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Europäische Zentralbank drückt auf die Tube
12.03.21 11:45
FONDS professionell
Wien (www.anleihencheck.de) - Die EZB hat angesichts der steigenden Renditen an den Anleihemärkten neue Maßnahmen verkündet, so die Experten von "FONDS professionell".
Sie wolle ihr Anleihekaufprogramm zwar nicht ausweiten, aber das Tempo deutlich erhöhen.
In der vergangenen Woche hätten die Sorgen an den Anleihemärkten zugenommen. Zum einen sei es jüngst zu einem Anstieg der Renditen gekommen. Zum anderen plage Marktteilnehmer die Angst vor einem Comeback der Inflation. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) habe diese Risiken erkannt und reagiert. Bei ihrer turnusmäßigen Sitzung am gestrigen Donnerstag (11.03.) habe sie ihre Inflationsprognose deutlich hochgesetzt und verkündet, dass sie das Tempo ihrer Anleihekäufe erhöhen werde, berichte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ). Im nächsten Vierteljahr sollten die Käufe im Rahmen des Krisenprogramms PEPP (Pandemic Emergency Purchase Programme) demnach "deutlich umfangreicher" ausfallen als in den ersten Monaten des Jahres.
Das Corona-Notkaufprogramm für Staatsanleihen und Wertpapiere von Unternehmen hätten die Währungshüter zuletzt im vergangenen Dezember um 500 Milliarden Euro auf 1,85 Billionen Euro aufgestockt und die Mindestlaufzeit des Programms bis Ende März 2022 verlängert. Daran wolle die EZB erstmal nicht rütteln. Stattdessen wollten die Währungshüter die Käufe beschleunigen, berichte das "Manager Magazin". "Diese Linie macht Sinn", sage Otmar Lang, Chefvolkswirt der Targobank. Nicht jeder Renditeanstieg sei gleich ein geldpolitisches Problem, welches einer scharfen Antwort mit Langzeitwirkung bedürfe. "Vor allem angesichts der Tatsache, dass sich die Renditen für Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren gerade mal um 0,3 Prozentpunkte nach oben bewegt hatten", sage Lang.
In den ersten Monaten dieses Jahres sei das Tempo der EZB-Anleihekäufe auf etwa 14 Milliarden Euro pro Woche gesunken, verglichen mit etwa 20 Milliarden Euro zuvor. "Anleger befürchteten, dass die EZB ein heimliches Tapering durchführt", sage David Riley, Chef-Anlagestratege beim Vermögensverwalter Bluebay Asset Management. Die Befürchtung, dass die EZB die Wertpapierkäufe ohne direkte Ankündigung schrittweise einschränken könnte, auch als "Stealth Taper" bezeichnet, sei nun vom Tisch. "Die EZB und Präsidentin Lagarde gaben ein deutliches Signal, dass sie handeln werden, um zu verhindern, dass höhere Renditen von US-Staatsanleihen zu einer ungerechtfertigten Verschärfung der finanziellen Bedingungen in der Eurozone führen", resümiere Riley.
Die Ankündigung von Lagarde stoße bei Marktexperten jedoch nicht ausschließlich auf Zuspruch. So frage sich Ulrike Kastens, Volkswirtin beim Vermögensverwalter DWS, "wie die EZB günstige Finanzierungsbedingungen definiert und welcher Renditeniveaus von Staatsanleihen es entsprechend bedarf." Zwar hätte die EZB ausdrücklich betont, dass sie keine Kontrolle der Renditestrukturkurve betreibe. "Implizit strebt sie sie jedoch an, ohne aber Renditeziele zu nennen", sage Kastens. Diese Unsicherheit über den Kurs der EZB dürfe weiterhin für Volatilität am Renten- und Devisenmarkt sorgen.
In diesem Jahr rechne EZB-Chefin Christine Lagarde nun mit einer Inflationsrate von 1,5 Prozent anstelle von 1,2 Prozent. Auch die Vorhersage für das kommende Jahr habe Lagarde angepasst: 2022 rechne die Notenbank-Chefin nun mit einer Inflationsrate von 1,2 statt 1,1 Prozent. "Die anziehenden Inflationserwartungen verbunden mit einem sich verbessernden Konjunkturausblick sind doch genau der Mix, den sich die EZB-Entscheider schon so lange wünschen", sage Lang. In der Tat strebe die EZB langfristig ein Inflationsziel von "unter aber nahe zwei Prozent" an.
Für das Jahr 2023 habe die EZB ihre Inflationserwartung bei 1,4 Prozent belassen. "Die Tatsache, dass ihre Inflationsprognosen immer noch eine signifikante Abweichung von ihrem eigenen Ziel aufweisen, sollte Anlass zur Sorge sein", sage Andy Mulliner, Portfolio Manager beim Vermögensverwalter Janus Henderson Investors. In diesem Kontext hätte sich die EZB entschieden zu handeln. (12.03.2021/alc/a/a)
Sie wolle ihr Anleihekaufprogramm zwar nicht ausweiten, aber das Tempo deutlich erhöhen.
In der vergangenen Woche hätten die Sorgen an den Anleihemärkten zugenommen. Zum einen sei es jüngst zu einem Anstieg der Renditen gekommen. Zum anderen plage Marktteilnehmer die Angst vor einem Comeback der Inflation. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) habe diese Risiken erkannt und reagiert. Bei ihrer turnusmäßigen Sitzung am gestrigen Donnerstag (11.03.) habe sie ihre Inflationsprognose deutlich hochgesetzt und verkündet, dass sie das Tempo ihrer Anleihekäufe erhöhen werde, berichte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ). Im nächsten Vierteljahr sollten die Käufe im Rahmen des Krisenprogramms PEPP (Pandemic Emergency Purchase Programme) demnach "deutlich umfangreicher" ausfallen als in den ersten Monaten des Jahres.
In den ersten Monaten dieses Jahres sei das Tempo der EZB-Anleihekäufe auf etwa 14 Milliarden Euro pro Woche gesunken, verglichen mit etwa 20 Milliarden Euro zuvor. "Anleger befürchteten, dass die EZB ein heimliches Tapering durchführt", sage David Riley, Chef-Anlagestratege beim Vermögensverwalter Bluebay Asset Management. Die Befürchtung, dass die EZB die Wertpapierkäufe ohne direkte Ankündigung schrittweise einschränken könnte, auch als "Stealth Taper" bezeichnet, sei nun vom Tisch. "Die EZB und Präsidentin Lagarde gaben ein deutliches Signal, dass sie handeln werden, um zu verhindern, dass höhere Renditen von US-Staatsanleihen zu einer ungerechtfertigten Verschärfung der finanziellen Bedingungen in der Eurozone führen", resümiere Riley.
Die Ankündigung von Lagarde stoße bei Marktexperten jedoch nicht ausschließlich auf Zuspruch. So frage sich Ulrike Kastens, Volkswirtin beim Vermögensverwalter DWS, "wie die EZB günstige Finanzierungsbedingungen definiert und welcher Renditeniveaus von Staatsanleihen es entsprechend bedarf." Zwar hätte die EZB ausdrücklich betont, dass sie keine Kontrolle der Renditestrukturkurve betreibe. "Implizit strebt sie sie jedoch an, ohne aber Renditeziele zu nennen", sage Kastens. Diese Unsicherheit über den Kurs der EZB dürfe weiterhin für Volatilität am Renten- und Devisenmarkt sorgen.
In diesem Jahr rechne EZB-Chefin Christine Lagarde nun mit einer Inflationsrate von 1,5 Prozent anstelle von 1,2 Prozent. Auch die Vorhersage für das kommende Jahr habe Lagarde angepasst: 2022 rechne die Notenbank-Chefin nun mit einer Inflationsrate von 1,2 statt 1,1 Prozent. "Die anziehenden Inflationserwartungen verbunden mit einem sich verbessernden Konjunkturausblick sind doch genau der Mix, den sich die EZB-Entscheider schon so lange wünschen", sage Lang. In der Tat strebe die EZB langfristig ein Inflationsziel von "unter aber nahe zwei Prozent" an.
Für das Jahr 2023 habe die EZB ihre Inflationserwartung bei 1,4 Prozent belassen. "Die Tatsache, dass ihre Inflationsprognosen immer noch eine signifikante Abweichung von ihrem eigenen Ziel aufweisen, sollte Anlass zur Sorge sein", sage Andy Mulliner, Portfolio Manager beim Vermögensverwalter Janus Henderson Investors. In diesem Kontext hätte sich die EZB entschieden zu handeln. (12.03.2021/alc/a/a)


