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Eurozone: Bund-Renditen kommen ins Laufen
06.04.22 12:06
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Das BIP der Eurozone dürfte in diesem Jahr nur noch um 2,9% expandieren, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.
Vor der Invasion Russlands in der Ukraine seien die Analysten noch von 4,2% ausgegangen. Die Inflation sollte zunächst noch weiter steigen. Die langfristigen Bundrenditen würden sie am Jahresende bei 1,25% und den EZB-Leitzins bei 0,50% sehen.
Die Rückwirkungen eines Erdgaslieferstopps würden in der Eurozone besonders Deutschland und Italien spüren. Hier dürfte das BIP gemäß dem Sachverständigenrat für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung um jeweils rund 2% niedriger ausfallen als ohne diese Restriktionen. In Frankreich hingegen sei mit einem geringeren Effekt von nur 0,1% zu rechnen und in Spanien wäre der Effekt kaum sichtbar. Hier mache sich bemerkbar, dass Frankreich durch seine Ausrichtung auf Atomstrom weitaus weniger Erdgas benötige, während Spanien über Algerien und über mehrere Flüssiggasterminals sein Erdgas beziehe und von russischem Erdgas weitestgehend unabhängig sei. Das Wachstum der Eurozone könnte auch durch die höheren Ölpreise beeinträchtigt werden. Für Deutschland veranschlage der Sachverständigenrat einen negativen Effekt zwischen 0,4 bis 0,8% des BIP, wenn der Ölpreis im Durchschnitt 40% über dem Wert des Vorjahres liege.
Insbesondere die Verteuerung der Produktion werde voraussichtlich die Investitionstätigkeit stark belasten. Das zeige die jüngste Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelstages sowie die Erfahrungen aus den 1970er Jahren, als die Investitionstätigkeit vor allem nach dem Ausbruch der Ölkrise von 1973 kräftig nach unten gegangen sei. Die Zahlen würden jedoch auch zeigen, dass der private Konsum relativ stabil geblieben sei. Dies könnte auch dieses Mal so sein, da die Sparquote in der Eurozone mit 15,4% weiterhin über dem langfristigen Durchschnitt von 13,4% liege und reale Einkommenseinbußen daher aufgefangen werden können. Weiter gelte, dass die Auftragsbücher voll seien und nachfrageseitig daher keine Einschränkungen drohen würden.
Vor dem Hintergrund der hohen Inflation seien die langfristigen Bundrenditen kräftig gestiegen und hätten zeitweilig die Marke von 0,70% überschritten. Die EZB werde die Anleiheankäufe im Laufe von Q3 einstellen und damit den Weg für eine erste Leitzinserhöhung freimachen. Solange eine tiefe Rezession nicht in Sichtweite sei, werde die EZB an ihren vermutlich geplanten Zinserhöhungen festhalten. Die langfristigen Renditen würden bis Ende 2023 auf voraussichtlich 1,65% steigen. (Ausgabe April 2022) (06.04.2022/alc/a/a)
Vor der Invasion Russlands in der Ukraine seien die Analysten noch von 4,2% ausgegangen. Die Inflation sollte zunächst noch weiter steigen. Die langfristigen Bundrenditen würden sie am Jahresende bei 1,25% und den EZB-Leitzins bei 0,50% sehen.
Insbesondere die Verteuerung der Produktion werde voraussichtlich die Investitionstätigkeit stark belasten. Das zeige die jüngste Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelstages sowie die Erfahrungen aus den 1970er Jahren, als die Investitionstätigkeit vor allem nach dem Ausbruch der Ölkrise von 1973 kräftig nach unten gegangen sei. Die Zahlen würden jedoch auch zeigen, dass der private Konsum relativ stabil geblieben sei. Dies könnte auch dieses Mal so sein, da die Sparquote in der Eurozone mit 15,4% weiterhin über dem langfristigen Durchschnitt von 13,4% liege und reale Einkommenseinbußen daher aufgefangen werden können. Weiter gelte, dass die Auftragsbücher voll seien und nachfrageseitig daher keine Einschränkungen drohen würden.
Vor dem Hintergrund der hohen Inflation seien die langfristigen Bundrenditen kräftig gestiegen und hätten zeitweilig die Marke von 0,70% überschritten. Die EZB werde die Anleiheankäufe im Laufe von Q3 einstellen und damit den Weg für eine erste Leitzinserhöhung freimachen. Solange eine tiefe Rezession nicht in Sichtweite sei, werde die EZB an ihren vermutlich geplanten Zinserhöhungen festhalten. Die langfristigen Renditen würden bis Ende 2023 auf voraussichtlich 1,65% steigen. (Ausgabe April 2022) (06.04.2022/alc/a/a)


