Eurozone: Die Gesamtinflation dürfte unter die 5%-Schwelle fallen


25.09.23 10:15
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Im Gegensatz zur EZB hat die US-Notenbank FED auf ihrer Zinssitzung im September die Leitzinsen unverändert belassen, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Das Zielband für die Federal Fund Rate liege bei 5,25% bis 5,5%. Dies sei allgemein erwartet und am Markt gepreist worden. Die Marktreaktion auf die FED-Sitzung sei jedoch stark gewesen. US-Treasury-Renditen seien gestiegen und der US-Dollar werte auf. Warum? Die aktualisierten Prognosen der FOMC-Mitglieder seien wohl der Grund. Einerseits rechne die Mehrheit der FOMC-Mitglieder weiterhin mit einer Zinserhöhung bis Jahresende und andererseits sei der erwartete Leitzinspfad für die kommenden beiden Jahre um 50 Basispunkte erhöht worden. Die FED teile dem Markt mit, dass die Leitzinsen noch länger hochgehalten würden und Zinssenkungen nicht unmittelbar bevorstünden. Die Prognosen der FOMC-Mitglieder sollten jedoch nicht mit einer Vorabverpflichtung der Zentralbank verwechselt werden. Außerdem würden die Meinungen der FOMC-Mitglieder weit auseinander gehen. Die FED bleibe datenabhängig und sollte sich die Wirtschaft anders entwickeln, werde auch der Pfad des Leitzinses anders ausfallen.

Die Analysten der RBI würden bei ihrer Ansicht bleiben, dass die FED mit den Zinserhöhungen fertig sei, seien aber auch der Meinung, dass Zinssenkungen nicht vor der Tür stünden. Angesichts des restriktiven Zinsniveaus (auch real) würden die Analysten der RBI jedoch davon ausgehen, dass die FED Mitte 2024 einen schrittweisen Zinssenkungszyklus einleiten könnte. Die Analysten der RBI hätten ihre Prognosen für US-Zinsen leicht angepasst, um dem in den letzten Wochen von den Märkten stärker reflektierten und nun auch durch die FED gestützten Narrativ "höher für länger" Rechnung zu tragen.

Währenddessen habe sich die SNB unter den Zentralbanken eingereiht, die bei ihrem Zinsentscheid für Überraschungen gesorgt hätten. Während die Märkte sowie Analyst:innen eine Zinserhöhung um 25 BP erwartet hätten, habe die SNB entschieden ob der rückläufigen Inflation die Zinsanhebungen zu pausieren. Seitens der SNB heiße es Abwarten und die Datenlage genau beobachten. Eine weitere Straffung der Geldpolitik könne für den Dezember nicht ausgeschlossen werden. Klar sei, Devisengeschäfte würden auch weiterhin ein Thema bleiben, um das Inflationsziel zu erreichen. Dabei stünden Interventionen zugunsten des Schweizer Franken im Fokus. Der Kampf gegen die Inflation in der Schweiz sei jedenfalls noch nicht vorbei.

In der laufenden Woche seien die Schnellschätzungen der Inflationsrate in der Eurozone ein Datenhighlight. Im September dürfte in der Währungsunion die Gesamtinflation im Jahresvergleich aufgrund starker Basiseffekte vor allem bei den Energie- und Nahrungsmittelpreisen weiter sinken. Die Gesamtinflation dürfte unter die 5%-Schwelle fallen und im September im Jahresvergleich 4,5% erreichen. Die Lebensmittelpreise scheinen ihren Höhepunkt erreicht zu haben, die monatliche Inflationsdynamik hat sich mehr oder weniger auf einem Niveau von vor 2022 normalisiert, so die Analysten der RBI. Andererseits sei die Energiepreisinflation in der Monatsbetrachtung positiv, was hauptsächlich auf die steigenden Kraftstoffpreise infolge der steigenden Ölpreise zurückzuführen sei. Dennoch überwiege bei den Energiepreisen der privaten Haushalte der Basiseffekt und der Beitrag der Energieinflation sei weiterhin negativ.

Bei der Kerninflation sei ebenfalls eine gewisse Verlangsamung zu erwarten. Vor allem die Dienstleistungspreise dürften im Jahresvergleich deutlich zurückgehen und zwar aus einem sehr speziellen Grund: Im September 2022 sei das 9-Euro-Ticket in Deutschland ausgelaufen, was die Dienstleistungsinflation in weiterer Folge trotz ihres geringen Gewichts im Warenkorb stark erhöht habe. Im September 2023 werde dieser Effekt aus der Inflationsberechnung entfallen. Daher dürfte selbst die Kerninflation unter 5% sinken und im September 2023 4,8% im Jahresvergleich erreichen.

Neben den Inflationsdaten erscheinen in der Eurozone nächste Woche einige Stimmungsindikatoren, so die Analysten der RBI. Zuerst sei hier auf den deutschen ifo-Index für den Monat September zu verweisen. Während sich hier die Erwartungskomponente den RBI-Schätzungen zufolge mit einer Entwicklung von 82,6 zu 82,5 Punkten kaum verändern sollte, würden die Analysten der RBI beim Indikator für die aktuelle Lage eine Verschlechterung von 89 auf 87,5 Punkte prognostizieren. Bezüglich des Index für das Geschäftsklima würde dies eine Verschlechterung von 85,7 auf 84,9 Punkte implizieren. In weiterer Folge würden auch die September-Werte der Stimmungsindikatoren der europäischen Kommission (ESI) erscheinen. Hier würden die RBI-Prognosen nahelegen, dass sich das Industrievertrauen mit -10,5 Punkten nicht weit von dem bereits niedrigen Vormonatswert von -10,3 Punkten entfernen sollte. Bei Wirtschafts- und Dienstleistungsvertrauen sähen die Analysten der RBI hingegen eine weitere Eintrübung als wahrscheinlich an, sie würden einen Abschwung von 93,3 auf 92,1 Punkte (Wirtschaftsvertrauen) und von 3,9 auf 2,7 Punkte (Dienstleistungsvertrauen) erwarten.

In den USA werde das Hauptaugenmerk diese Woche auf den Daten zur PCE-Inflation im Monat August liegen. Dieser Indikator sei die präferierte Inflationsmaßzahl der Federal Reserve und habe somit große Relevanz für den datenabhängigen Entscheidungspfad der Notenbank. Die zuletzt verbuchten monatlichen Wachstumsraten in Höhe von 0,2% p.m. bei Gesamt- und Kerninflation hätten auf einen soliden Inflationsabbau hingewiesen. Bezüglich der Kerninflation gehe der Konsens aktuell davon aus, dass abermals ein Monatswachstum von 0,2% p.m. zu Buche stehen werde.

Auch die dritte und somit finale Schätzung zum BIP-Wachstum im zweiten Quartal in den USA werde diese Woche veröffentlicht. Nachdem die initiale Veröffentlichung im Rahmen der zweiten Schätzung von 2,4% auf 2,1% hinabrevidiert worden sei, würden erste Prognosen nun von einer leichten Aufwärtsrevision auf 2,2% ausgehen (sämtliche Werte p.q. und annualisiert). Für das aktuell laufende dritte Quartal veranschlage der GDP-Nowcast der Atlanta FED indessen ein Wachstum in Höhe von 4,9%. Der seit kurzem nach pandemiebedingter Pause wieder veröffentlichte Nowcast der New York FED weise hingegen auf ein Wachstum von 2,3% hin (Werte abermals p.q. und annualisiert) - es bleibe abzuwarten, wo der tatsächliche Wert zu liegen kommen werde. Es scheine, als ob der private Konsum eine stabile Stütze für die US-Konjunktur darstelle. Die monatlichen Konsumausgaben, welche im Zuge der PCE-Inflation veröffentlicht würden und direkt in die BIP-Berechnung eingehen würden, würden Aufschluss darüber geben, ob sich dies weiter fortsetze. (Ausgabe vom 22.09.2023) (25.09.2023/alc/a/a)