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Europäischer Rentenmarkt bleibt Spielball der EZB
21.10.16 11:34
Weberbank
Berlin (www.anleihencheck.de) - Das war also die dritte und letzte TV-Debatte zwischen Hillary Clinton und Donald Trump, so die Analysten der Weberbank.
Nach derzeitigem Stand der Prognosen werde wohl der 45. Präsident der Vereinigten Staaten erstmals eine Frau werden. Damit dürfte der Unsicherheitsfaktor "Trump" abgewendet worden sein und die Kapitalmärkte könnten ein wenig aufatmen.
Doch man solle einmal diesen fragwürdigen Wahlkampf um das wichtigste Amt in der vermutlich wichtigsten Volkswirtschaft der Welt vergessen und sich lieber der Konjunkturentwicklung zuwenden: Diese verlaufe zwar stabil, die Bäume würden aber nicht in den Himmel wachsen. Das Wachstum, das immer noch vornehmlich vom Konsum und weniger aus der Industrie komme, könnte dieses Jahr sogar geringer ausfallen als letztes Jahr. Besonderes Augenmerk gelte unverändert der US-Notenbank FED, die angesichts der hohen Beschäftigung und des stabilen Wachstums bereits eine baldige Zinsanhebung angedeutet habe - möglicherweise noch in diesem Jahr im Dezember. Dass die FED die Zinsen bereits auf der November-Sitzung anhebe, kurz vor der Wahl, gelte als unwahrscheinlich.
Auch die Europäische Zentralbank (EZB) zeige sich zögerlich: Weder sei eine Verlängerung oder Ausweitung ihres Anleihekaufprogramms, noch ein Fahrplan zur Beendigung des Programms ("Tapering") bekannt gegeben worden. Nur so viel, was ohnehin schon bekannt gewesen sei: Die quantitativen Maßnahmen würden so lange weiterlaufen, bis das Inflationsziel erreicht sei, was also auch über das eigentliche Ende des Programms, den März 2017, hinaus sein könne. Auch solle der Leitzins noch für längere Zeit auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau bleiben. Die Tapering-Spekulationen der letzten Wochen, die zu Renditeanstiegen geführt hätten, seien nicht einmal Thema der jüngsten EZB-Ratssitzung gewesen. Damit habe Mario Draghi die Chance verstreichen lassen, Konkretes zu liefern.
Der europäische Rentenmarkt bleibe also bis auf weiteres Spielball der EZB. Die Renditen, insbesondere im Bereich niedriger Bonitäten, würden kaum die wirtschaftliche Realität der Emittenten, also Staaten oder Unternehmen, widerspiegeln. Gleichzeitig werde aufgrund der EZB-Käufe das Angebot an Anleihen immer knapper. Wo solle man also noch investieren?
Unternehmensanleihen könnten selektiv noch interessant sein, da die Risikoprämien im historischen Vergleich als attraktiv zu bewerten seien, aber eben auch, weil die EZB sie kaufe. Außerdem sei ihr Nominalzins in der Regel positiv - anders als bei Staatsanleihen oder Pfandbriefen. Null-Kupons seien bei diesen keine Seltenheit mehr. Daher seien diese Anleihen auf diesem Renditeniveau leider keine konservative Anlageklasse mehr, wie sie es einmal gewesen seien. Reine Spekulationen über eine Zinswende würden ausreichen, um Renditeanstiege und damit Kursrückgänge hervorzurufen, die durch Zinszahlungen nicht mehr aufgefangen werden könnten. Neben ausgewählten Unternehmensanleihen würden Schwellenländeranleihen aus fundamental aussichtsreichen Regionen wie Asien, aber auch Wandelanleihen aufgrund ihrer Aktiensensitivität in ein gut gestreutes Rentenportfolio gehören.
Die Aktienmärke würden aussichtsreich bleiben, auch wenn man hier aktuell eine gewisse Trägheit beobachte. Der Ausgang der US-Wahl, geldpolitische Entscheidungen und insbesondere die Unternehmenszahlen für das dritte Quartal könnten die Aktienmärkte aber schon bald aus ihrer Lethargie holen. Dabei wären steigende Gewinne am Ende des Tages die besten Argumente für steigende Aktienkurse.
Die Berichtssaison sei in den USA bereits in vollem Gange und komme nun auch langsam in Europa in Fahrt. Für die USA sei zu erwarten, dass die Gewinnrezession beendet werde und nun wieder steigende Gewinne berichtet würden. Darauf würden zumindest die ersten Veröffentlichungen hindeuten. Für konkrete Aussagen zur Berichtssaison in Europa sei es noch zu früh. Allerdings lassen die Bewertungen durchaus Spielraum nach oben, sodass aus Sicht der Analysten der Weberbank auch hierzulande die Chancen für steigende Kurse überwiegen.
Gleiches Argument gelte für die Aktienmärkte vieler Schwellenländer, zum Beispiel in Brasilien, wo erste Anzeichen einer Wirtschaftserholung, steigende Rohstoffpreise und Erwartungen in eine politische Stabilisierung auf günstige Bewertungen treffen und die Kurse in diesem Jahr antreiben würden.
Aus Gründen der Risikostreuung sei weiterhin eine Beimischung von Gold sinnvoll. Das Edelmetall habe in diesem Jahr hohe Zugewinne verbucht, sei aber über den Sommer ins Hintertreffen geraten. Interessant sei in diesem Kontext, dass die Nachfrage nach mit Gold unterlegten Papieren zuletzt bei fallenden Goldkursen gleichzeitig gestiegen sei. Das Bedürfnis einer Versicherungskomponente sei also unvermindert vorhanden. (21.10.2016/alc/a/a)
Nach derzeitigem Stand der Prognosen werde wohl der 45. Präsident der Vereinigten Staaten erstmals eine Frau werden. Damit dürfte der Unsicherheitsfaktor "Trump" abgewendet worden sein und die Kapitalmärkte könnten ein wenig aufatmen.
Doch man solle einmal diesen fragwürdigen Wahlkampf um das wichtigste Amt in der vermutlich wichtigsten Volkswirtschaft der Welt vergessen und sich lieber der Konjunkturentwicklung zuwenden: Diese verlaufe zwar stabil, die Bäume würden aber nicht in den Himmel wachsen. Das Wachstum, das immer noch vornehmlich vom Konsum und weniger aus der Industrie komme, könnte dieses Jahr sogar geringer ausfallen als letztes Jahr. Besonderes Augenmerk gelte unverändert der US-Notenbank FED, die angesichts der hohen Beschäftigung und des stabilen Wachstums bereits eine baldige Zinsanhebung angedeutet habe - möglicherweise noch in diesem Jahr im Dezember. Dass die FED die Zinsen bereits auf der November-Sitzung anhebe, kurz vor der Wahl, gelte als unwahrscheinlich.
Auch die Europäische Zentralbank (EZB) zeige sich zögerlich: Weder sei eine Verlängerung oder Ausweitung ihres Anleihekaufprogramms, noch ein Fahrplan zur Beendigung des Programms ("Tapering") bekannt gegeben worden. Nur so viel, was ohnehin schon bekannt gewesen sei: Die quantitativen Maßnahmen würden so lange weiterlaufen, bis das Inflationsziel erreicht sei, was also auch über das eigentliche Ende des Programms, den März 2017, hinaus sein könne. Auch solle der Leitzins noch für längere Zeit auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau bleiben. Die Tapering-Spekulationen der letzten Wochen, die zu Renditeanstiegen geführt hätten, seien nicht einmal Thema der jüngsten EZB-Ratssitzung gewesen. Damit habe Mario Draghi die Chance verstreichen lassen, Konkretes zu liefern.
Unternehmensanleihen könnten selektiv noch interessant sein, da die Risikoprämien im historischen Vergleich als attraktiv zu bewerten seien, aber eben auch, weil die EZB sie kaufe. Außerdem sei ihr Nominalzins in der Regel positiv - anders als bei Staatsanleihen oder Pfandbriefen. Null-Kupons seien bei diesen keine Seltenheit mehr. Daher seien diese Anleihen auf diesem Renditeniveau leider keine konservative Anlageklasse mehr, wie sie es einmal gewesen seien. Reine Spekulationen über eine Zinswende würden ausreichen, um Renditeanstiege und damit Kursrückgänge hervorzurufen, die durch Zinszahlungen nicht mehr aufgefangen werden könnten. Neben ausgewählten Unternehmensanleihen würden Schwellenländeranleihen aus fundamental aussichtsreichen Regionen wie Asien, aber auch Wandelanleihen aufgrund ihrer Aktiensensitivität in ein gut gestreutes Rentenportfolio gehören.
Die Aktienmärke würden aussichtsreich bleiben, auch wenn man hier aktuell eine gewisse Trägheit beobachte. Der Ausgang der US-Wahl, geldpolitische Entscheidungen und insbesondere die Unternehmenszahlen für das dritte Quartal könnten die Aktienmärkte aber schon bald aus ihrer Lethargie holen. Dabei wären steigende Gewinne am Ende des Tages die besten Argumente für steigende Aktienkurse.
Die Berichtssaison sei in den USA bereits in vollem Gange und komme nun auch langsam in Europa in Fahrt. Für die USA sei zu erwarten, dass die Gewinnrezession beendet werde und nun wieder steigende Gewinne berichtet würden. Darauf würden zumindest die ersten Veröffentlichungen hindeuten. Für konkrete Aussagen zur Berichtssaison in Europa sei es noch zu früh. Allerdings lassen die Bewertungen durchaus Spielraum nach oben, sodass aus Sicht der Analysten der Weberbank auch hierzulande die Chancen für steigende Kurse überwiegen.
Gleiches Argument gelte für die Aktienmärkte vieler Schwellenländer, zum Beispiel in Brasilien, wo erste Anzeichen einer Wirtschaftserholung, steigende Rohstoffpreise und Erwartungen in eine politische Stabilisierung auf günstige Bewertungen treffen und die Kurse in diesem Jahr antreiben würden.
Aus Gründen der Risikostreuung sei weiterhin eine Beimischung von Gold sinnvoll. Das Edelmetall habe in diesem Jahr hohe Zugewinne verbucht, sei aber über den Sommer ins Hintertreffen geraten. Interessant sei in diesem Kontext, dass die Nachfrage nach mit Gold unterlegten Papieren zuletzt bei fallenden Goldkursen gleichzeitig gestiegen sei. Das Bedürfnis einer Versicherungskomponente sei also unvermindert vorhanden. (21.10.2016/alc/a/a)


