Eurozone: Inflation im Visier


30.06.17 09:30
HSBC Trinkaus & Burkhardt

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Mario Draghi lenkte durch seine jüngsten Aussagen, dass derzeit vor allem temporäre Faktoren bremsend auf die Teuerung im gemeinsamen Währungsraum wirken und insgesamt wieder reflationäre Kräfte walten, das Augenmerk wieder voll auf die Inflationsentwicklung der Euro-Mitgliedsländer, so die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Allein der Umstand, dass sich der Anstieg der Konsumentenpreise in Deutschland im Juni trotz der jüngsten Ölpreisentwicklung nicht weiter verlangsamt habe (1,5% in der Jahresrate im Mai und 1,6% im Juni), habe dem Euro zum US-Dollar einen neuen Aufwärtsimpuls verliehen und über Notierungen von 1,14 USD geschickt. Dabei seien für das Monatsplus von 0,2% vor allem der Zeitpunkt der Pfingstferien und damit die Entwicklung der Preise für Pauschalreisen maßgeblich gewesen.

Heute schwenke der Blick nun zur Preisentwicklung im gesamten Währungsraum. Zuletzt habe die Inflation hier kräftig von 1,9% gg. Vj. im April auf 1,4% gg. Vj. im Mai und damit dem tiefsten Stand seit rund einem halben Jahr nachgegeben. Im Juni würden die Analysten trotz der zumindest robusten deutschen Zahlen mit einem weiteren Rücksetzer der Inflation rechnen. Zum einen sei der zugrundeliegende Preisdruck in der Eurozone mit Blick auf niedrige Lohnzuwächse gering. Zum anderen dürften der Ölpreisrückgang und die Aufwertung des Euro perspektivisch einen Anstieg der Teuerung weiter hemmen.

Nicht einmal in Deutschland lasse sich bisher merklicher Lohndruck ausmachen, und das trotz der anhaltend guten Situation am heimischen Arbeitsmarkt. Im 1. Quartal seien die Tarifverdienste um 2,8% gg. Vj. gestiegen. Die heute anstehenden Daten sollten die exzellente Lage noch einmal bestätigen: Die Analysten würden mit einem erneuten Rückgang der Arbeitslosenzahl um 6.000 und einer unverändert niedrigen Arbeitslosenquote von 5,7% rechnen. Der solide Arbeitsmarkt habe zuletzt - auch dank steigender Einkommenserwartungen - zu einem Anstieg des Verbrauchervertrauens (GfK) auf das höchste Niveau seit 16 Jahren geführt. (30.06.2017/alc/a/a)