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Europe First - Politische und ökonomische Perspektiven hellen sich deutlich auf


09.05.17 12:00
Bank J. Safra Sarasin AG

Basel (www.anleihencheck.de) - Es waren sieben sehr magere Jahre in Europa seit dem ersten griechischen Rettungspaket, dessen Jahrestag am Mittwoch nicht unbedingt gefeiert werden muss, so Karsten Junius, Chefökonom der Bank J. Safra Sarasin AG.

Aber nicht nur wegen des Ausgangs der französischen Präsidentschaftswahl seien die politischen und ökonomischen Risiken in der Währungsunion deutlich zurückgegangen. Erstmals seit Jahren sind die Analysten der Bank J. Safra Sarasin AG optimistischer für die Eurozone als für die USA.

Inzwischen sei es klar, dass die Entscheidung vom 10. Mai 2010, Griechenland vor der Zahlungsunfähigkeit zu bewahren, finanziell und sozial sehr hohe Kosten mit sich gebracht habe und nicht die endgültige Lösung für die griechischen oder europäischen Probleme gewesen sei. In dem sich anschließenden Anpassungsprozess sei die Arbeitslosigkeit in Griechenland von 11,1% auf 23,5% gestiegen, während das Bruttoinlandsprodukt nominal um 26% zurückgegangen sei. Das Rettungspaket sei allerdings nicht nur aus Sorge um Griechenland, sondern vielmehr auch aus Furcht vor Ansteckungseffekten auf das europäische Finanzsystem geschnürt worden - insbesondere auf französische und deutsche Banken, die einen Großteil der ausstehenden griechischen Anleihen gehalten hätten.

Seitdem seien die Kurse von Bankaktien trotzdem um durchschnittlich 14% gefallen, während der EURO STOXX 50 insgesamt 44% habe zulegen können. Auch habe sich der Euro gegenüber dem US-Dollar um 14% und gegen über dem Schweizer Franken um 23% abgeschwächt. Die Athener Börse habe Kursrückgänge um 54% verzeichnet, obwohl die Renditen 10-jähriger griechischer Staatsanleihen nach zwischenzeitlichem Schuldenschnitt um 6,5 Prozentpunkte gefallen seien. Erfolgsgeschichten würden anders aussehen.

Die Analysten der Bank J. Safra Sarasin AG sind optimistisch, dass die kommenden Quartale in der Währungsunion einen deutlich besseren Trend aufweisen. Die großen politischen Risiken hätten sich in diesem Jahr nicht materialisiert. Weitere EU oder Euro-Referenden müssten daher erst einmal nicht gefürchtet werden. Stattdessen habe Macron in Frankreich sogar mit einem ausgesprochen klaren Bekenntnis zu Europa gewinnen können. Klar sei aber auch, dass Reformen notwendig seien, die die europäische Bevölkerung von ihren gemeinsamen Institutionen nicht weiter entfremde. Genau dafür sei das zukünftige Umfeld aber günstig.

Die EZB habe deutlich gemacht, dass sie die Finanzierungsbedingungen noch nicht verschärfen möchte. Das Bruttoinlandsprodukt sei bereits im 1. Quartal über Potenzial gewachsen und die vorlaufenden Konjunkturindikatoren würden von einem Mehrjahreshoch zum nächsten eilen. Daher rechnen die Analysten der Bank J. Safra Sarasin AG auch für den weiteren Jahresverlauf mit überdurchschnittlichem Wachstum, das zu rückläufiger Arbeitslosigkeit und stärker steigenden Löhnen beitragen sollte. Höhere Lohnsummen wiederum würden die Basis für eine konsumgetriebene Expansion im nächsten Jahr legen. An den Finanzmärkten spiegele sich das noch nicht ganz wider, ganz im Unterschied zu den USA.

Die Erwartungen bezüglich des zukünftigen Wachstums und steuerpolitischer Stimulierungen seien weiter hoch; zu hoch nach Einschätzung der Analysten. Die zwar guten, aber nicht mehr positiv überraschenden Konjunkturindikatoren würden bereits ein eher durchschnittliches Wachstum signalisieren. Und Griechenland? Die relativ lautlose Einigung zwischen der griechischen Regierung und ihren Gläubigern letzte Woche habe gezeigt, dass auch hier die politischen und finanziellen Risiken zurückgehen würden. Die im Juli fällige Kredittranche sollte nun keine mehr so große Hürde darstellen wie noch zu Jahresbeginn befürchtet. Die sieben mageren Jahre mögen nun hinter Euroland liegen, so die Analysten der Bank J. Safra Sarasin AG. Es sei zu hoffen, dass die folgenden Jahre nun besser genutzt würden als die vor der Staatsschuldenkrise. (09.05.2017/alc/a/a)