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Europäische Zentralbank mit vorzeitiger Bescherung
14.12.20 09:00
Union Investment
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Mit der am vergangenen Donnerstag erzielten Einigung zum EU-Haushalt und dem EU-Wiederaufbaufonds wurde marktseitig ein großer Unsicherheitsfaktor aus dem Weg geräumt, so die Experten von Union Investment.
In den USA werde fortgesetzt über ein weiteres Fiskalpaket verhandelt, ein Durchbruch sei derzeit allerdings nicht in Sicht. Der Stand der Verhandlungen beeinflusse die US-Märkte in die eine oder andere Richtung. Die Europäische Zentralbank habe wie erwartet weitere geldpolitische Maßnahmen geliefert, dennoch habe eine eher leichte Enttäuschung unter den Anlegern überwogen. Die Aktienmärkte hätten sich unter Schwankungen gezeigt, an den US-Börsen seien zwischenzeitlich neue Höchststände erreicht worden, in der Berichtswoche letztlich zumeist nur gering verändert. An den Staatsanleihemärkten hätten steigende Notierungen bei Bundesanleihen und US-Schatzanweisungen für rückläufige Renditen gesorgt.
Der EU-Haushalt und Wiederaufbaufonds seien nach dem Kompromiss mit Ungarn und Polen und der folgenden Einigung auf dem EU-Gipfel am Donnerstag auf Kurs. Die Zustimmung der Länderparlamente dürfte kein Problem mehr darstellen. Kritisch erscheine hingegen die Entwicklung bei den Brexit-Verhandlungen. Nach Aussagen der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bestehe nach dem jüngsten Treffen in der vergangenen Woche nicht mehr viel Hoffnung auf einen Erfolg der Verhandlungen mit Großbritannien.
Auch der britische Premier Boris Johnson habe seine Landsleute aufgefordert, sich auf ein Scheitern der Gespräche mit der EU einzustellen. Das Britische Pfund habe sowohl gegen den US-Dollar als auch den Euro in der Berichtswoche abgewertet. Darüber hinaus hätten die zunehmenden Corona-Infektionen und die damit einhergehenden kursierenden Pläne von politischer Seite hinsichtlich bevorstehender harter Lockdowns zum Wochenschluss für Unsicherheit gesorgt.
Die Europäische Zentralbank (EZB) habe am Donnerstag genau 14 Tage vor dem Weihnachtsfest eine vorgezogene Bescherung vorgenommen. Vor dem Hintergrund der andauernden Corona-Pandemie und der damit einhergehenden ökonomischen Verwerfungen sei eine Reihe von Anpassungen an das geldpolitische Instrumentarium vorgenommen worden. Das Gesamtvolumen des Pandemic Emergency Purchase Programms (PEPP) werde um 500 Milliarden auf 1.850 Milliarden Euro aufgestockt und die Laufzeit des Programms von Ende Juni 2021 auf mindestens Ende März 2022 verlängert.
Zudem seien die Bedingungen für die dritte Serie gezielter längerfristiger Refinanzierungsgeschäfte (TLTRO III) erneut rekalibriert worden. Darüber hinaus biete die EZB im Jahr 2021 vier zusätzliche längerfristige Pandemie-Notfallrefinanzierungsgeschäfte (Pandemic Emergency Longer-Term Refinancing Operations PELTROs) an. Die Leitzinsen seien allesamt unverändert geblieben.
Auf der Pressekonferenz habe EZB-Präsidentin Lagarde hervorgehoben, dass das Gesamtvolumen von PEPP nicht notwendigerweise voll ausgeschöpft werden müsse. Dies sei ein klarer Unterschied zur bisherigen Kommunikation: Bislang habe Lagarde immer wieder betont, dass man anstrebe, das Gesamtvolumen auch voll auszuschöpfen. Grundsätzlich passe die jüngste Aussage von Lagarde jedoch zu der Grundhaltung der EZB: Man strebe mit den geldpolitischen Maßnahmen insbesondere an, die derzeit günstigen Finanzierungsbedingungen zu erhalten - es gehe also nicht darum, die Finanzierungsbedingungen noch attraktiver zu gestalten.
In den gleichzeitig veröffentlichten neuen Prognosen des EZB-Mitarbeiterstabs komme zudem ein etwas ungünstigerer kurzfristiger Wirtschaftsausblick zum Ausdruck. Die neuen Projektionen würden auch deutlich machen, dass die EZB bis einschließlich 2023 davon ausgehe, dass sie ihr Inflationsziel nicht erreichen werde. Für das Jahr 2023 rechne der EZB-Stab mit einer Inflationsrate von 1,4 Prozent und damit klar unter dem Inflationsziel von nahe, aber unter zwei Prozent.
Letztlich habe die EZB im Rahmen der Erwartungen geliefert. Die Maßnahmen würden im Wesentlichen darauf abzielen, die Finanzierungsbedingungen für Staaten, Banken, Unternehmen und Haushalte in der andauernden Phase der Pandemie günstig zu halten - mehr aber auch nicht.
Die jüngsten US-Arbeitsmarktdaten hätten den Trend einer nachlassenden Dynamik in der Erholungsphase bestätigt. Die am Freitag der Vorwoche veröffentlichten neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft hätten mit 245.000 neuen Jobs deutlich unter dem Zuwachs im Vormonat und auch unter den Erwartungen der Analysten (460.000) gelegen. Gleichzeitig sei die in der Vorwoche ermittelte Zahl an Erstanträgen zur Arbeitslosenversicherung mit 853.000 Neuanträgen wieder deutlich angestiegen. Erwartet seien 725.000 Erstanträge gewesen.
Der ZEW-Index habe bei den Dezember-Erwartungen in Deutschland für etwas Zuversicht bei den Anlegern gesorgt. Mit 55 Punkten habe die Erwartungskomponente deutlich sowohl über dem Vormonat (39 Punkte) als auch den Konsensschätzungen (46 Punkte) gelegen. Verantwortlich für den Umschwung dürfte die baldige Einführung der Corona-Impfstoffe gewesen sein. Bleibe jetzt abzuwarten, ob eine womöglich bevorstehende harte Lockdown-Phase die hoch gesteckten Erwartungen zunichtemachen werde. (Ausgabe vom 11.12.2020) (14.12.2020/alc/a/a)
In den USA werde fortgesetzt über ein weiteres Fiskalpaket verhandelt, ein Durchbruch sei derzeit allerdings nicht in Sicht. Der Stand der Verhandlungen beeinflusse die US-Märkte in die eine oder andere Richtung. Die Europäische Zentralbank habe wie erwartet weitere geldpolitische Maßnahmen geliefert, dennoch habe eine eher leichte Enttäuschung unter den Anlegern überwogen. Die Aktienmärkte hätten sich unter Schwankungen gezeigt, an den US-Börsen seien zwischenzeitlich neue Höchststände erreicht worden, in der Berichtswoche letztlich zumeist nur gering verändert. An den Staatsanleihemärkten hätten steigende Notierungen bei Bundesanleihen und US-Schatzanweisungen für rückläufige Renditen gesorgt.
Der EU-Haushalt und Wiederaufbaufonds seien nach dem Kompromiss mit Ungarn und Polen und der folgenden Einigung auf dem EU-Gipfel am Donnerstag auf Kurs. Die Zustimmung der Länderparlamente dürfte kein Problem mehr darstellen. Kritisch erscheine hingegen die Entwicklung bei den Brexit-Verhandlungen. Nach Aussagen der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bestehe nach dem jüngsten Treffen in der vergangenen Woche nicht mehr viel Hoffnung auf einen Erfolg der Verhandlungen mit Großbritannien.
Auch der britische Premier Boris Johnson habe seine Landsleute aufgefordert, sich auf ein Scheitern der Gespräche mit der EU einzustellen. Das Britische Pfund habe sowohl gegen den US-Dollar als auch den Euro in der Berichtswoche abgewertet. Darüber hinaus hätten die zunehmenden Corona-Infektionen und die damit einhergehenden kursierenden Pläne von politischer Seite hinsichtlich bevorstehender harter Lockdowns zum Wochenschluss für Unsicherheit gesorgt.
Die Europäische Zentralbank (EZB) habe am Donnerstag genau 14 Tage vor dem Weihnachtsfest eine vorgezogene Bescherung vorgenommen. Vor dem Hintergrund der andauernden Corona-Pandemie und der damit einhergehenden ökonomischen Verwerfungen sei eine Reihe von Anpassungen an das geldpolitische Instrumentarium vorgenommen worden. Das Gesamtvolumen des Pandemic Emergency Purchase Programms (PEPP) werde um 500 Milliarden auf 1.850 Milliarden Euro aufgestockt und die Laufzeit des Programms von Ende Juni 2021 auf mindestens Ende März 2022 verlängert.
Auf der Pressekonferenz habe EZB-Präsidentin Lagarde hervorgehoben, dass das Gesamtvolumen von PEPP nicht notwendigerweise voll ausgeschöpft werden müsse. Dies sei ein klarer Unterschied zur bisherigen Kommunikation: Bislang habe Lagarde immer wieder betont, dass man anstrebe, das Gesamtvolumen auch voll auszuschöpfen. Grundsätzlich passe die jüngste Aussage von Lagarde jedoch zu der Grundhaltung der EZB: Man strebe mit den geldpolitischen Maßnahmen insbesondere an, die derzeit günstigen Finanzierungsbedingungen zu erhalten - es gehe also nicht darum, die Finanzierungsbedingungen noch attraktiver zu gestalten.
In den gleichzeitig veröffentlichten neuen Prognosen des EZB-Mitarbeiterstabs komme zudem ein etwas ungünstigerer kurzfristiger Wirtschaftsausblick zum Ausdruck. Die neuen Projektionen würden auch deutlich machen, dass die EZB bis einschließlich 2023 davon ausgehe, dass sie ihr Inflationsziel nicht erreichen werde. Für das Jahr 2023 rechne der EZB-Stab mit einer Inflationsrate von 1,4 Prozent und damit klar unter dem Inflationsziel von nahe, aber unter zwei Prozent.
Letztlich habe die EZB im Rahmen der Erwartungen geliefert. Die Maßnahmen würden im Wesentlichen darauf abzielen, die Finanzierungsbedingungen für Staaten, Banken, Unternehmen und Haushalte in der andauernden Phase der Pandemie günstig zu halten - mehr aber auch nicht.
Die jüngsten US-Arbeitsmarktdaten hätten den Trend einer nachlassenden Dynamik in der Erholungsphase bestätigt. Die am Freitag der Vorwoche veröffentlichten neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft hätten mit 245.000 neuen Jobs deutlich unter dem Zuwachs im Vormonat und auch unter den Erwartungen der Analysten (460.000) gelegen. Gleichzeitig sei die in der Vorwoche ermittelte Zahl an Erstanträgen zur Arbeitslosenversicherung mit 853.000 Neuanträgen wieder deutlich angestiegen. Erwartet seien 725.000 Erstanträge gewesen.
Der ZEW-Index habe bei den Dezember-Erwartungen in Deutschland für etwas Zuversicht bei den Anlegern gesorgt. Mit 55 Punkten habe die Erwartungskomponente deutlich sowohl über dem Vormonat (39 Punkte) als auch den Konsensschätzungen (46 Punkte) gelegen. Verantwortlich für den Umschwung dürfte die baldige Einführung der Corona-Impfstoffe gewesen sein. Bleibe jetzt abzuwarten, ob eine womöglich bevorstehende harte Lockdown-Phase die hoch gesteckten Erwartungen zunichtemachen werde. (Ausgabe vom 11.12.2020) (14.12.2020/alc/a/a)


