zur Jahresmitte überschritten worden sei, lägen die Indices damit weiter klar im expansiven Terrain und würden für eine Fortsetzung des Konjunkturaufschwungs sprechen, der sich aus heutiger Sicht als robuster erweise, als dies noch vor einigen Monaten abzusehen gewesen sei.

Die Analysten von Postbank Research heben daher ihre BIP-Wachstumsprognosen für dieses Jahr für Deutschland von 1,5% auf 1,8% beziehungsweise für die EWU von 1,8% auf 2,1% an. Die Diskrepanz resultiere dabei nicht etwa aus einer deutlichen Outperformance der Eurozone, sondern vielmehr aus einem feiertagsbedingten, stark negativen Kalendereffekt hierzulande. Um diesen bereinigt ergäbe sich für Deutschland ebenfalls ein BIP-Zuwachs in Höhe von 2,1% gegenüber dem Vorjahr.

Für 2018 würden die Analysten mit einer Fortsetzung des Konjunkturaufschwungs rechnen und heben ihre BIP-Prognosen für die EWU und Deutschland jeweils von 1,6% auf 1,8% an. Dabei erscheine es durchaus möglich, dass sich die von der Binnennachfrage ausgehenden Wachstumsimpulse nochmals gegenseitig verstärken würden. Die zuletzt zunehmende Belebung der Investitionstätigkeit könnte die bereits zu beobachtende Erholung am Arbeitsmarkt und damit den privaten Verbrauch weiter beflügeln. Hier sähen die Analysten gewisse Aufwärtsrisiken für ihre Prognosen. Abwärtsrisiken würden hingegen insbesondere von möglichen Verwerfungen im Zuge der Brexit-Verhandlungen sowie von der zukünftigen US-Wirtschaftspolitik ausgehen. Bezüglich Letzterer droht die größte Gefahr nach Erachten der Analysten von Postbank Research aus einer Abkühlung des Welthandels, wenn die USA weitreichende handelsbeschränkende Maßnahmen einführen sollten.

Die EWU-Inflationsrate habe im Juli mit 1,3% auf ihrem bisherigen Jahrestief verharrt. Moderate Anstiege der Vorjahresraten von Kernverbraucher- und Energiepreisen hätten nicht ausgereicht, die Inflationsrate wieder auf ein höheres Niveau zu hieven. Auch im weiteren Jahresverlauf erwarte man keinen signifikanten Anstieg mehr. Der ganz allmähliche Aufwärtstrend der Kernverbraucherpreise in Verbindung mit einem moderat anziehenden Ölpreis sollte die Teuerungsrate aber auf Jahressicht Richtung 1,7% führen. Die Inflationsprognosen der Analysten von Postbank Research für 2017 und 2018 in Höhe von 1,5% sowie 1,6% bleiben unverändert. (Zinsen und Währungen September 2017) (29.08.2017/alc/a/a)