Eurozone: Fortsetzung des Inflationsanstiegs erwartet


05.01.17 15:36
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - In der Eurozone stehen in den kommenden Tagen v.a. Daten zur Industrieproduktion im November an, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

In Deutschland (9.1.) sei nach einem soliden Anstieg im Oktober eine moderate Gegenbewegung zu erwarten. In Frankreich (10.1.) sollte hingegen ein moderates Plus ausgewiesen werden. Auch für Italien (12.1.) dürfte sich die Industrieproduktion wieder leicht erholt haben. Somit ergebe sich für die Eurozone als Ganzes (12.1.) die Erwartung eines moderaten Anstiegs. Allerdings seien die Erhebungen zuletzt oft von statistischen Effekten verzerrt gewesen und hätten größeren Schwankungen unterlegen.

Die Industrieumfragen (z.B. PMI) würden hingegen weiterhin eine klar verbesserte Geschäftslage in der europäischen Industrie signalisieren. Dies sollte sich auch in den Sentimentindikatoren der EU-Kommission für den Industriesektor widerspiegeln (6.1.). Mit der Sentix-Umfrage (9.1.) werde nächste Woche zudem das erste Stimmungsbild unter den Marktteilnehmern im neuen Jahr gezeichnet. Die Analysten würden erwarten, dass die befragten Finanzanalysten die Lage etwas positiver einschätzen würden als im Vormonat.

Bezüglich der Inflation hätten die Dezember-Schnellschätzungen für Deutschland, Frankreich, Spanien und die Eurozone einen klaren Aufwärtstrend erkennen lassen. In den kommenden Monaten würden die Analysten aufgrund der Ölpreisentwicklung eine Fortsetzung des Inflationsanstiegs erwarten. Diese Entwicklung scheine in den am Markt gepreisten Inflationserwartungen trotz der jüngsten Aufwärtskorrektur weiterhin unvollständig abgebildet. So notiere die 5J-5J Forward Inflation aktuell zwischen 1,7% und 1,8%, der 10J-Break Even deutscher inflationsindexierter Anleihen liege bei nur 1,4%.

Bei diesen Werten müsse zudem berücksichtigt werden, dass sie neben der tatsächlichen Inflationserwartung auch eine Inflationsrisikoprämie enthalten würden. Diese entspreche konzeptuell einer Versicherungsprämie für den Kaufkraftschutz. Sie variiere mit dem Schwankungsgrad der Inflationsrate. In der Eurozone werde diese Prämie auf ca. 20BP geschätzt. Da die Rendite für kurzlaufende deutsche Staatsanleihen durch die Geldpolitik weitgehend fixiert sei, sollte die Anpassung der Inflationserwartungen primär für einen Anstieg am mittleren und langen Ende der Renditekurve sorgen.

Zwar habe die Rendite der 10-jährigen deutschen Staatsanleihe bereits auf die Inflationszahlen im Dezember mit einem Anstieg von 10 BP reagiert. Damit habe sie jedoch ihren Rückgang zum Jahresende ausgeglichen. In den kommenden Monaten würden die Analysten eine weitere Versteilung der deutschen Renditekurve über das lange Ende erwarten und daher fünf- und zehnjährige deutsche Staatsanleihen weiter zum Verkauf empfehlen.

Die Risikoprämien der meisten Euroländer hätten sich während des letzten Monats wieder etwas zurückgebildet. Auf ein bis vier Monate würden die Analysten hier weiter unterschiedliche Entwicklungen erwarten. So würden die Analysten für Österreich, Frankreich und Irland noch ein gewisses Potenzial gegenüber der deutschen Benchmark sehen.

Für die südlichen Euroländer Italien, Spanien und Portugal würden die Analysten weiterhin eine vorsichtigere Positionierung bevorzugen und daher ihre Empfehlung auf Halten belassen. (05.01.2017/alc/a/a)