Eurozone: Inflation bleibt niedrig


04.03.14 11:23
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der Preisauftrieb in der Eurozone war auch im Februar gering, so die Experten von Union Investment.

Laut Schnellschätzung der europäischen Statistikbehörde Eurostat seien die Preise im Februar, gemessen am Gesamtindex der Verbraucherpreise, um 0,8 Prozent und damit genau so stark wie im Vormonat gestiegen. Die so genannte Kernrate, also die Preisentwicklung ohne Energie, Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak, sei um 1,0 Prozent nach 0,8 Prozent im Januar gestiegen. Unter dem Strich liege die Teuerung damit deutlich unter der Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB), die eine Rate von knapp unter 2,0 Prozent ansetze.

Daher dürften Marktbeobachter gespannt auf den kommenden Donnerstag blicken. Dann tage der EZB-Rat in Frankfurt und entscheide über eine etwaige Zinssenkung oder auch über andere Maßnahmen, um die Wirtschaft in der Eurozone in Gang zu bringen. Bereits am Donnerstag habe EZB-Präsident Mario Draghi betont, dass ein dauerhaft niedriger Preisauftrieb ein Risiko für den europäischen Währungsraum darstelle.

Allerdings habe der Italiener auch unterstrichen, dass eine Deflation, also das Phänomen sinkender Preise, derzeit in der Eurozone nicht zu beobachten sei. Denn das wäre für die Wirtschaft im Währungsraum wie auch für die Notenbanker ein ernsthaftes Problem: Eine Deflation sei mit geldpolitischen Instrumenten nur sehr schwer zu verhindern. Der Hintergrund: Verfestige sich bei Unternehmen und Konsumenten erst einmal die Erwartung, dass die Preise für Güter und Dienstleistungen immer weiter fallen würden, so drohe eine selbsterfüllende Prophezeiung.

In der Annahme, zu einem späteren Zeitpunkt einen geringeren Preis zu zahlen, würden viele Anschaffungen in die Zukunft verschoben. Das Resultat sei eine Beeinträchtigung des Wachstums, die wiederum den Spielraum für künftige Lohn- und Preisanstiege dämpfe. Die Volkswirtschaft drohe also in eine Abwärtsspirale zu geraten. Bereits eine weitverbreitete Annahme künftiger Deflation könne daher als Konjunkturbremse wirken - ein Problem, mit dem beispielsweise Japan seit vielen Jahren zu kämpfen habe.

Dass die Inflationsrate zeitnah anfange, kräftig zu steigen, sei derzeit indes nicht zu erwarten. Die Teuerung sei ein so genannter nachlaufender Faktor, das heiße, sie folge der Konjunktur und der Lage auf dem Arbeitsmarkt, die sich derzeit beide verbessern würden. Mit einem Wendepunkt in Sachen Preisentwicklung sei aus Sicht der Experten erst Ende 2014 oder Anfang 2015 zu rechnen.

Nach wie vor gebe es erhebliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. So seien die Preise in Deutschland beispielsweise um 1,0 Prozent gestiegen, während sie sich in Spanien im Schnitt gar nicht verändert hätten. Diese Tendenzen seien insbesondere für die Peripherieländer mit den niedrigen bis rückläufigen Teuerungsraten aber nicht per se negativ - solange in den Kernländern weiterhin ein leichter Inflationsdruck herrsche, was derzeit der Fall sei. Denn die unterschiedlichen Preisentwicklungen würden eine Anpassung der Wettbewerbsfähigkeit ermöglichen.

Da aufgrund der gemeinsamen Währung eine Anpassung über einen Wechselkurs ausbleibe, würden die unterschiedlichen Preisentwicklungen dafür sorgen, dass zum Beispiel Spanien an Wettbewerbsfähigkeit gewinne. Das helfe, die dortige Wirtschaft zu stärken und komme unter dem Strich dem gesamten Währungsraum zugute. (Ausgabe vom 28.02.2014) (04.03.2014/alc/a/a)