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Eurozone: Die Inflation dürfte im September ihren Höhepunkt erreichen
26.09.22 08:45
Raiffeisen Bank International AG
Wien (www.anleihencheck.de) - Die Federal Reserve erhöhte die Leitzinsen auf der September-Zinssitzung um 75 Basispunkte, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).
Dies habe nicht nur die Erwartungen der Analysten der RBI, sondern auch jene des Marktes erfüllt. Dennoch habe die FED auf der hawkishen Seite überrascht, da die neuen Konjunktur-Prognosen auf weitere 125 bis 175 Basispunkte an Zinserhöhungen in den nächsten drei Zinssitzungen hindeuten würden, was ein finales Leitzinsniveau zwischen 4,5% und 5% impliziere.
Powells Botschaft sei klar gewesen: Die FED werde die Preisstabilität um jeden Preis wiederherstellen, selbst wenn dies mit einer Rezession einhergehe. Die neuen FED-Prognosen würden zwar nicht von einem deutlichen Abschwung ausgehen - diese würden für die nächsten Jahre BIP-Wachstumsraten unter dem Potenzialwachstum ausweisen - je höher die Zinsen in den restriktiven Bereich geführt würden, desto stärker sollte aber auch der konjunkturdämpfende Effekt ausfallen. Apropos, restriktiver Bereich: Bereits das aktuelle Leitzinsniveau zwischen 3% und 3,25% sei wohl als leicht restriktiv einzuschätzen.
Die Analysten der RBI würden von weiteren Zinserhöhungen auf den nächsten FOMC-Sitzungen ausgehen, gefolgt von einer Periode stabiler Leitzinsen auf hohem Niveau, bis die Inflation einen nachhaltigen Abwärtstrend in Richtung 2% eingeschlagen habe. Die Analysten der RBI würden weitere Zinsschritte im Gesamt-Ausmaß von 150 Basispunkten erwarten und einen Zinspfad von plus 75, 50 und 25 Basispunkten auf den nächsten drei Zinssitzungen unterstellen. Damit würde die Bandbreite der Federal Funds Rate Anfang Februar 2023 zwischen 4,5% und 4,75% betragen. Die Analysten der RBI hätten ihre Prognosen zu den Leitzinsen und Geldmarktsätzen dementsprechend angepasst und würden ihre Rendite-Prognosen vorerst unter Revision stellen.
An den Finanzmärkten sei die FOMC-Sitzung trotz der erwarteten Zinserhöhung um 75 Basispunkte als hawkish aufgefasst worden. Bereits im Vorfeld der Zinssitzung habe die zwei-jährige Treasury-Rendite die 4%-Marke getestet und schlussendlich über 4,1% notiert. Dies sei zunächst mit einer noch prononcierteren Inversion der Treasury-Kurve (10J-2J) einhergegangen, was sich aber mit dem deutlichen Anstieg der 10-jährigen Treasury-Rendite am Tag nach der FED-Sitzung wieder relativiert habe. Mit einer 10-jährigen Treasury-Rendite bei 3,7% betrage die Inversion aber immer noch 40 Basispunkte. Eine ähnlich inverse Treasury-Kurve habe es zuletzt im Jahr 2000 gegeben. Noch nicht invers aber deutlich flacher zeige sich die Bund-Kurve.
Im Sog der globalen Rendite-Bewegungen hätten sich auch Bund-Renditen im Wochenverlauf deutlich nach oben orientiert. Die 10-jährige Bund-Rendite liebäugele mit der 2%-Marke und die Rendite der 2-jährigen Laufzeit habe 1,8% erreicht. Insbesondere das kurze Ende der Rendite-Kurve stehe unter starkem Einfluss von Zinserwartungen. Der Markt preise nun die Terminal Rate der EZB bei 3% (Einlagesatz), was nach Einschätzung der Analysten der RBI ein hawkishes Szenario widerspiegele. Klar sei aber auch, dass viele Notenbanksitzungen dieser Woche einen hawkishen Kurs widergespiegelt hätten: FED +75 BP, SNB +75 BP, BoE +50 BP, Riksbank +100 BP. Auf Sicht der nächsten Monate würden Notenbanken wohl weiterhin bemüht sein, ihre Entschlossenheit zur Preisstabilität mit weiteren hohen Zinsschritten zu untermauern. Wie stark auf die sich unserer Meinung nach abzeichnende Konjunkturschwäche zumindest mittelfristig Rücksicht genommen wird, kann man aus der aktuellen EZB-Kommunikation nicht entnehmen und bleibt ein Unsicherheitsfaktor, der die Volatilität hochhalten wird, so die Analysten der RBI.
Das Highlight aus Datensicht würden in der kommenden Woche Zahlen zur Inflationsentwicklung sein. In der Eurozone dürfte die Inflation im September ihren Höhepunkt erreichen. Die Analysten der RBI würden für September eine Inflation von 9,7% im Jahresvergleich prognostizieren, wobei die Kerninflation 4,9% im Jahresvergleich erreichen dürfte. Die Gründe für die recht starke Beschleunigung der Teuerung seien dreierlei: Erstens sei der "Tankrabatt" in Deutschland ausgelaufen, was zu einem Anstieg der Kraftstoffpreise geführt habe (ohne das Auslaufen wäre der Beitrag der Kraftstoffpreise zur Inflation negativ).
Der zweite Grund sei eine Divergenz zwischen Benzin- und Dieselpreisen: Während Benzinpreise im Gleichklang mit dem Ölpreis nachgegeben hätten, seien die Dieselpreise im September gestiegen. Der Grund dafür sei, dass Diesel in gewisser Weise ein Substitut für Erdgas sei, da dieser als Heizöl zum Heizen verwendet werde und somit im aktuellen Umfeld ein anderes Nachfragemuster als Benzin habe.
Der dritte Grund sei ein Basiseffekt, der sich aus saisonalen Mustern ergebe: Im September 2021 seien die Preise nicht so stark gestiegen wie üblich: Der September sei in der Regel der Monat, in dem neue Modekollektionen in die Läden kämen, und die Preise für Bekleidung und Schuhe oft um 15% pro Monat steigen würden (dies sei ebenfalls ein Basiseffekt, da im Juli, wenn der Verkauf beginne, der Preisrückgang in der Regel -15% pro Monat betrage).
Zusammengefasst: Die Inflation im September werde von einigen atypischen Besonderheiten beeinflusst werden (Ende der "Tankrabatt"-Phase und ein saisonales Muster), danach würden die Analysten der RBI eine Verlangsamung der Inflation aufgrund des Basiseffekts bei den Energiepreisen erwarten.
Neben den Inflationsdaten aus der Eurozone stehe auch in den USA die PCE-Inflation für den Monat August im Fokus. Diese werde wohl dem Muster der CPI-Inflation folgen, welche einen Rückgang der Gesamtrate aber einen Anstieg der Kernrate widergespiegelt habe. Die Kernrate könnte nahe 4,7% p.a. veröffentlicht werden, nachdem ein geringerer Preisdruck im Juli zu einem Rückgang auf 4,6% geführt habe. Ein Fallen der PCE-Kerninflation unter das Juli-Niveau würde sicherlich als dovishes Signal verstanden werden, insbesondere nach der starken Marktreaktion auf die CPI-Veröffentlichung.
Des Weiteren seien Konjunkturumfragen von Interesse (ifo Index, Sentiment Indikatoren der EU-Kommission). In der Eurozone gelte ein weiterer Rückgang der Umfragewerte als sicher, die Frage sei nur das Ausmaß dessen. Die bereits vorliegenden Schnellschätzungen der Einkaufsmanagerindices würden eher ein fortwährendes Abgleiten in eine Rezession als einen wirtschaftlichen Absturz wie zur Corona- oder Finanzkrise signalisieren. Klar sei, dass je stärker ein Land bzw. Wirtschaftsbereich von der Energiepreisexplosion betroffen sei, desto ausgeprägter der Abschwung ausfallen werde. Beispielsweise entwickele sich die deutsche Wirtschaft unterdurchschnittlich bzw. das Konsumentenvertrauen sei auf ein Allzeittief zurückgefallen. Die absehbare Rezession im Winterhalbjahr 2022/23 werde wohl geprägt sein von rückläufigen Konsumausgaben (real), Produktionseinbußen bei energieintensiven Industriesektoren (Chemie, Glas, etc.) und Absatzrückgängen (real) von eher verzichtbaren Dienstleistungen. (Ausgabe vom 23.09.2022) (26.09.2022/alc/a/a)
Dies habe nicht nur die Erwartungen der Analysten der RBI, sondern auch jene des Marktes erfüllt. Dennoch habe die FED auf der hawkishen Seite überrascht, da die neuen Konjunktur-Prognosen auf weitere 125 bis 175 Basispunkte an Zinserhöhungen in den nächsten drei Zinssitzungen hindeuten würden, was ein finales Leitzinsniveau zwischen 4,5% und 5% impliziere.
Powells Botschaft sei klar gewesen: Die FED werde die Preisstabilität um jeden Preis wiederherstellen, selbst wenn dies mit einer Rezession einhergehe. Die neuen FED-Prognosen würden zwar nicht von einem deutlichen Abschwung ausgehen - diese würden für die nächsten Jahre BIP-Wachstumsraten unter dem Potenzialwachstum ausweisen - je höher die Zinsen in den restriktiven Bereich geführt würden, desto stärker sollte aber auch der konjunkturdämpfende Effekt ausfallen. Apropos, restriktiver Bereich: Bereits das aktuelle Leitzinsniveau zwischen 3% und 3,25% sei wohl als leicht restriktiv einzuschätzen.
Die Analysten der RBI würden von weiteren Zinserhöhungen auf den nächsten FOMC-Sitzungen ausgehen, gefolgt von einer Periode stabiler Leitzinsen auf hohem Niveau, bis die Inflation einen nachhaltigen Abwärtstrend in Richtung 2% eingeschlagen habe. Die Analysten der RBI würden weitere Zinsschritte im Gesamt-Ausmaß von 150 Basispunkten erwarten und einen Zinspfad von plus 75, 50 und 25 Basispunkten auf den nächsten drei Zinssitzungen unterstellen. Damit würde die Bandbreite der Federal Funds Rate Anfang Februar 2023 zwischen 4,5% und 4,75% betragen. Die Analysten der RBI hätten ihre Prognosen zu den Leitzinsen und Geldmarktsätzen dementsprechend angepasst und würden ihre Rendite-Prognosen vorerst unter Revision stellen.
An den Finanzmärkten sei die FOMC-Sitzung trotz der erwarteten Zinserhöhung um 75 Basispunkte als hawkish aufgefasst worden. Bereits im Vorfeld der Zinssitzung habe die zwei-jährige Treasury-Rendite die 4%-Marke getestet und schlussendlich über 4,1% notiert. Dies sei zunächst mit einer noch prononcierteren Inversion der Treasury-Kurve (10J-2J) einhergegangen, was sich aber mit dem deutlichen Anstieg der 10-jährigen Treasury-Rendite am Tag nach der FED-Sitzung wieder relativiert habe. Mit einer 10-jährigen Treasury-Rendite bei 3,7% betrage die Inversion aber immer noch 40 Basispunkte. Eine ähnlich inverse Treasury-Kurve habe es zuletzt im Jahr 2000 gegeben. Noch nicht invers aber deutlich flacher zeige sich die Bund-Kurve.
Das Highlight aus Datensicht würden in der kommenden Woche Zahlen zur Inflationsentwicklung sein. In der Eurozone dürfte die Inflation im September ihren Höhepunkt erreichen. Die Analysten der RBI würden für September eine Inflation von 9,7% im Jahresvergleich prognostizieren, wobei die Kerninflation 4,9% im Jahresvergleich erreichen dürfte. Die Gründe für die recht starke Beschleunigung der Teuerung seien dreierlei: Erstens sei der "Tankrabatt" in Deutschland ausgelaufen, was zu einem Anstieg der Kraftstoffpreise geführt habe (ohne das Auslaufen wäre der Beitrag der Kraftstoffpreise zur Inflation negativ).
Der zweite Grund sei eine Divergenz zwischen Benzin- und Dieselpreisen: Während Benzinpreise im Gleichklang mit dem Ölpreis nachgegeben hätten, seien die Dieselpreise im September gestiegen. Der Grund dafür sei, dass Diesel in gewisser Weise ein Substitut für Erdgas sei, da dieser als Heizöl zum Heizen verwendet werde und somit im aktuellen Umfeld ein anderes Nachfragemuster als Benzin habe.
Der dritte Grund sei ein Basiseffekt, der sich aus saisonalen Mustern ergebe: Im September 2021 seien die Preise nicht so stark gestiegen wie üblich: Der September sei in der Regel der Monat, in dem neue Modekollektionen in die Läden kämen, und die Preise für Bekleidung und Schuhe oft um 15% pro Monat steigen würden (dies sei ebenfalls ein Basiseffekt, da im Juli, wenn der Verkauf beginne, der Preisrückgang in der Regel -15% pro Monat betrage).
Zusammengefasst: Die Inflation im September werde von einigen atypischen Besonderheiten beeinflusst werden (Ende der "Tankrabatt"-Phase und ein saisonales Muster), danach würden die Analysten der RBI eine Verlangsamung der Inflation aufgrund des Basiseffekts bei den Energiepreisen erwarten.
Neben den Inflationsdaten aus der Eurozone stehe auch in den USA die PCE-Inflation für den Monat August im Fokus. Diese werde wohl dem Muster der CPI-Inflation folgen, welche einen Rückgang der Gesamtrate aber einen Anstieg der Kernrate widergespiegelt habe. Die Kernrate könnte nahe 4,7% p.a. veröffentlicht werden, nachdem ein geringerer Preisdruck im Juli zu einem Rückgang auf 4,6% geführt habe. Ein Fallen der PCE-Kerninflation unter das Juli-Niveau würde sicherlich als dovishes Signal verstanden werden, insbesondere nach der starken Marktreaktion auf die CPI-Veröffentlichung.
Des Weiteren seien Konjunkturumfragen von Interesse (ifo Index, Sentiment Indikatoren der EU-Kommission). In der Eurozone gelte ein weiterer Rückgang der Umfragewerte als sicher, die Frage sei nur das Ausmaß dessen. Die bereits vorliegenden Schnellschätzungen der Einkaufsmanagerindices würden eher ein fortwährendes Abgleiten in eine Rezession als einen wirtschaftlichen Absturz wie zur Corona- oder Finanzkrise signalisieren. Klar sei, dass je stärker ein Land bzw. Wirtschaftsbereich von der Energiepreisexplosion betroffen sei, desto ausgeprägter der Abschwung ausfallen werde. Beispielsweise entwickele sich die deutsche Wirtschaft unterdurchschnittlich bzw. das Konsumentenvertrauen sei auf ein Allzeittief zurückgefallen. Die absehbare Rezession im Winterhalbjahr 2022/23 werde wohl geprägt sein von rückläufigen Konsumausgaben (real), Produktionseinbußen bei energieintensiven Industriesektoren (Chemie, Glas, etc.) und Absatzrückgängen (real) von eher verzichtbaren Dienstleistungen. (Ausgabe vom 23.09.2022) (26.09.2022/alc/a/a)
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| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 2,70 % | 1,90 % | 0,80 % | +42,11% | 23.04./22:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| 2,70 % | 1,80 % | |||


