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Euroraum: Nach wie vor das Risiko einer zweistelligen Inflation
24.10.22 09:45
Raiffeisen Bank International AG
Wien (www.anleihencheck.de) - Die Inflations-Schnellschätzungen für Oktober werden interessant zu beobachten sein, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).
Nachdem der Euroraum knapp an einer zweistelligen Inflationsrate vorbeigeschrammt sei (die Schnellschätzung von 10% p.a. sei auf 9,9% revidiert worden), bestehe nach wie vor das Risiko einer zweistelligen Inflation. Da die Preise an den Zapfsäulen in etwa stabil geblieben seien und die Lebensmittelpreise auf eine Verlangsamung hinweisen würden, werde die Inflation durch die Regulierung der Energiepreise etwas nach oben getrieben. Das Problem sei, dass die Regulierungsbehörden in mehreren Ländern zu Quartalsbeginn neue regulierte Energiepreise bekannt geben würden.
Während die Energiepreise auf den Großhandelsmärkten deutlich gesunken seien, werde sich dies in den regulierten Preisen noch nicht niederschlagen. Infolgedessen würden die Analysten der RBI mit einem Anstieg der Inflation in Italien rechnen, das mit einer Inflationsrate von über 10% im Jahresvergleich zu Deutschland in den zweistelligen Bereich aufschließen könnte. Andererseits bedeute die strenge Regulierung in Frankreich und Spanien, dass die Inflation in diesen beiden Ländern im Jahresvergleich in etwa auf ihrem derzeitigen Niveau bleiben dürfte. In Deutschland wirke sich die Abschaffung der Gasabgabe in letzter Minute wesentlich milder aus, aber ein Basiseffekt aus sehr niedrigen Preissteigerungen im Oktober 2021 bedeute, dass die Inflation im Oktober 2022 11% überschreiten könnte.
Neben all den Daten stehe mit der EZB Zinssitzung ein zusätzliches Highlight am Programm. Zwar gebe die Notenbank keine Guidance mehr zum Leitzinspfad, dennoch scheine dieses Mal die Entscheidung allgemein klar. Die Leitzinsen würden erneut um 75 Basispunkte angehoben. Zudem sei ein klares Signal für eine weitere signifikante Leitzinssteigerung auf der finalen Sitzung dieses Jahr im Dezember zu erwarten. Im Hinblick zur Leitzinssetzung erscheine es den Analysten der RBI schwierig, dass die EZB "hawkish" überrasche.
Allerdings könnten Informationen zu weiteren Instrumenten verlautbart werden, welche am Markt für Bewegung sorgen würden. Zum ersten scheine die EZB erpicht zu sein, die aktuell günstigen Konditionen für die ausstehenden TLTROs zurückzuschrauben. Sollten dadurch rasche vorzeitige Rückzahlungen beabsichtigt werden - allein bis Mitte 2023 würden rund EUR 1350 Mrd. fällig - so wäre dies als Einstieg in den Bilanzabbau zu werten. Dieser dürfte zweitens im Hinblick auf die akkumulierten Anleihekäufe ohnedies nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen. Sei noch bis vor wenigen Wochen der Analystenkonsens (Bloomberg) gewesen, dass Reinvestitionen noch zumindest das ganze nächste Jahr fortgesetzt würden, so sollten die jüngsten Kommentare von Ratsmitgliedern dieses Meinungsbild verändert haben.
Die Analysten der RBI würden bei ihrer seit längerem kommunizierten Auffassung bleiben, dass bereits unmittelbar nach dem Ende des Zinsanhebungszyklus (Q1'23) fällige Anleihen des Asset Purchase Programme (APP) dann nicht mehr im vollen Ausmaß reinvestiert würden (Q2'23). Die Analysten der RBI würden sich dazu keine Entscheidung auf der kommenden Sitzung erwarten. Es gelte aber genau darauf zu achten, ob ein Abschmelzen des Anleihebestands bereits früher angedeutet werde - also wie bei der US FED parallel zu Leitzinsanhebungen erfolgen werde.
Auch in den USA stehe mit der Veröffentlichung des BIP-Wachstums für das dritte Quartal ein Highlight bevor. Nach zwei Quartalen mit negativen Quartalswachstumsraten von annualisiert -1,6% p.q. im Q1 und -0,6% p.q. im Q2 sei davon auszugehen, dass die Wirtschaftsleistung im dritten Quartal wieder habe zulegen können. Ein viel beachteter Nowcast der Federal Reserve of Atlanta weise einen Wert von annualisiert 2,9% p.q. aus. Insbesondere Netto-Exporte würden wohl zum positiven Wachstum beitragen, während Wohnbauinvestitionen abermals rückläufig sein sollten (das sechste Quartal in Folge!). Ob auch der private Konsum abermals einen positiven Wachstumsbeitrag liefern könne, sei noch nicht klar (aber wahrscheinlich), würden doch erst diese Woche die September-Zahlen veröffentlicht. In Summe erscheine es so, als ob die BIP-Veröffentlichung insbesondere im Vergleich zu den ersten beiden Quartalen des Jahres ein positives Licht auf die US-Konjunkturentwicklung werfen könnte.
Im aktuellen Umfeld anhaltend hoher Inflation würden positive Konjunktursignale oft als hawkishes Signal für die Zinsmärkte interpretiert, da dies der Federal Reserve ermögliche, sich voll und ganz auf die Inflationsbekämpfung zu konzentrieren. Zwei Wochen vor der nächsten Zinssitzung am 2. November hätten sich in den letzten Tagen einige FOMC-Mitglieder zu Wort gemeldet. Diese könnten so zusammengefasst werden, dass die jüngste FOMC-Prognose der Terminal Rate zwischen 4,5% und 4,75% wohl als noch plausibler Anhaltspunkt diene, der aber mit Aufwärtsrisiken behaftet sei. Eine Zinserhöhung um 75 Basispunkte auf der nächsten Zinssitzung gelte nach wie vor als wahrscheinlich, ob bereits im Dezember eine Entschleunigung des Zinsanhebungszyklus auf 50 Basispunkte erfolgen werde, werde am Finanzmarkt aber zunehmend hinterfragt. FOMC-Mitglieder hätten sich dazu nicht äußern wollen, man denke von Zinssitzung zu Zinssitzung. Treasury-Renditen seien in den letzten Tagen nochmals deutlich gestiegen und befänden sich nun sehr nahe der Prognosen der Analysten der RBI zu Jahresende von 4,6% für die 2-jährige Rendite und 4,2% für die 10-jährige Rendite. (Ausgabe vom 21.10.2022) (24.10.2022/alc/a/a)
Nachdem der Euroraum knapp an einer zweistelligen Inflationsrate vorbeigeschrammt sei (die Schnellschätzung von 10% p.a. sei auf 9,9% revidiert worden), bestehe nach wie vor das Risiko einer zweistelligen Inflation. Da die Preise an den Zapfsäulen in etwa stabil geblieben seien und die Lebensmittelpreise auf eine Verlangsamung hinweisen würden, werde die Inflation durch die Regulierung der Energiepreise etwas nach oben getrieben. Das Problem sei, dass die Regulierungsbehörden in mehreren Ländern zu Quartalsbeginn neue regulierte Energiepreise bekannt geben würden.
Während die Energiepreise auf den Großhandelsmärkten deutlich gesunken seien, werde sich dies in den regulierten Preisen noch nicht niederschlagen. Infolgedessen würden die Analysten der RBI mit einem Anstieg der Inflation in Italien rechnen, das mit einer Inflationsrate von über 10% im Jahresvergleich zu Deutschland in den zweistelligen Bereich aufschließen könnte. Andererseits bedeute die strenge Regulierung in Frankreich und Spanien, dass die Inflation in diesen beiden Ländern im Jahresvergleich in etwa auf ihrem derzeitigen Niveau bleiben dürfte. In Deutschland wirke sich die Abschaffung der Gasabgabe in letzter Minute wesentlich milder aus, aber ein Basiseffekt aus sehr niedrigen Preissteigerungen im Oktober 2021 bedeute, dass die Inflation im Oktober 2022 11% überschreiten könnte.
Allerdings könnten Informationen zu weiteren Instrumenten verlautbart werden, welche am Markt für Bewegung sorgen würden. Zum ersten scheine die EZB erpicht zu sein, die aktuell günstigen Konditionen für die ausstehenden TLTROs zurückzuschrauben. Sollten dadurch rasche vorzeitige Rückzahlungen beabsichtigt werden - allein bis Mitte 2023 würden rund EUR 1350 Mrd. fällig - so wäre dies als Einstieg in den Bilanzabbau zu werten. Dieser dürfte zweitens im Hinblick auf die akkumulierten Anleihekäufe ohnedies nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen. Sei noch bis vor wenigen Wochen der Analystenkonsens (Bloomberg) gewesen, dass Reinvestitionen noch zumindest das ganze nächste Jahr fortgesetzt würden, so sollten die jüngsten Kommentare von Ratsmitgliedern dieses Meinungsbild verändert haben.
Die Analysten der RBI würden bei ihrer seit längerem kommunizierten Auffassung bleiben, dass bereits unmittelbar nach dem Ende des Zinsanhebungszyklus (Q1'23) fällige Anleihen des Asset Purchase Programme (APP) dann nicht mehr im vollen Ausmaß reinvestiert würden (Q2'23). Die Analysten der RBI würden sich dazu keine Entscheidung auf der kommenden Sitzung erwarten. Es gelte aber genau darauf zu achten, ob ein Abschmelzen des Anleihebestands bereits früher angedeutet werde - also wie bei der US FED parallel zu Leitzinsanhebungen erfolgen werde.
Auch in den USA stehe mit der Veröffentlichung des BIP-Wachstums für das dritte Quartal ein Highlight bevor. Nach zwei Quartalen mit negativen Quartalswachstumsraten von annualisiert -1,6% p.q. im Q1 und -0,6% p.q. im Q2 sei davon auszugehen, dass die Wirtschaftsleistung im dritten Quartal wieder habe zulegen können. Ein viel beachteter Nowcast der Federal Reserve of Atlanta weise einen Wert von annualisiert 2,9% p.q. aus. Insbesondere Netto-Exporte würden wohl zum positiven Wachstum beitragen, während Wohnbauinvestitionen abermals rückläufig sein sollten (das sechste Quartal in Folge!). Ob auch der private Konsum abermals einen positiven Wachstumsbeitrag liefern könne, sei noch nicht klar (aber wahrscheinlich), würden doch erst diese Woche die September-Zahlen veröffentlicht. In Summe erscheine es so, als ob die BIP-Veröffentlichung insbesondere im Vergleich zu den ersten beiden Quartalen des Jahres ein positives Licht auf die US-Konjunkturentwicklung werfen könnte.
Im aktuellen Umfeld anhaltend hoher Inflation würden positive Konjunktursignale oft als hawkishes Signal für die Zinsmärkte interpretiert, da dies der Federal Reserve ermögliche, sich voll und ganz auf die Inflationsbekämpfung zu konzentrieren. Zwei Wochen vor der nächsten Zinssitzung am 2. November hätten sich in den letzten Tagen einige FOMC-Mitglieder zu Wort gemeldet. Diese könnten so zusammengefasst werden, dass die jüngste FOMC-Prognose der Terminal Rate zwischen 4,5% und 4,75% wohl als noch plausibler Anhaltspunkt diene, der aber mit Aufwärtsrisiken behaftet sei. Eine Zinserhöhung um 75 Basispunkte auf der nächsten Zinssitzung gelte nach wie vor als wahrscheinlich, ob bereits im Dezember eine Entschleunigung des Zinsanhebungszyklus auf 50 Basispunkte erfolgen werde, werde am Finanzmarkt aber zunehmend hinterfragt. FOMC-Mitglieder hätten sich dazu nicht äußern wollen, man denke von Zinssitzung zu Zinssitzung. Treasury-Renditen seien in den letzten Tagen nochmals deutlich gestiegen und befänden sich nun sehr nahe der Prognosen der Analysten der RBI zu Jahresende von 4,6% für die 2-jährige Rendite und 4,2% für die 10-jährige Rendite. (Ausgabe vom 21.10.2022) (24.10.2022/alc/a/a)
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| 2,70 % | 1,90 % | 0,80 % | +42,11% | 22.04./22:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
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