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Eurozone: Eine Zinsanhebung im Oktober um 75 Basispunkte scheint als gesetzt
17.10.22 09:30
Raiffeisen Bank International AG
Wien (www.anleihencheck.de) - Am Datenkalender ist diese Woche wenig Nennenswertes hervorzuheben, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).
Erste Stimmungsindikatoren für den Monat Oktober, ZEW und Konsumentenvertrauen in Europa sowie der Empire State Index und der Philly FED Index in den USA würden wohl die vorherrschend schlechte Konjunkturstimmung bestätigen, inklusive der regionalen Differenzierung einer betrübteren Stimmung in Europa. In den USA werde darüber hinaus noch die Industrieproduktion für den Monat September veröffentlicht. Das Verarbeitende Gewerbe habe zuletzt eine stagnierende Produktionsleistung (0,1% p.m. im 3-Monatsschnitt) verzeichnet und auch im September werde ein monatliches Wachstum nahe der Null-Marke erwartet. Auch der ISM-Index deute darauf hin, habe die Produktionskomponente für das Verarbeitende Gewerbe zuletzt bei 50,6 Punkten gelegen.
In den USA halte der Kerninflationsdruck weiter an. Die Verbraucherpreisinflation habe wie erwartet ein ähnliches Muster widergespiegelt wie im August. Das heiße, die monatliche Veränderung der Güter und Dienstleistungspreise des Kern-Warenkorbs sei mit 0,6% abermals hoch gewesen, während der Gesamtindex aufgrund von sinkenden Energiepreisen (-2,1% p.m.) mit 0,4% p.m. weniger stark angestiegen sei. Es sei jedoch zu bemerken, dass der Rückgang der Energiepreise deutlich geringer ausgefallen sei als noch im August (-5% p.m.). In Hinblick auf jährliche Preisveränderungen bedeute dies, dass die Inflationsrate nun bei 8,2% p.a. stehe (vs. 8,3% im Vormonat) und die Kernrate bei 6,6% p.a. (vs. 6,3% im Vormonat).
Besonderes Augenmerk müsse man aktuell auch den Lebensmittelpreisen schenken, welche nach wie vor rasch steigen würden (0,8% p.m.). Unter den Kategorien der Kerninflation seien es diesmal vor allem Dienstleistungspreise gewesen, welche zum Anstieg der Kerninflation beigetragen hätten, während Güterpreise (ex Energie und Lebensmittel) stagniert hätten.
An den Finanzmärkten sei die US-Inflationsveröffentlichung postwendend als hawkisches Signal gedeutet worden und die Erwartungen zum FED-Leitzinspfad seien nach oben korrigiert worden. Die erwartete Terminal Rate sei auf 5% gestiegen, Treasury-Renditen hätten zugelegt, die Rendite-Kurve habe sich weiter invertiert und der US-Dollar habe gegenüber dem Euro aufgewertet. Da unsere Prognosen auf Sicht der nächsten Monate eine hawkische Marktpositionierung gegenüber der FED bereits unterstellen ist diese Marktreaktion im Einklang mit unserem Prognosebild, so die Analysten der RBI.
In der Eurozone hätten sich in den vergangenen Tagen viele EZB-Ratsmitglieder zu Wort gemeldet. Dabei habe es natürlich die erwartbare Meinungsvielfalt mit ausgesprochen hawkischen Signalen (rasche Zinsanhebungen mit Signal für eine bald restriktive Geldpolitik) und sehr dovishe Positionierungen gegeben (graduelle Zinsanhebungen - sprich kleine Schritte). In Summe habe sich ein erstaunlich konkreter Pfad für die kommenden Entscheidungen abgezeichnet. Im Oktober scheine eine Zinsanhebung um 75 Basispunkte als gesetzt. Für Dezember dürfte die Wahl zwischen 50 und nochmals 75 Basispunkte getroffen werden. Zu Beginn 2023 sollten die Leitzinsen weiter angehoben werden, allerdings eher in einem geringeren Tempo. Dies deute auf jeweils 25 Basispunkte im Februar und März hin.
Darüber hinaus dürfte gegen Ende oder nach Abschluss der Leitzinsanhebungen bzw. frühestens im zweiten Quartal oder gegen Jahresmitte 2023 der Einstieg in den Bilanzabbau (Quantitative Tightening - QT) erfolgen. Dieser werde sich sehr wahrscheinlich nur auf das APP Portfolio beziehen, das PEPP Volumen solle wohl wie beschlossen bis Ende 2024 voll reinvestiert werden. QT werde dann aller Voraussicht nicht durch einen aktiven Abverkauf vorangetrieben, sondern durch eine Verringerung der Reinvestitionen fälliger Anleihen. Die wirtschaftlichen Unsicherheiten seien hoch und die EZB behalte sich vor, ad hoc von Meeting zum Meeting zu entscheiden. (Ausgabe vom 14.10.2022) (17.10.2022/alc/a/a)
Erste Stimmungsindikatoren für den Monat Oktober, ZEW und Konsumentenvertrauen in Europa sowie der Empire State Index und der Philly FED Index in den USA würden wohl die vorherrschend schlechte Konjunkturstimmung bestätigen, inklusive der regionalen Differenzierung einer betrübteren Stimmung in Europa. In den USA werde darüber hinaus noch die Industrieproduktion für den Monat September veröffentlicht. Das Verarbeitende Gewerbe habe zuletzt eine stagnierende Produktionsleistung (0,1% p.m. im 3-Monatsschnitt) verzeichnet und auch im September werde ein monatliches Wachstum nahe der Null-Marke erwartet. Auch der ISM-Index deute darauf hin, habe die Produktionskomponente für das Verarbeitende Gewerbe zuletzt bei 50,6 Punkten gelegen.
In den USA halte der Kerninflationsdruck weiter an. Die Verbraucherpreisinflation habe wie erwartet ein ähnliches Muster widergespiegelt wie im August. Das heiße, die monatliche Veränderung der Güter und Dienstleistungspreise des Kern-Warenkorbs sei mit 0,6% abermals hoch gewesen, während der Gesamtindex aufgrund von sinkenden Energiepreisen (-2,1% p.m.) mit 0,4% p.m. weniger stark angestiegen sei. Es sei jedoch zu bemerken, dass der Rückgang der Energiepreise deutlich geringer ausgefallen sei als noch im August (-5% p.m.). In Hinblick auf jährliche Preisveränderungen bedeute dies, dass die Inflationsrate nun bei 8,2% p.a. stehe (vs. 8,3% im Vormonat) und die Kernrate bei 6,6% p.a. (vs. 6,3% im Vormonat).
An den Finanzmärkten sei die US-Inflationsveröffentlichung postwendend als hawkisches Signal gedeutet worden und die Erwartungen zum FED-Leitzinspfad seien nach oben korrigiert worden. Die erwartete Terminal Rate sei auf 5% gestiegen, Treasury-Renditen hätten zugelegt, die Rendite-Kurve habe sich weiter invertiert und der US-Dollar habe gegenüber dem Euro aufgewertet. Da unsere Prognosen auf Sicht der nächsten Monate eine hawkische Marktpositionierung gegenüber der FED bereits unterstellen ist diese Marktreaktion im Einklang mit unserem Prognosebild, so die Analysten der RBI.
In der Eurozone hätten sich in den vergangenen Tagen viele EZB-Ratsmitglieder zu Wort gemeldet. Dabei habe es natürlich die erwartbare Meinungsvielfalt mit ausgesprochen hawkischen Signalen (rasche Zinsanhebungen mit Signal für eine bald restriktive Geldpolitik) und sehr dovishe Positionierungen gegeben (graduelle Zinsanhebungen - sprich kleine Schritte). In Summe habe sich ein erstaunlich konkreter Pfad für die kommenden Entscheidungen abgezeichnet. Im Oktober scheine eine Zinsanhebung um 75 Basispunkte als gesetzt. Für Dezember dürfte die Wahl zwischen 50 und nochmals 75 Basispunkte getroffen werden. Zu Beginn 2023 sollten die Leitzinsen weiter angehoben werden, allerdings eher in einem geringeren Tempo. Dies deute auf jeweils 25 Basispunkte im Februar und März hin.
Darüber hinaus dürfte gegen Ende oder nach Abschluss der Leitzinsanhebungen bzw. frühestens im zweiten Quartal oder gegen Jahresmitte 2023 der Einstieg in den Bilanzabbau (Quantitative Tightening - QT) erfolgen. Dieser werde sich sehr wahrscheinlich nur auf das APP Portfolio beziehen, das PEPP Volumen solle wohl wie beschlossen bis Ende 2024 voll reinvestiert werden. QT werde dann aller Voraussicht nicht durch einen aktiven Abverkauf vorangetrieben, sondern durch eine Verringerung der Reinvestitionen fälliger Anleihen. Die wirtschaftlichen Unsicherheiten seien hoch und die EZB behalte sich vor, ad hoc von Meeting zum Meeting zu entscheiden. (Ausgabe vom 14.10.2022) (17.10.2022/alc/a/a)


